Ziegenhaltung

"Die Ziege ist es wert, daß man sie ehrt, weil sie ihren Mann ernährt.": Denkmal des Ziegen-Zucht-Vereins (Hiltrup, Garten der Gastwirtschaft Vogt an der Marktallee, um 1920
"Die Ziege ist es wert, daß man sie ehrt, weil sie ihren Mann ernährt.": Denkmal des Ziegen-Zucht-Vereins (Hiltrup, Garten der Gastwirtschaft Vogt an der Marktallee, um 1920

„Die Kuh des kleinen Mannes“

In einigen Städten gibt es Ziegendenkmale, auch in Hiltrup hatte der Ziegen-Zucht-Verein in Vogts Garten der Ziege ein Denkmal gesetzt. Als karnevalistische Tradition hat sich im Nachbar-Stadtteil Wolbeck der Ziegenbocksmontag erhalten. Humor und Sicherung des Lebensunterhalts waren lange eng miteinander verbunden, wie das Leben des „Ziegenbarons“ Alfred von Renesse zeigt.

Die Bezeichnung der Ziege als „Kuh des kleinen Mannes“ hatte bis weit ins 20 Jahrhundert einen ganz realen Hintergrund. Wer einen Garten hatte oder anderswo Futter beschaffen konnte, konnte eine Ziege halten. Wenn sie gedeckt wurde, gab sie Milch – die schmeckt zwar streng, kann aber auch zu Butter verarbeitet werden.

Butterapparat für 2 Liter Milch (um 1920; Foto: Henning Klare)

Butterapparat für 2 Liter Milch (um 1920; Foto: Henning Klare)

Für die kleinen Milchmengen einer Ziege brauchte man kein großes Butterfass wie auf den Bauernhöfen. Der im Bild gezeigte Butterapparat fasste 2 Liter Milch.

Butterapparat: Handbetriebener Quirl und Glasgefäß (Foto: Henning Klare)

Butterapparat: Handbetriebener Quirl und Glasgefäß (Foto: Henning Klare)

Auf das mit Milch gefüllte Glas wurde eine Art Quirl aufgeschraubt. Ähnlich wie bei handbetriebenen Schneebesen wurde der Quirl mit Kurbel und Zahnrad-Übersetzung so lange gedreht, bis sich die Butter absetzte.

Ziegenmilch wurde um die Jahrhundertwende als Mittel gegen die im Ruhrgebiet, aber auch in Westfalen grassierende Tuberkulose angesehen. So war die Ziege nicht nur als „Bergmannskuh“ verbreitet, sondern auch in Amelsbüren und Hiltrup. In den Hungerzeiten nach dem I. und dem II. Weltkrieg diente sie der Selbstversorgung. Ziegenhalter organisierten sich in Ziegen-Zucht-Vereinen. Die Kommunen waren verpflichtet, Gemeinde-Ziegenböcke zu unterhalten, um die Ziegen am Ort decken lassen zu können. So zahlte Amelsbüren zum Beispiel 1924 160 Reichsmark an zwei Ziegenbockhalter. Als es in den 50er und 60er Jahren in Amelsbüren keinen Ziegenbock mehr gab, zahlte Amelsbüren jährlich noch 150 DM an Wolbeck für den Unterhalt des Wolbecker Ziegenbocks.