Postgeschichtliche Aufzeichnungen: Hiltrup 1880-1986

Kaiserliches Postamt Hiltrup, Bahnhofstr. 32 (1904; Foto: Hiltruper Museum)
Kaiserliches Postamt Hiltrup, Bahnhofstr. 32 (1904; Foto: Hiltruper Museum)

1880 wurde in Münster das Postgebäude am Domplatz fertiggestellt. 1887 wurde dort auf Initiative des Vereins der Kaufmannschaft eine Fernsprechvermittlungsstelle mit 50 Teilnehmern in Betrieb genommen.

Hiltrup gehörte bis 1880 zum Landzustellbereich Münster. Um diese Zeit wurde in der früheren Wirtschaft Stähler (Rohrkötter) an der Hammer Straße eine Postagentur eingerichtet, für die Postsachenbeförderung wurde die Eisenbahn benutzt. 1904 wurde die Postagentur in ein Postamt III. Klasse (Postverwalter) umgewandelt und in das Haus Ecke Kloster- und Bahnhofstraße (Grosche) am Kirchplatz verlegt. Das Postamt nahm vermutlich bereits am telegrafischen Dienst teil. Die Postagenturen Amelsbüren und später auch Ottmarsbocholt wurden dem Postamt Hiltrup angegliedert.

Bau von Telegrafenleitungen: Arbeitspause mit Kartenspiel (um 1900; Foto: Hiltruper Museum)

Bau von Telegrafenleitungen: Arbeitspause mit Kartenspiel (um 1900; Foto: Hiltruper Museum)

Hiltrup wurde beim „Kaiserlichen Telegraphenamt“ und der Oberpostdirektion Münster vorstellig, damit auch hier der Fernsprechverkehr eingeführt wurde. Um 1910 wurde in Hiltrup ein Fernsprechamt eingerichtet. Auf dem Dach des Postamts war ein größeres Gestänge mit vielen Isolatoren zu sehen, an denen die Fernsprechleitungen abgespannt waren, im Postamt war ein Klappenschrank aufgebaut. Den Anschluss Nr. 1 hatte der Bauer Winkelmann (Haus Köbbing), Nummer 2 war die Bahnhofsgaststätte Soetkamp und Nummer 3 die Posthilfsstelle in Amelsbüren. Dann wurden es immer mehr Bürger, die so ein wunderschönes Telephon erhielten. Vielleicht erinnert sich der eine oder andere noch an die früheren Apparate aus Holz. Auf der Vorderseite war hinter einem Schalltrichter das Mikrophon angebracht. Es wurde mit Gleichstrom aus einem „Element“ gespeist (OB = Ortsbatterie-Betrieb). Wenn das „Fräulein vom Amt“ in der Vermittlungsstelle des Postamtes gerufen werden sollte oder wenn man die Beendigung des Telefongesprächs anzeigen wollte, dann wurde die Kurbel an der Seite des Apparates gedreht. Der über die Leitung fließende Wechselstrom ließ augenblicklich auf der Gegenstelle den Wecker läuten oder am Klappenschrank ein Kläppchen fallen. An einem Haken (gleichzeitig Schalter) hing ein großer Fernhörer, den man dicht an das Ohr zu pressen hatte, um den Sprecher auf der Gegenseite verstehen zu können. Zumeist hingen die Telephon-Apparate an der Wand. Später galt es als besonders fein, einen mit Kaiseradler geschmückten „Tischapparat“ im Büro zu haben.

Nach 1921 war auch in Münster ein Telegraphenbauamt eingerichtet worden, das den weiteren Ausbau des Fernmeldenetzes und die Verkabelung der bis dahin fast ausschließlich oberirdisch geführten Linien betrieb. 1922 wurde ein starkes Fernkabel zwischen Dortmund – Münster – Bremen ausgelegt. In Hiltrup wurde der Kabelgraben längs der Hammer Straße gezogen. Der Betrieb auf diesem Kabel wurde Ende der 1960er Jahre eingestellt.

Nach Fertigstellung der Bahnlinie Münster-Dortmund im Jahr 1928 wurden die Postagenturen Amelsbüren und Ottmarsbocholt dem Bahnpostamt 22 Münster zugeteilt.

Postamt Hiltrup, Bahnhofstr. 78 (31.7.1957, Bestandsplan)

Postamt Hiltrup, Bahnhofstr. 78 (31.7.1957, Bestandsplan)

Im Jahre 1932 zog das Hiltruper Postamt nach Fertigstellung des neuen Mietpostgebäudes in die Bahnhofstr. 78 um (Vermieter A. Dalhoff). Gleichzeitig wurde hier eine Wählvermittlungsstelle („Selbstanschlußamt“) für 200 Teilnehmer in Betrieb genommen. Damit gab es in Hiltrup kein „Fräulein vom Amt“ mehr, und der Bautrupp konnte die beiden alten Klappenschränke (mit Anschlussmöglichkeiten für je 100 Teilnehmer) im alten Postamt abbrechen.

Bis 1939 verlief die Entwicklung konstant. Zu dieser Zeit wurden 6 Beamte, 1 Beamtin und 1 Postfacharbeiter beschäftigt. Der Zustellbereich war in 1 Orts- und 3 Landzustellbezirke eingeteilt. Für die Postsachenbeförderung diente an erster Stelle die Eisenbahn, später in zunehmendem Umfang die Kraftpostverbindung Hiltrup – Münster.

Anfang des 2. Weltkriegs wurde Hiltrup als Zweig-Postamt dem Postamt Münster unterstellt. Während des Krieges mussten in der Landzustellung und am Schalter überwiegend Frauen den Dienst verrichten. Durch Bombenangriffe wurden die Postämter in Münster zum Teil zerstört. Dadurch verlagerte sich die Einlieferung besonders von Paketen und Telegrammen nach Hiltrup. Das Hiltruper Postgebäude wurde Ende des Krieges durch Granateinschläge leicht beschädigt. Mit dem Einzug der amerikanischen Truppen kam der Post- und Fernmeldedienst völlig zum Erliegen. Erst Ende Juni 1945 gab es eine beschränkte Wiederaufnahme des Postdienstes.

Nach der Währungsreform 1948 setzte in Hiltrup eine steile wirtschaftliche Aufwärtsentwicklung ein. Für die ständige Zunahme des Postverkehrs und den dadurch bedingten Personalzuwachs reichten die Diensträume nicht mehr aus. Ein Erweiterungsbau wurde 1954-1955 durchgeführt. Ab 1957 erfolgte die Paketzustellung mit einem Fahrzeug, ebenso der Post-Zu- und Abgang nach Münster. Die Landzustellung wurde Anfang 1960 teilweise von Fahrrad- auf Mopedbenutzung umgestellt. Das Postamt wurde ab 1.8.1962 mit 16 Punkten in Gruppe H eingeordnet (Besoldung des Leiters: Oberpostverwalter). Bis 1965 weiterer wirtschaftlicher Aufschwung, Planung eines nochmaligen Erweiterungsbaus. Im April 1965 Zuweisung eines VW-Lieferwagens. Hiltrup hat jetzt 11500 Einwohner und 3500 Haushaltungen. Der Zustellbereich umfasst 7 Orts-, 3 Land- und 2 Paketzustellbezirke.

Amtsvorsteher und Betriebsleiter beim Postamt Hiltrup waren Halberstadt, Postsekretär von 1904 – 1912, Poether, Postmeister von 1912 – 1928, Brüning, Postmeister von 1928 – 1937, Krüger, Papenhagen, Achterholt, Jasper, Schmidt, Pientka von 1938 – 1946 und Möllers, Posthauptsekretär seit 1947.

Im Jahr 1986 gab die Post das Postamt an der Marktallee 78 auf. Das Gebäude wurde von einem Kfz-Teile-Handel genutzt und 1992 abgebrochen. Seitdem gibt es in Hiltrup nur noch an wechselnden Standorten eine Postagentur.

(Zusammengestellt im Jahr 2022 aus Unterlagen des Hiltruper Museums, zuletzt aktualisiert am 10.02.2024.)