Nach Kriegsbeginn erschienen die ersten Traueranzeigen mit dem Hinweis „starb den Heldentod“. Zur Unterstützung bedürftiger „Kriegerfamilien“ in Hiltrup spendete Max Winkelmann 5000 Mark (Münsterischer Anzeiger 26.8.1914) sowie weitere 5000 Mark an das Rote Kreuz (Münsterischer Anzeiger 20.9.1914), weitere 5000 Mark für Hiltruper „Kriegerfamilien“ im März 1915 (Münsterischer Anzeiger 29.3.1915). Eine „Nationalstiftung für die Hinterbliebenen der im Kriege Gefallenen“ warb um Spenden (Münsterischer Anzeiger 17.9.1914).

Im November 1914 füllten Auszüge aus der „Verlustliste“ („Unsere Helden“) mit den Namen der Toten und Verwundeten bereits ganze Seiten im Münsterischen Anzeiger. Im Dezember 1914 starb eine Tochter des Ökonomierats Christoph Winkelmann von Haus Köbbing den „Heldentod“, sie hatte sich im Feldlazarett in Frankreich mit Typhus infiziert (Münsterischer Anzeiger 4.1.1915).
Regierung und Generalstab hatten mit einer schnellen Beendigung des Krieges gerechnet und keinerlei Vorsorge zur Versorgung der Bevölkerung getroffen. Schon 1914 verschlechterte sich die Lebensmittelversorgung der Bevölkerung Münsters. Im September 1914 forderte die Landwirtschaftskammer, die Verwaltungen der größeren Städte sollten die überhöhten Fleischpreise begrenzen (Münsterischer Anzeiger 26.9.1914). Die Kartoffelpreise erreichten zu Anfang des Krieges „eine bisher nicht gekannte Höhe“, die katholischen Arbeitervereine kauften „auswärts größere Mengen“ und gaben sie „den Mitgliedern zum Selbstkostenpreise ab“ genauso wie Fleisch „zu billigem Preise“ (Münsterischer Anzeiger 31.5.1915). Das Amt St. Mauritz inserierte „200 Zentner gute Speisekartoffeln frei Bahnhof Hiltrup zu kaufen gesucht“ (Münsterischer Anzeiger 26.11.1914).
Der landwirtschaftliche Lokalverein Amelsbüren-Hiltrup diskutierte schon im Oktober 1914, dass die Einfuhr von Brotgetreide aus dem Ausland fast vollständig unterbunden sei; die Ernährung des Volkes mit Brot könne nur gesichert werden, wenn Brotgetreide nicht mehr an das Vieh verfüttert werde (Münsterischer Anzeiger 28.10.1914).

Ab Anfang 1915 galt eine Backordnung für Kriegsbrot:
K-Brot enthielt 10–20 % Kartoffeln, Gerstenmehl, Gerstenschrot und Kleie, bei KK-Brot betrug der Anteil mehr als 20 %. Getreide wurde beschlagnahmt, die Preise für Tierfutter und Düngemittel explodierten. Am 1.2.1915 diskutierten Landwirte und Einwohner von Amelsbüren und Hiltrup die Notlage (anschaulicher Bericht: Münsterischer Anzeiger 1.2.1915). Eine Bodenverbesserungs-Genossenschaft wurde für die Loddenheide eingerichtet zur Vergrößerung der Anbaufläche landwirtschaftlicher Erzeugnisse (Münsterischer Anzeiger 10.2.1915); für die Bearbeitung von Ödland im Gebiete der Loddenheide, Hiltrup und Angelmodde sollten etwa 38000 Kriegsgefangene eingesetzt werden. Ab 15.3.1915 waren Brot, Mehl und Zwieback auch in Hiltrup rationiert und wurden auf Brotmarken ausgegeben: Zum Beispiel täglich ein halbes Pfund Kriegsbrot. Hafer als Saatgut und Pferdefutter wurde ab 1915 bewirtschaftet, auch Kohlen wurden knapp. Im April 1915 kosteten Arbeitspferde bereits „außergewöhnlich hohe Preise“, als sie bei Soetkamp in Hiltrup verkauft wurden (Münsterischer Anzeiger 27.4.1915).
Die Lage der Bevölkerung wurde im Verlaufe des 1. Weltkrieges immer schlechter. Lebensmittel und viele Güter des täglichen Bedarfs wurden immer knapper, und das Geld wurde immer weniger wert; von 1913 bis 1918 verlor die Mark 70 Prozent Kaufkraft. Gleichzeitig kamen neue Luxusartikel auf den Markt, zum Beispiel kostete der neu entwickelte elektrische Staubsauger im Jahr 1915 in Kaufkraft von 2024 umgerechnet ungefähr 1200 Euro. Im Juli 1915 kam es zu „häßlichen Szenen“ auf dem münsterschen Wochenmarkt: Die Händler wurden daraufhin verpflichtet, von der Polizei abgestempelte Preisschilder auszulegen; die darauf notierten Preise durften unter-, aber nicht überschritten werden (Münsterischer Anzeiger 4.8.1915).
Im September 1915 kostete Kraftfutter viermal so viel wie vor dem Krieg, die Milch wurde teurer (Münsterischer Anzeiger 9.9.1915). Auch der Betriebsleiter von Glasurit, Otto Brütting, hielt Schweine zur Selbstversorgung (Münsterischer Anzeiger 8.1.1917: „Die unter dem Schweinebestand des Betriebsleiters Otto Brütting zu Hiltrup, Bach Nr. 35, ausgebrochene Rotlaufseuche ist erloschen“).

Petroleum wurde knapp, Petroleumlampen wurden auf Karbid umgerüstet. Der landwirtschaftliche Kreisverein diskutierte, wie die Pferde und das Vieh durch den Winter zu bringen seien: Kraftfutter und Hafer waren kaum verfügbar. Arbeitslose Fabrikarbeiterinnen und Schulkinder sollten Eicheln, Bucheckern und Kastanien für die Schweine sammeln, die Pferde sollten mit Kartoffeln gefüttert werden; andererseits wurden die Kartoffeln zur Ernährung der Bevölkerung benötigt (Münsterischer Anzeiger 28.9.1915).
Für Ostern 1915 wurde in der Zeitungsrubrik „Aus den Jünglingsvereinen“ angekündigt: „Liebfrauen. Ostersonntag, 4. April, Morgens 7 Uhr: Gemeinschaftliche hl. Kommunion. Ostermontag, 5 April. Nachmittags 2 Uhr: Wanderung nach Hiltrup mit Kriegsspiel. Antreten auf dem Schulplatz der Überwasserschule“ (Münsterischer Anzeiger 4.4.1915).

Die Armee zog immer mehr „Ersatz=Rekruten“ ein und schickte sie nach einer kurzen Grundausbildung an die Front.
Nach einem Jahr Krieg veränderte sich die Sprache der Todesanzeigen für die umgekommenen Soldaten. Nun war nicht mehr durchgängig von „Heldentod“ die Rede, stattdessen hieß es auch „auf dem Felde der Ehre“ oder einfach „im Krieg“ gefallen.

Die Kriegspropaganda des Deutschen Reiches sorgte zunächst für harmlose Bilder. Unter der Bezeichnung „Östliches Kriegsbild“ o.ä. enthält zum Beispiel die Sammlung Kriegsdienst des Josef Enxing (Hiltruper Museum) Postkarten-Ansichten, die höchstens ansatzweise die Schrecken des Krieges zeigen.

In der Sammlung sind Postkarten versammelt, wie sie auch normale Sommerfrischler hätten verschicken können. Daneben ist dem modernen „Deutschen Sanitäts-Kraftwagen“ das Bild aus dem elenden russischen Lazarett gegenübergestellt: In einem großen Raum liegen viele Verwundete auf Stroh. Ein anderes Bild zeigt den Abtransport von 15000 russischen Gefangenen: Das Elend, suggerieren die Bilder, trifft nur die „Anderen“.

Das Gruppenfoto aus dem Jahr 1915 vom Reserve-Feldlazarett 103 in Suwalki bedient mit Feldküche, Mettwurst, Tabak, Ziehharmonika und einer Batterie von Bierflaschen noch das Klischee vom lustigen Soldatenleben, im Vordergrund ist eine große Kiste Schultheiß-Bier dekoriert. Nur im Hintergrund schaut der kleine „Russenjunge“ verängstigt in die Kamera. Dieses und andere Bilder wurden vor Ort als Postkarten vervielfältigt und in die Heimat geschickt.
Derweil wurden schon 1915 Hausschlachtungen verboten, und das Brotgetreide wurde knapp. Nach der Getreideernte zogen Hiltruper Kinder über die Felder und sammelten einzelne Ähren auf, insgesamt über 10 Zentner Getreide (Hauptlehrer Wessling in Münsterischer Anzeiger 7.6.1916).
Viele kamen um, darunter 124 Hiltruper. Den Angehörigen „verlieh“ der Kriegsminister ein Gedenkblatt als Erinnerungszeichen an den Heldentod auf dem Felde der Ehre. Das „Gedenkblatt“ mit der vorgedruckten Unterschrift des Kriegsministers war nicht personalisiert, nur ein Ausstellungsdatum war mit Schreibmaschine eingefügt. Viele wurden verstümmelt oder gerieten in Gefangenschaft.
Im Winter 1915/1916 ermöglichte eine Spende den Betrieb einer Suppenküche. Zweimal wöchentlich erhielten 150 Kinder in Hiltrup ein vollständiges Mittagessen (Münsterischer Anzeiger 19.1.1916). Zur Stärkung der Heimatfront wurde wie in vielen anderen Städten auch in Hiltrup im Saal der Gastwirtschaft Vogt eine öffentliche Kriegsnagelung veranstaltet: Ein großes Bild zeigte Kaiser Wilhelm II., gegen eine Spende schlugen die Teilnehmer goldfarbene Nägel in den hölzernen Rahmen ein (Münsterischer Anzeiger 13.2.1916). In Münster wurde ein „Jung-Germane“ genagelt.
Glasurit berichtete Anfang 1916 steigenden Absatz und Werksvergrößerungen und schüttete 14 Prozent Dividende aus.
Die Euphorie und Verniedlichung des Krieges, wie sie die Feldpostkarte von Anfang 1916 noch zeigt, schwanden. Die Seeblockade unterbrach Lebensmittelimporte, im Winter 1916/1917 brach eine Hungersnot aus („Steckrübenwinter“). Zum Ende des Krieges herrschten Hunger und Epidemien überall im Reich, Lebensmittel waren knapp und teuer. Die Stadt Münster betrieb im Rahmen ihres Kriegswirtschaftsbüros ein Lebensmittelbüro zur Bewirtschaftung von Lebensmitteln, es konnte nur den Mangel verwalten. Tuberkulose grassierte.
In Hiltrup waren auf dem Industriegelände zwischen Kanal und Bahnhof neben der Mühle und dem Sägewerk Wentrup mehrere Firmen nacheinander in Konkurs gegangen: Erst eine Zementwarenfabrik, 1905 unter der Firma „Cementfabrik F.M. Dalhoff“ gegründet, und 1915 die Holzhandlung Franz May & Co..

1916 stand das Betriebsgelände der früheren Hiltruper Terrazzo- und Zementwerke A.-G. (später: Hiltruper Steinwerke und Betonbau AG, danach Franz May & Co) zum Verkauf durch den Konkursverwalter. Auf dem Betriebsgelände betrieb die Armee ab Juni 1916 zunächst eine „Kriegsdarre“ (zum Konservieren von Getreide) und ein Verpflegungslager, später ein Lager für Artilleriemunition.
Die zur Armee eingezogenen Männer fehlten zu Hause. Sie fehlten als Arbeitskräfte in der Industrie und Landwirtschaft, wo an ihrer Stelle Kriegsgefangene eingesetzt wurden.

Neben dem Lager Rennbahn gab es 1916 weitere Kriegsgefangenenlager in Hiltrup; die Gefangenen waren nicht nur in der Landwirtschaft, sondern auch in der „Fabrikation“ eingesetzt (Stellenausschreibung im Rahmen des Vaterländischen Hilfsdienstes).
Arbeitskräfte fehlten auch im Einzelhandel. Sie fielen mit ihrem Arbeitseinkommen in den „Kriegerfamilien“ aus. Die Frauen blieben mit kleinen Kindern allein; wenn sie beim wohlhabenden Bürgermeister um Unterstützung (sogenannte Familienzahlung, „Kriegs-Familienunterstützung“) baten, konnten sie auch zur Antwort bekommen, dass sie ja arbeiten könnten.

Aufgabe der Frauen wurde es, für die Ernährung der Familien zu sorgen. Fleisch und Fett waren Mangelware. In Münster informierte der Hausfrauen-Verein über „Kriegskost“: „Wie ersetzen wir Fett durch Fettbildner.“

Nicht nur die Lebensmittel waren knapp, sondern auch vieles andere, zum Beispiel Papier. „Benzinersatz“ wurde in Tuben angeboten, 35 Pfennig das Stück (Münsterischer Anzeiger 8.5.1916).
Im April 1916 erörterte der Kreistag des Landkreises Münster die Verschlechterung der wirtschaftlichen Lage. Besonders Greven war durch die Zahlungen von „Kriegs-Familienunterstützung“ und Erwerbslosenunterstützung schwer belastet, aber „auch in Hiltrup [stocke] die Industrie. Hiltrup habe die zweithöchsten Abgaben aufzubringen, und da dort die Verhältnisse auch nicht zum Besten liegen, werde es zweckmäßig sein, auch dem Industrieorte Hiltrup die Aufmerksamkeit zuzuwenden“ (Münsterischer Anzeiger 4.4.1916).
Der Katholische Frauenbund unterhielt mindestens seit 1908 in Münster eine Rechtsschutzstelle für Frauen. 1916 weitete er dies Angebot für Frauen aus. Die Sprechstunde im Frauenbundhaus am Domplatz Nr. 37-38 öffnete nun täglich und gab „Auskunft … in allen Rechtsfragen, die aus der Kriegslage hervorgehen und über Wohlfahrtseinrichtungen“, daneben bot der Katholische Mädchenschutzverein für Dienstmädchen seine Hilfe an.
Ab Mai 1916 war Fleisch nicht mehr frei verkäuflich. Metzger Rohrkötter zu Hiltrup erhielt den „Auftrag, für den Fleischbedarf und den Verkauf an die Amtseinwohner nach der zugelassenen Menge Sorge zu tragen. Fleischbezugsscheine für diejenigen, die keine Vorräte besitzen, werden demnächst ausgegeben und sind beim Amt zu beantragen“ (Münsterischer Anzeiger 25.5.1916). Das völlige Verbot von Hausschlachtungen wurde im Sommer 1916 aufgehoben; Genehmigungen durften die Kommunalverbände aber nur so erteilen, „daß nur wirklich schlachtreifes Vieh zur Schlachtung zugelassen und der Viehbesitzer durch die Schlachtungen in seiner Fleischversorgung nicht besser gestellt wird als die übrige Zivilbevölkerung“. Der Landwirtschaftliche Lokalverein Amelsbüren-Hiltrup empfahl dringend, in diesem Sommer mehr noch, als es im vorigen Jahre geschehen sei, die Kinder zum Ährensammeln anzuhalten. Das sei besonders deshalb von besonderer Wichtigkeit, weil wegen der hohen Preise für Bindegarn die Landwirtschaft bei der diesjährigen Ernte auf die kleineren Maschinen und die Sense angewiesen sei. Zur Steigerung der Produktion wurde aufgerufen: „Wer heutigentags einen Kampf gegen die Unkräuter führt, der führt einen Kampf für das Vaterland“ (Münsterischer Anzeiger 7.6.1916). Hanf-Bindegarn wurde im Juli 1916 zur begehrten Handelsware, Bindegarn-Enden wurden beschlagnahmt (Münsterischer Anzeiger 20.1.1917).
Die Sommerzeit war 1916 eingeführt worden, um Leuchtmittel zu sparen. Für die Bauern stieg dadurch der Aufwand; zu Arbeitsbeginn gab es eine größere Taufeuchte, und zum Melken der Kühe brauchten sie jetzt Beleuchtung, um die Milch für den Versand pünktlich zum Milchzug bringen zu können (Münsterischer Anzeiger 5.7.1916).
Ab dem 1.8.1916 waren bestimmte Textilien nur noch auf Bezugsschein zu kaufen. Der Bezugsschein musste vor dem Kauf in der zuständigen Ortsbehörde (in Münster: städtische Ausgabestelle) vorgelegt werden zur Prüfung und Stempelung (Münsterischer Anzeiger 15.8.1916).

Im November 1916 gab es in Hiltrup pro Kopf und Woche nur noch 50 Gramm „Buttermaterial“ zu kaufen. Die Bezeichnung „Buttermaterial“ lässt darauf schließen, dass es sich um ein Ersatzprodukt handelte.
Grundnahrungsmittel wie Graupen, Suppennudeln und Heringe waren im November 1916 rationiert und nur auf Karten zu kaufen, genauso Zucker und Seife. Erst drei Wochen später gab es wieder Heringe in Hiltrup. Selbst Magermilch wurde bewirtschaftet, an der heutigen Marktallee 24 wurde eine Verkaufsstelle eingerichtet mit der Aufforderung „Solche Familien, die bereits Vollmilch beziehen, wollen von dem Ankaufe von Magermilch Abstand nehmen, da sonst die Menge nicht ausreicht“ (Münsterischer Anzeiger 30.11.1916). Im Dezember 1916 gab es bei Metzger Rohrkötter in Hiltrup nicht näher bezeichnetes „Fett“, die Wochenmenge betrug „62 ½ Gramm auf den Kopf“ (Münsterischer Anzeiger 2.12.1916).
Zur selben Zeit sucht ein „B. Emmerich, Hiltrup, Bahnhofstr. 215“ (eine bessere Adresse, heutige Marktallee 26) per Zeitungsinserat 200 Zentner Steckrüben und 10 Schweine „nicht unter 100 Pfund“ (Münsterischer Anzeiger 19.11.1916). In diesem Monat (November 1916) wurden bei den Bauern Kartoffeln beschlagnahmt; wer Kartoffelvorräte verheimlichte, riskierte Gefängnis (Münsterischer Anzeiger 8.2.1917).

1915 waren die Petroleumlampen schon auf Karbid umgerüstet worden. Für die Herstellung von Karbid wurde viel Strom benötigt; 1916 kam die nächste Umrüstung auf Benzol, ein giftiges Abfallprodukt der Kokereien.
Die Schlacht an der Somme fordert 1916 ungefähr 1 Million Tote und Verwundete. An der „Heimatfront“ werden Propagandafilme gezeigt.
Mit dem Vaterländischen Hilfsdienst wurden im Dezember 1916 Männer zwischen dem 17. und dem 60. Lebensjahr verpflichtet, in der Rüstungsindustrie oder in kriegswichtigen Betrieben zu arbeiten. Ausgenommen war nur, wer in der Land- oder Forstwirtschaft arbeitete oder zur Armee eingezogen war. Einsatzstellen des Vaterländischen Hilfsdienstes gab es auch in den Hiltruper Kriegsgefangenenlagern (Münsterischer Anzeiger 27.12.1916).
Fahrrad-Reifen wurden zur Mangelware, auch Kaninchenfutter.
Kritische Stimmen erhoben sich, im Januar 1917 erklärte ein Geistlicher im Rahmen des Missionssonntags u.a.: „In Blut und Eisen starren die Völker, wie wilde Tiere ineinander verkrampft, schwören sie einander Haß und Kampf bis zum Tode. Millionen von Menschen, die nach unseres göttlichen Meisters Gebot einander lieben sollten, hassen einander. Der fürchterliche Weltkrieg ist die grauenhafte Abwendung von der christlichen Nächstenliebe. Der Krieg ist der Zusammensturz der vielgerühmten und vielgepriesenen Kultur unseres 20. Jahrhunderts“ (Münsterischer Anzeiger 22.1.1917).

Im Hungerwinter 1916/1917 waren Geflügel und Kaninchen nicht mehr sicher. Im Ruhrgebiet war die Versorgung mit Lebensmitteln so katastrophal, dass auch in Hiltrup zur Hindenburg-Spende aufgerufen wurde: Wer aus Hausschlachtung noch Speck im Vorrat hatte, sollte spenden. Als Ersatz für „rares und teures Bier“ wurde „Braumella“ angeboten (Münsterischer Anzeiger 28.1.1917). Durch den starken Frost erfroren Kartoffelvorräte in den Kellern. Es wurde dazu aufgerufen, sie dann sofort zu trocknen (größere Partien in der „Dörranstalt“ in Hiltrup, Münsterischer Anzeiger 8.2.1917).
Der münstersche Oberbürgermeister Dieckmann besuchte im März 1917 den Landwirtschaftlichen Lokalverein Amelsbüren-Hiltrup und warb dafür, zur Versorgung der Stadtbevölkerung Lieferverträge über Gemüse und Frühkartoffeln abzuschließen. In einem bewegenden Appell schilderte er den Hunger der Stadtbevölkerung (Münsterischer Anzeiger 14.3.1917).
Im März 1917 berichtete Glasurit (Max-Winkelmann-AG) über weiteres Wachstum an beiden Standorten (Hiltrup und Hamburg), die Generalversammlung beschloss die Ausschüttung einer Dividende in Höhe von 10 Prozent. Im Rahmen der Werksfürsorge betrieb Glasurit vor allem für die eigenen Beschäftigten eine kleine Radiumheilanstalt: Wannenbäder „zur Anwendung gegen Reumathismus und Gicht“ (Münsterischer Anzeiger 26.4.1917) – man hielt Radium für gesundheitsfördernd, erst später wurden die Gefahren erkannt.
Die Lebensmittelversorgung war 1917 im Münsterland schwierig, aber in anderen Regionen offensichtlich noch schlechter. Die Firma Friedrich Thomée aus Werdohl suchte im Mai 1917 mit einer Anzeige im Münsterischen Anzeiger Saatkartoffeln “für die Bepflanzung der Gärten unserer Arbeiter” – allerdings war der Verkauf von Saatkartoffeln nur nach vorheriger Genehmigung zulässig.
Die SPD forderte im Mai 1917 einen „annexionslosen und entschädigungslosen Frieden“. Der Münsterische Anzeiger vom 5.5.1917 reagierte darauf mit Siegesmeldungen („Neue U.-Boot-Erfolge“, „Von der Westfront“, „Die Niederlage der Entente“) und mit imperialistischen Eroberungsphantasien: „Kulturelle und soziale Forderungen erheischen eine Entschädigung: die Lösung des Ernährungsproblems für alle Zukunft, die Sicherung unserer Grenzen erheischen Gebietsgewinn, und Deutschlands wirtschaftliche Entwickelungsfreiheit und Geltung in der ganzen Welt erheischen den Sieg, der uns die Erfüllung jener Notwendigkeiten bringt.“
Im Mai 1917 hungerte Hiltrup. „Nur diejenigen, welche mit ihren Kartoffeln nicht auskommen, woll. sich beim Depotverwalter Th. Quante, Dorf 152, eintragen lassen, … Ab 15. Mai werden p. Woche als Einheit ½ Pfund Steckrüben für den Kopf zum Preise von 30 Pfg. für die Einheit ausgegeben. Es wird besonders darauf aufmerksam gemacht, daß die Steckrüben 24 Stunden vor dem Gebrauch gewässert werden müssen, erst dann sind dieselben weich und ergiebig.“ (Münsterischer Anzeiger 5.5.1917).
Der Mangel an männlichen Arbeitskräften war inzwischen so groß geworden, dass Grün und Bilfinger im Mai 1917 „Arbeiterinnen für leichte Erdarbeiten“ suchten (Münsterischer Anzeiger 11.5.1917). Das Baubüro Hiltrup von Grün und Bilfinger baute 1916/1917 in Amelsbüren mehrere Brücken im Zuge des Neubaus der Eisenbahnstrecke Lünen-Münster.
Mangelwirtschaft herrschte in allen Lebensbereichen, selbst Leder für Schuhsohlen war knapp und wurde durch Linoleum ersetzt. Auch die Kaufleute in Münster bekamen den Niedergang des Wirtschaftslebens zu spüren. Das Wäschegeschäft Jansen an der Ludgeristraße inserierte: „Um meine Näherinnen weiterhin beschäftigen zu können, übernehme ich die Anfertigung sämtlicher Damen- und Herrenwäsche aus zugegebenen Stoffen zum Selbstkostenpreis“ (Münsterischer Anzeiger 20.5.1917).
Der Generalsekretär der Landwirtschaftskammer, Ökonomierat Dr. Gerland, referierte im Mai 1917 im Rahmen einer „Landwirtschaftlichen Wanderausstellung“ in Hiltrup über seine Erlebnisse und Beobachtungen bei westfälischen Truppen an der Front: „Durch Wohlfahrtseinrichtungen der mannigfaltigsten Art (Beratungsstellen zur Auskunftserteilung in allen Fragen des täglichen Lebens, Feldzeitschriften, Bücherlager und vieles andere) werde alles getan, um den Soldaten das Leben im Felde so angenehm, wie nur möglich, zu machen. Ganz besonders gepflegt werde auch die Musik, die stets ihre aufheiternde und stärkende Wirkung tue. … Die Kost ist gut, gesund und reichlich, und wir dürfen überzeugt sein, daß unsere Heeresleitung alles tut, was sie nur kann, um unseren Soldaten das Leben so angenehm wie nur möglich zu gestalten.“ Gerland erklärte, weite Gebiete in Nordfrankreich seien verwüstet und könnten die Bevölkerung nicht ernähren. Wie es später mit den Eigentumsverhältnissen werden solle, das sei eine Frage, die wir glücklicherweise nicht zu entscheiden haben werden. Je länger der Krieg dauere, desto besser sei es für uns, und desto sicherer sei uns der Sieg: „denn unsere U-Boote arbeiten für uns“ (Münsterischer Anzeiger 22.5.1917).
Auch die Baufirma der Gebrüder Bröcker in Hiltrup litt unter Auftragsmangel und verkaufte ihre Wagen, einen Monat später auch die Zugochsen.
Das Baubüro Hiltrup der Firma Grün und Bilfinger hatte andere Probleme: Offensichtlich hatte man Mehl und Eier „besorgt“ und suchte nun per Kleinanzeige jemanden, der daraus Eiernudeln machte (Münsterischer Anzeiger 27.7.1917). Das Baubüro Hiltrup von Grün und Bilfinger baute 1916/1917 in Amelsbüren mehrere Brücken im Zuge des Neubaus der Eisenbahnstrecke Lünen-Münster.
Der Hunger blieb, Brotgetreide war auch 1917 knapp. Im Juli 1917 war der Umgang damit akribisch geregelt: Zur Durchsetzung der Ablieferungspflicht galt ein bürokratisches Anzeige- und Genehmigungsverfahren (Münsterischer Anzeiger 3.8.1917). Die Stadt Münster richtete im Umland Sammelstellen ein, um die Stadtbevölkerung mit Gemüse und Obst zu versorgen (Münsterischer Anzeiger 8.8.1917). Um Diebstahl von Feldfrüchten zu verhindern, wurden Hilfspolizeibeamte bestellt und bewaffnet, darunter auch drei Hiltruper (Münsterischer Anzeiger 25.8.1917).

Fahrradreifen aus Gummi waren nicht zu bekommen, stattdessen wurden Metall-Spiralfedern auf die Felgen gezogen oder Holzbereifung.
Mangelwirtschaft beherrschte alle Bereiche. Der Landwirtschaftliche Lokalverein Amelsbüren-Hiltrup diskutierte am 11.9.1917 Wichtige landwirtschaftliche Zeitfragen: Die Versorgung mit Saatgut, Düngemitteln, Brotgetreide, Ölfrüchten usw. war so schlecht, dass dazu aufgerufen wurde, noch vor dem Winter den Viehbestand zu schlachten und nur wenige Zuchttiere zu behalten. Diese Bestandsaufnahme wurde begleitet durch den Hinweis auf die „glänzenden Erfolge unserer Heere“; das große Ziel sei es, „unser Vaterland größer und stärker zu machen“.
Die Mangelwirtschaft ließ die Preise stark steigen, die Löhne hielten nicht mit. Der Münsterische Anzeiger berichtet am 12.9.1917 über die Kostensteigerungen im Zeitungsgewerbe: „Arbeitslöhne 25 v. H., Papier 100 bis 900 v. H., Kraft und Licht 150 bis 200 v. H., Metalle für Maschinensatz, Schriftgießerei, Stereotypie und Galvanoplastik über 300 v. H., Druckwalzen über 200 v. H., Druckfarben 100 bis 250 v. H., Druckfirnis=Ersatzstoffe 500 v. H., Schmieröle 500 bis 600 v. H., Putzlappen 100 bis 150 v. H., Klebstoffe 300 bis 500 v. H., Seife 800 v. H. Heftzwirn, Heftdraht usw. 200 bis 300 v H., Packmaterial 200 bis 500 v. H. Und dabei steigen die Preise unaufhörlich weiter, selbst für minderwertige Ersatzstoffe.“
Hausschlachtungen waren genehmigungspflichtig und wurden kontrolliert: Ziegelmeister Wilhelm Brintrup aus Hiltrup wurde zum Wiegebeamten bestellt und musste das Schlachtgewicht (und damit die Ablieferungsmenge) feststellen (Münsterischer Anzeiger 16.9.1917).
„Die Holzschuhe kommen wieder zu Ehren. Nach und nach tragen sie die Kinder von arm und reich.“ Im Rheinland mussten die meisten Altbier-Brauereien schließen (Münsterischer Anzeiger 11.10.1917). Für die Verkaufsstelle Consum=Genossenschaft Eintracht in Hiltrup wurde der Kleinverkauf einer geringen Menge von reinem Weizenmehl angekündigt – bezugsberechtigt waren nur werdende Mütter, Säuglinge, Kinder unter zwei Jahren und Kranke (Münsterischer Anzeiger 14.10.1917).

Öffentlich wurde Druck aufgebaut, die inzwischen 7. Kriegsanleihe zu zeichnen, d.h. dem deutschen Reich Geld zur Finanzierung des Krieges zu leihen. Große Beträge wurden im Münsterischen Anzeiger (17.10.1917) veröffentlicht: Einzelpersonen, Unternehmen (darunter auch M. Winkelmann AG), die Concordia-Versicherung, die Stadtsparkasse Bocholt, die Krebs- und Lupus-Stiftung in Münster.
Im Münsterischen Anzeiger 23.12.1917 erschien mit der Überschrift „Schleichhandel im Großen“ ein Bericht über den beginnenden Zusammenbruch des Höchstpreissystems der Lebensmittelbewirtschaftung, nachdem den hungernden Munitionsarbeitern der Rüstungsindustrie Zugeständnisse gemacht worden waren.
In Wolbeck referierte der katholische Arbeiterverein über „Leben, Leiden und Siegen unserer Soldaten da draußen“. Diözesansekretär Kaplan Weber aus Münster rief zur „treuen, gewissenhaften Pflichterfüllung daheim“ auf, die Versammlung schloss mit einem „Hoch auf den Friedenspa[p]st und Siegeskaiser …, in das die Versammlung freudig einstimmte“ (Münsterischer Anzeiger 29.12.1917).
Im Januar 1918 wurde in Hiltrup rückwirkend ab Dezember 1917 der elektrische Strom rationiert. Wer mehr als 80 Prozent des Vorjahresverbrauchs entnahm, zahlte einen Aufschlag von 50 Pfennig pro Kilowattstunde (umgerechnet auf Kaufkraft im Jahr 2024: Ein Euro). Hausschlachtungen wurden ab 1.2.1918 verboten (Münsterischer Anzeiger 13.1.1918).
Münsters Oberbürgermeister Dieckmann warb auch im Februar 1918 bei den Landwirten für den Abschluss von Gemüseanbauverträgen, um die Versorgung der Stadtbevölkerung zu sichern. Amtmann Bartosch brachte dann zur Sprache, „daß in mancher Beziehung die Stadt Münster besser mit Gemüse versorgt gewesen sei, als die Anwohner der Station Mauritz und viele Bewohner von Hiltrup, die nicht genügend Land hatten, um für sich Gemüse zu bauen.“ Dieckmann sagte Hilfe zu. Gutsbesitzer Paul Schencking erklärte, „kleinlich seien die Herren der Stadtverwaltung nicht gewesen, und finanziell haben sich die Landwirte ja auch ganz gut gestanden“ (Münsterischer Anzeiger 24.2.1918).
Im März 1918 beschloss die Max Winkelmann AG, für das Vorjahr 14 Prozent Dividende auszuschütten (Münsterischer Anzeiger 4.3.1918).
Arbeitersekretär Holle vom katholischen Arbeiterverein aus Münster referierte im Landwirtschaftlichen Lokalverein Amelsbüren-Hiltrup zu dem Thema: „Aufklärung über die Notwendigkeit der von Seiten unserer Staatsregierung neuerdings getroffenen verschärften Maßnahmen.“ Holle forderte dringend dazu auf, die achte Kriegsanleihe zu zeichnen. Angesprochen wurde in der Versammlung das Fehlen der wichtigsten landwirtschaftlichen Betriebsmittel, wie menschliche und tierische Arbeitskräfte, Dünger, Saatgut, Futtermittel (Münsterischer Anzeiger 19.3.1918).
Im Mai 1918 wurde angekündigt, dass für den Winter 1918/1919 weit geringere Kohlenmengen für den Hausbrand in Aussicht stünden als im Vorjahr. Maximal 20 Zentner Hausbrandkohle konnten bei dem Kaufmann Heinrich Dalhoff in Hiltrup als Bedarf angemeldet werden (Münsterischer Anzeiger 11.5.1918).
Erneut wurden 1918 (wie schon 1916) Gegenstände aus Kupfer, Messing und Nickel in privaten Haushalten beschlagnahmt und mussten abgeliefert werden (Münsterischer Anzeiger 22.5.1918). Die Schulen wurden gebeten, auf die nächste Knochensammlung des Händlers Reese aufmerksam zu machen (Münsterischer Anzeiger 29.5.1918). Getragene Oberkleidung wurde gesammelt mit der Drohung „Bei nicht genügender Aufbrindung von Anzügen im Wege der freiwilligen Abgabe steht die zwangsweise Aufbringung alsbald in Aussicht“ (Münsterischer Anzeiger 12.6.1918). Als Ersatzstoff für die Herstellung von Bekleidung diente auch Papiergarn.
Die Futterernte war im Juli 1918 so schlecht, dass die Versorgung der Armeepferde gefährdet war. Münster Schulkinder sammelten das grüne Laub der Holzungen und Hecken in der Umgebung, in der Darre am Hiltruper Bahnhof wurde es getrocknet und zu Laubheu verarbeitet; mit Zuckermelasse versetzt diente es als Kraftfutterersatz für die Pferde (Münsterischer Anzeiger 2.7.1918).
Die Bevölkerung hungerte, wie eine Bekanntmachung des Amtes St. Mauritz im Juli 1918 zeigt: „Ab 10. 7. d. J. dürfen Frühkartoffeln aufgenommen werden, unterliegen aber der öffentlichen Bewirtschaftung …. Schleunigste Ablieferung ist nötig“ (Münsterischer Anzeiger 9.7.1918).

Durch den Krieg verarmte die Bevölkerung. Im Vergleich der Schulfotos vor und nach dem I. Weltkrieg fällt auf, wie einfach die große Mehrzahl der Hiltruper Jungen auf dem Klassenfoto von 1918 gekleidet sind. In krassem Gegensatz dazu zeigen zwei Schüler ihre Uhrketten an feiner Kleidung.
Kriegsgefangene wurden in Münster in drei riesigen Lagern untergebracht, eins davon im heutigen Stadtbezirk Hiltrup. Auf der Vennheide wurde ab September 1914 ein großes Kriegsgefangenenlager angelegt.

Es stand auf dem Gelände der früheren Pferderennbahn ungefähr zwischen der heutigen Drachterstraße und dem Vennheideweg. Der Westfälische Reiterverein hatte das Gelände an die Militärverwaltung verkauft und seine Rennbahn etwas weiter nach Norden verlegt (an der Hammer Straße zwischen heutiger Umgehungsbahn und Preußenstadion). Die allgemeine Mangelwirtschaft im Laufe des Krieges traf auch das Lager, im August 1917 suchte das Verpflegungsamt 7. A.-K., Hiltrup, per Kleinanzeige einen gebrauchten größeren Kochherd (Münsterischer Anzeiger 4.8.1917).
An das Lager Rennbahn erinnert heute eine Stele an der Drachterstraße.

Als es für die Ärmeren schon ein Erfolg war, Krankheiten zu überstehen und ein paar Kartoffeln nach Hause zu bringen, forderte die Industrie weiter das belgisch-französische Erzbecken, und der ostelbische Grundbesitz verlangte die Eroberung des Baltikums. Das Volk war den Krieg und das wachsende Elend leid. In Schlesien und im Ruhrgebiet kam es zu Massenstreiks. Allein im Jahre 1918 streikten im Reich eine Million Rüstungsarbeiter.
Auch Münster erschien im November 1918 wie eine Stadt „vor dem Sturm“. Durch die Novemberrevolution, in deren Verlauf die Monarchie ihren Bankrott erklärte und die verhängnisvolle Konkursmasse in die Hände von Friedrich Ebert (MSPD) überging, hatte die Sozialdemokratie in Münster zwar enorm an Bedeutung gewonnen, war aber hier nicht Motor der Novemberrevolution. Zum einen war sie gespalten in USPD und MSPD und organisatorisch zu schwach (nur etwa 20 Mitglieder), zum anderen hinderten sie ihre politischen Vorstellungen daran, da sie die Demokratisierung im Reich für unaufhaltsam hielt.
Am 29. Oktober 1918 verweigerten Matrosen der Hochseeflotte in Kiel und Wilhelmshaven den Gehorsam und stellten sich der Fortsetzung des Krieges in den Weg. Der Matrosenaufstand weitete sich innerhalb weniger Tage über ganz Deutschland aus. Zunehmend verlagerte sich dabei die Initiative zur Revolte von den Soldaten und Matrosen auf die Arbeiterschaft. Nun stellten die Aufständischen über den Waffenstillstand hinaus politische Forderungen. Der Ruf nach Abdankung des Kaisers und nach Umwandlung des Deutschen Reichs in eine demokratische Republik wurde lauter.
Ab 8.11.1918 verhandelte Mathias Erzberger als Vertreter Deutschlands im Wald von Compiègne über einen Waffenstillstand, am 11.11.1918 unterzeichnete er ihn zu harten Bedingungen.

Am Abend des 8. November brach in der Aegidiikaserne in Münster die „Revolte“ aus. Soldatenräte bildeten einen Generalsoldatenrat und einen „Arbeiter- und Soldatenrat Bezirk Münster (Westf.)“, sie trugen Armbinden in den Farben Schwarz Rot Gold. Der „Arbeiter- und Soldatenrat Bezirk Münster“ war u.a. mit Sozialdemokraten und christlichen Gewerkschaftern durchaus paritätisch besetzt. Später kam es zum Konflikt, als Sozialdemokraten, im Bewusstsein, die Revolution vorbereitet und durchgeführt zu haben, die Mehrheit im Arbeiterrat verlangten und die christlichen Gewerkschafter diesem Verlangen nicht folgten.
(Zum Nachlesen: 125 Jahre SPD in Münster: Münsters SPD in der Revolution von 1918/1919, Hrsg. SPD Unterbezirk Münster 2003.)
Am Morgen des 9. November erreichte die Revolution die Reichshauptstadt. Zu Hunderttausenden formierten sich Berliner Arbeiter zu Demonstrationszügen. Noch am selben Tag gab Reichskanzler Max von Baden den Thronverzicht des Kaisers bekannt. Wilhelm II. floh in die Niederlande. Mehr noch: Der letzte kaiserliche Reichskanzler übergab die Regierungsgeschäfte an den Vorsitzenden der SPD, Friedrich Ebert. Ziel der sozialdemokratischen Führung war es, sich an die Spitze des Kampfes um die Demokratie zu stellen und ein Blutvergießen zu verhindern.
Am selben Tag noch rief Philipp Scheidemann von einem Fenster des Reichstages aus die „Deutsche Republik“ aus, während Karl Liebknecht vor dem Berliner Stadtschloss die „Freie sozialistische Republik“ proklamierte. Die doppelte Ausrufung der Republik verdeutlichte die zunehmende Polarisierung der Revolutionsbewegung. Bei diesem Machtkampf stand die SPD auf Seiten einer demokratischen Verfassung, freier Wahlen und eines parlamentarischen Regierungssystems.
Kaiser Wilhelm II. war am 29. Oktober zunächst ins Große Hauptquartier im belgischen Spa geflohen. Als die Novemberrevolution am 9. November 1918 Berlin erreichte, verkündete Reichskanzler Prinz Max von Baden die Abdankung des Kaisers, ohne von diesem dazu autorisiert worden zu sein. Daraufhin floh Wilhelm II. weiter in die Niederlande und bat um politisches Asyl.
Auch in Hiltrup entstand ein Arbeiter- und Soldatenrat. Unter dem Vorsitz des Sozialdemokraten Ferdinand Möllmann und unter Mitarbeit von Hermann Feldmann und Ludwig Kumbrink, der nicht Mitglied der SPD war, wurden Berechtigungsscheine für Lebensmittel und Feuerungsmaterial an die ärmere Bevölkerung verteilt, um „Hamstern“ und Plünderungen und somit ein Absinken dieser Bevölkerungsgruppe in die Illegalität zu vermeiden. Wie Hiltruper Sozialdemokraten berichteten, war der damalige Pfarrer Unckel darüber so erbost, dass er diesen Männern die Exkommunizierung androhte.
Ende November beschloss der von Friedrich Ebert einberufene Rat der Volksbeauftragten die Wahlen zu einer verfassunggebenden Nationalversammlung. Für den 19. Januar 1919 wurden die Wahlen angesetzt. Wahlberechtigt waren alle mindestens 20 Jahre alten Männer und – zum ersten Mal in der deutschen Geschichte – auch die Frauen. Mit 83 Prozent war die Wahlbeteiligung sehr hoch.
Nach der Eröffnung der Nationalversammlung änderte die neue Regierung die Bestimmungen über die Stellung der Soldatenräte. Der münsterische Generalsoldatenrat wurde in einer kurzen Militär- Aktion entmachtet (Thamer, Hans Ulrich (1993): Stadtentwicklung und politische Kultur während der Weimarer Republik. In: Franz-Josef Jakobi (Hg.), Geschichte der Stadt Münster, Bd. 2, Münster 1993, S. 219-284).

Unruhige Zeiten brachten auch die Münsteraner auf die Straße.

Währenddessen strömten immer noch aus der Kriegsgefangenschaft entlassene deutsche Soldaten in das „Heimkehrlager Rennbahn“ in Münster zurück. Bis 1918 waren in diesem Lager Rennbahn vor allem Soldaten aus Frankreich, Russland, Belgien, Italien, Serbien, England und Portugal untergebracht gewesen. Von hier aus brachen jetzt die zurückkehrenden deutschen Soldaten in ihre Heimatorte auf.
Ein Teil des Lagers Rennbahn brannte Ende 1920 ab; Baracken des Lagers wurden ab 1921 auch für den Bau der Kriegerheimstättensiedlung verwendet, die nördlich und südlich der Bahnlinie Wanne-Bremen entstand. Diese und andere Siedlergenossenschaften wurden durch die staatliche Wohnungspolitik unterstützt (zum Beispiel in Form der 1918 gegründeten Westfälischen Heimstätte): Wohnraum war knapp; um den Einfluss der „Roten“, also Sozialdemokraten und Kommunisten einzudämmen, wollten bürgerliche „Wohnreformer“ Wohnraum schaffen.
1919 marschierten Spartakisten nach Hiltrup. Eine Zeitzeugin berichtet, eine große Gruppe sei aus dem Ruhrgebiet gekommen, an der Kanalbrücke sei sie von vielen Polizisten zurückgehalten worden.
Als Reaktion auf die unruhigen Verhältnisse bildeten sich im Laufe des Jahres 1919 in vielen Orten aus dem bürgerlich-konservativen Milieu heraus Volkswehren (Einwohner- bzw. Bürgerwehren). Die Mitglieder der am 21.2.1919 gegründeten Stadtwehr der westfälischen Provinzialhauptstadt Münster, 1919/1920 immerhin mehr als 1700 Mann, zeichneten sich mehr durch ihren guten Willen denn durch ihre Kampfkraft aus, es handelte sich bei ihnen mehrheitlich um „ältere Herren“ (Gerd Krüger, Von den Einwohnerwehren zum Stahlhelm, Westfälische Zeitschrift 1997, Bd. 147 S. 405 ff).
Die Coesfelder Bürgerwehr zum Beispiel verfügte im August 1919 über 248 Mann und 240 Gewehre, an der Werbung weiterer Mitglieder beteiligte sich u.a. der geistliche Präses des katholischen Arbeitervereins. Vom späten Nachmittag an sollten zwei Nachtschutzleute vor den Toren der Stadt Felddiebstähle verhindern, und für die Anzeige von Diebstählen wurde eine Prämie ausgesetzt. Die Coesfelder Bahnbeamten, die im Bahnhofsbereich Eisenbahndiebstähle, Schiebungen, gewerbsmäßigen Schleichhandel und Bestechungen bekämpfen sollten, erhielten im März 1920 Schusswaffen.
Im März 1920 erschütterte der Kapp-Putsch die junge Republik. Die „Nationale Vereinigung“, eine im Oktober 1919 gegründete und von einigen Großindustriellen wie Hugo Stinnes unterstützte rechtsgerichtete, antirepublikanische Organisation unterhielt Kontakte zu rechtsstehenden Militärs, insbesondere zu dem Reichswehrgeneral Walther von Lüttwitz. Dieser befahl der Marine-Brigade Ehrhardt den Marsch auf Berlin. Die Marine-Brigade Ehrhardt war ein Freikorps, im Januar 1919 in Wilhelmshaven von 300 Offizieren und Berufssoldaten der früheren Kaiserlichen Marine unter Beteiligung von Korvettenkapitän Hermann Ehrhardt gebildet. Sie hatte unter dem Kommando der Reichswehr dort zunächst eine von Putschisten ausgerufene Räterepublik beseitigt und bei den Kämpfen gegen die Münchener Räterepublik zahllose Verbrechen begangen. Sie sollte deshalb im März 1920 aufgelöst werden. Am 12. März 1920 besetzte sie mit 2000 bis 6000 Mann das Regierungsviertel in Berlin.

Die sozialdemokratischen Mitglieder der Reichsregierung mussten am 13.3.1920 erst nach Dresden und dann nach Stuttgart fliehen.
„Deutsches Volk, schare dich um deine verfassungsmäßige Regierung!“: SPD-Reichspräsident Ebert, die SPD-Minister der Reichsregierung und die SPD riefen am 13.3.1920 zum Generalstreik auf, die KPD schloss sich einen Tag später an.

Der Generalstreik erfasste am Sonntag, dem 14. März, bereits vollständig Berlin, breitete sich am Montag über die ganze Republik aus und führte zur völligen Lahmlegung der öffentlichen Versorgung.
Auch in Münster rief der „Vorstand der soz. Partei für das westliche Westfalen“ am 15.3.1920 im Mitteilungsblatt des Aktionsausschuss Münster vom 15.3.1920 zum Generalstreik auf: „Zum tatkräftigen Protest gegen die Gegenrevolution muß heute die Arbeit ruhen. … sorgt selbst für Ruhe und Ordnung. … Zeigt Euch würdig der ernsten Stunde.“
Die münsterschen Beamten schlossen sich dem Generalstreik an. Schon am 17.3.1920 wurde der Aufruf zur Beendigung verbreitet, da der „Generalstreik [den] Zweck erreicht“ hatte: Kapp war geflohen, Lüttwitz verließ die Reichskanzlei.
Im Rahmen des Generalstreiks übernahmen in den größeren Orten des Ruhrgebietes spontan gebildete lokale „Vollzugsräte“ die politische Macht. Sie wurden meist von der USPD dominiert, die KPD war ebenfalls vertreten. Arbeitersoldaten bewaffneten sich (nach Kriegsende waren viele Waffen von rückkehrenden Soldaten im Umlauf), kämpften gegen die anrückende Reichswehr und die Freikorps und kontrollierten die Städte.
In Münster waren starke Verbände der Reichswehr stationiert mit den Freikorps Münsterland, Pfeffer, Severin, Hindenburg, Gabke, Oldenburg und Göttingen, paramilitärischen Verbänden unter dem Kommando der Reichswehr. Im März 1920 kam auch die Akademische Wehr Münster zum Einsatz, ein 1919 gegründetes Freikorps. Es bestand aus Mitgliedern münsterscher Studentenverbindungen. Die Akademische Wehr sicherte Bahnhöfe und Brücken rund um Münster gegen aufständische Ruhr-Arbeiter.
Einige Arbeiterwehren unternahmen von der Lippe aus Vorstöße auf Münster, um dies Gebiet von Putschisten zu säubern und dort lagernde Waffen zu beschlagnahmen. Sie besetzten kurzzeitig Dülmen, Lüdinghausen und Bork, bei Hiltrup soll es am 23.3.1920 ein wichtiges Gefecht gegeben haben (Dreetz, Geßner, Sperling: Bewaffnete Kämpfe in Deutschland, Berlin 1988).
Parallel dazu wurde in Bielefeld verhandelt. Am 24. März 1920 unterschrieben Vertreter der Reichsregierung, der USPD, der SPD und der KPD das Bielefelder Abkommen. Grundlage war das zwischen Reichsregierung und Gewerkschaften ausgehandelte Neunpunkteprogramm. Es enthielt u.a. Aussagen zum Einfluss der Gewerkschaften, zur Entwaffnung der Putschisten, zur „Sozialisierung der dazu reifen Wirtschaftszweige“, zur Entwaffnung der Roten Ruhrarmee und Rückkehr an die Arbeit. Weitere Verhandlungen fanden am 31. März 1920 in Münster statt, im „Abkommen von Münster“ (Dreetz, Geßner, Sperling a.a.O.) wurde das Bielefelder Abkommen nochmals anerkannt.
Teile der Roten Ruhrarmee lösten sich daraufhin auf. Der regionale Militärbefehlshaber von Watter war in diese Verhandlungen nicht eingebunden. Er provozierte eigenmächtig einen erneuten Generalstreik im Ruhrgebiet und schlug den Ruhraufstand brutal nieder. Mit Erinnerungs-Stelen wird heute der Toten gedacht, die zum Beispiel in der Schlacht von Pelkum, bei Olfen, in Gelsenkirchen umkamen.
Die Stärke der „Roten Ruhrarmee“ wurde aus der Zahl der später abgegebenen Gewehre auf etwa 50.000 Angehörige geschätzt.
(Dieser Artikel wurde zuletzt am 02.03.2026 aktualisiert.)



















