Die beiden 1897 und 1899 erbauten Missionshäuser prägten Anfang des 20. Jahrhunderts noch das Bild von Hiltrup (31.8.1905, Historische Postkarte)
Die beiden 1897 und 1899 erbauten Missionshäuser prägten Anfang des 20. Jahrhunderts noch das Bild von Hiltrup (31.8.1905, Historische Postkarte)

Hiltrups verkehrsgünstige Lage an Straße, Eisenbahn und Kanal war um die Jahrhundertwende eine günstige Ausgangssituation für die weitere Entwicklung. Angetrieben wurde der kräftige Entwicklungsschub von externen Akteuren. ….

Franz Anton Hanses-Ketteler, Inhaber der Forstbaumschulen Gebr. Hanses, HIltrup i. Wf., beidseits des Kanals in Hiltrup (1892; Foto: Hiltruper Museum)
Franz Anton Hanses-Ketteler, Inhaber der Forstbaumschulen Gebr. Hanses, HIltrup i. Wf., beidseits des Kanals in Hiltrup (1892; Foto: Hiltruper Museum)

Die Familie Hanses leitet ihre Herkunft von Hamburger Patrizierfamilien des 16. Jahrhunderts ab. Im 19. Jahrhundert war sie im Sauerland ansässig, Josef Hanses-Ketteler gründete 1852 in Rinseke bei Oberhundem Forstbaumschulen. Zwei seiner Brüder wanderten in die USA aus und gründeten dort die Baumschulen „Hanses Brothers“. ….

Kaiserliches Postamt Hiltrup, Bahnhofstr. 32 (1904; Foto: Hiltruper Museum)
Kaiserliches Postamt Hiltrup, Bahnhofstr. 32 (1904; Foto: Hiltruper Museum)

1880 wurde in Münster das Postgebäude am Domplatz fertiggestellt. 1887 wurde dort auf Initiative des Vereins der Kaufmannschaft eine Fernsprechvermittlungsstelle mit 50 Teilnehmern in Betrieb genommen.

Hiltrup gehörte bis 1880 zum Landzustellbereich Münster. Um diese Zeit wurde in der früheren Wirtschaft Stähler (Rohrkötter) an der Hammer Straße eine Postagentur eingerichtet, für die Postsachenbeförderung wurde die Eisenbahn benutzt. 1904 wurde die Postagentur in ein Postamt III. Klasse (Postverwalter) umgewandelt ….

Steiner See in Hiltrup (Karte: Stadt Münster / webgis, 24.9.2023)
Steiner See in Hiltrup (Karte: Stadt Münster / webgis, 24.9.2023)

Am Anfang war Sand

Südlich von Hiltrup im Waldgebiet der Hohen Ward liegt ein See. Korrekt heißt er „Hiltruper See“, die Hiltruper kennen ihn als „Steiner See“. Die Hohe Ward im Süden von Hiltrup war im Mittelalter mit einer Größe von 600 Morgen die bedeutendste Markgenossenschaft, ein Nachbarschaftsverband zur gemeinsamen, reglementierten Nutzung von Wald-, Weide- und Ödland. Die Markgenossen nutzten die Hohe Ward gemeinsam als Viehweide und schlugen Holz. Die in der Mark gestochenen Plaggen dienten als Einstreu für das Vieh und anschließend als Dünger für die Felder. Die Hohe Ward wurde durch das Plaggenstechen mehr und mehr zu einem besseren Heidegebiet, bis sie 1827 geteilt wurde. 1844 kaufte die Familie Hötte, wohlhabende Pelzgroßhändler, das Gut Heidhorn, 1868/1869 übernahm Joseph Hötte (1838-1919) das Gut. Von ursprünglich 150 Hektar wurde es durch Zukäufe auf 415 Hektar vergrößert, Einnahmen kamen aus der Holzwirtschaft (ab 1890 Förster Himmelmann).

Der Sandabbau auf Grundstücken des Gutes Heidhorn, der späteren Stiftung Heidhorn, begann 1901. ….

Mit der Stürzkarre zum Kloster
Mit der Stürzkarre zum Kloster

Hermann Dierksmeier (1906 -1996) berichtet von seiner Zeit als Schüler bei den Hiltruper Missionaren:

Eines Tages im Jahre 1916 fuhr eine Stürzkarre an unserem Haus an der Hammer Straße vorbei. Mein Freund Hermes von der Augustastraße saß mit Koffern und Kisten auf dem Wagen und wurde von seinen Eltern nach Hiltrup zu den Patres gebracht. ….

Hamsternde Kinder auf einer Landstraße bei Hiltrup, August 1918, © Leihgeber: Stadtarchiv Münster
Hamsternde Kinder auf einer Landstraße bei Hiltrup, August 1918, © Leihgeber: Stadtarchiv Münster

Regierung und Generalstab hatten mit einer schnellen Beendigung des Krieges gerechnet und keinerlei Vorsorge zur Versorgung der Bevölkerung getroffen. Schon 1914 verschlechterte sich die Lebensmittelversorgung der Bevölkerung Münsters. Die Lage der Bevölkerung wurde im Verlaufe des 1. Weltkrieges immer schlechter. ….

"Die Ziege ist es wert, daß man sie ehrt, weil sie ihren Mann ernährt.": Denkmal zum 25jährigen Bestehen des Hiltruper Ziegen Zucht Vereins 1900-1925 (Hiltrup, Garten der Kaffeewirtschaft Bernard Vogt an der Marktallee; historische Postkarte um 1935)
"Die Ziege ist es wert, daß man sie ehrt, weil sie ihren Mann ernährt.": Denkmal zum 25jährigen Bestehen des Hiltruper Ziegen Zucht Vereins 1900-1925 (Hiltrup, Garten der Kaffeewirtschaft Bernard Vogt an der Marktallee; historische Postkarte um 1935)

„Die Kuh des kleinen Mannes“

In einigen Städten gibt es Ziegendenkmale, auch in Hiltrup hatte der Ziegen-Zucht-Verein in Vogts Garten der Ziege ein Denkmal gesetzt. Als karnevalistische Tradition hat sich im Nachbar-Stadtteil Wolbeck der Ziegenbocksmontag erhalten. Humor und Sicherung des Lebensunterhalts waren lange eng miteinander verbunden, wie das Leben des „Ziegenbarons“ Alfred von Renesse zeigt.

Die Bezeichnung der Ziege als „Kuh des kleinen Mannes“ hatte bis weit ins 20 Jahrhundert einen ganz realen Hintergrund. ….

SPD-Wahlplakat von 1920: "Wir bauen den Staat"
SPD-Wahlplakat von 1920: "Wir bauen den Staat"

Die Bedingungen, unter denen Sozialdemokraten in Münster und Hiltrup arbeiten mussten, waren weiterhin schwierig. Das lag daran, dass der Katholizismus selbst die Arbeiter, als deren Sachwalter sich die SPD verstand, fest an die Zentrumspartei und ihr nahestehende Organisationen band. Die Kirche unterstützte dieses auf vielfache Weise. Noch 1921 erklärte sie im Amtsblatt der Diözese die Mitgliedschaft in sozialistischen Parteien ….

Bischof von Galen fährt in Hiltrup ein (13.7.1938; Foto: Hiltruper Museum)
Bischof von Galen fährt in Hiltrup ein (13.7.1938; Foto: Hiltruper Museum)

Eine Demonstration

Das Verhältnis zwischen katholischer Kirche und NS-Staat hatte sich 1938 zugespitzt. Der Hiltruper Gemeinderat hatte 1933 sofort einen Kandidaten der NSDAP zum Bürgermeister gewählt. Die Hiltruper Missionsschwestern waren 1935 in ein Strafverfahren verwickelt, die Vertreibung der Hiltruper Patres aus ihrem Kloster im Jahr 1941 stand bevor, kirchliche Fahnen durften nicht mehr in der Öffentlichkeit aufgezogen werden. In dieser Atmosphäre kam Bischof von Galen am 13.7.1938 zur Firmung nach Hiltrup. ….

Lageplan des Lagers "Waldfrieden" in Hiltrup am Kanal / Osttor (26.8.1941, mit Baracken, noch ohne Bunker)
Lageplan des Lagers "Waldfrieden" in Hiltrup am Kanal / Osttor (26.8.1941, mit Baracken, noch ohne Bunker)

In Erinnerung an das Ostarbeiterlager “Waldfrieden”

Die Führer des Nationalsozialismus speisten ihre Ideologie der Unmenschlichkeit aus dem Antisemitismus mit seinen Vorbildern seit dem Mittelalter, dem Rassismus, der in der Zeit der weißen Kolonialarroganz aufblühte, und dem Sozialdarwinismus, der die Auslese nach dem Prinzip des Stärkeren vollzog. Die Nazi-Rassenlehre erklärte alle Blonden ….