Bauboom am Klosterwald

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Am Klosterwald 1: Die Fotovoltaik-Anlage wird abgebaut, demnächst kommt der Abriss-Bagger (6.11.2018; Foto: Klare)
Am Klosterwald 1: Die Fotovoltaik-Anlage wird abgebaut, demnächst kommt der Abriss-Bagger (6.11.2018; Foto: Klare)

Hiltrups Mitte verändert ihr Gesicht

Das unscheinbare Klinker-Häuschen neben dem Textilgeschäft Grosche ist bald Geschichte. Am Klosterwald 1 war lange nur ein bescheidenes Wohnhaus; nach dem Tod der letzten Bewohnerin zog ein Stützpunkt des VSE ein und betrieb von hier aus Jugendarbeit (was übrigens nie zu Problemen mit der Nachbarschaft führte), jetzt steht der Abbruch bevor. Die Fotovoltaik-Anlage auf dem Dach wird gerade demontiert, der Abriss-Bagger wird nicht mehr lange auf sich warten lassen.

Schaut man das Foto näher an, dann wird deutlich , dass das alte Haus ringsum bereits von Neubauten eingekreist ist: Rechts hinten ist die Rückseite des Neubaus an der Marktallee zu sehen, dessen neue Ladenflächen schon seit Monaten leer stehen. Links ist das Textilgeschäft Grosche schon vor ein paar Jahren mit einem Erweiterungsbau nah herangerückt.

Alte Häuser müssen sich in Zeiten von billigem Baugeld vor dem Bagger fürchten. Am Klosterwald verschwindet ein Haus nach dem anderen, die Straße verändert gerade heftig ihr Gesicht.

1920: Blick von der Clemens-Kirche in die Klosterstraße (heute: Am Klosterwald)

1920: Blick von der Clemens-Kirche in die Klosterstraße (heute: Am Klosterwald)

Wie hoch das Tempo der Veränderung inzwischen ist, zeigt der Blick in das vorige Jahrhundert. Im Jahr 1920 stehen links auf der Ostseite der Klosterstraße (heute: Am Klosterwald) gerade einmal drei Häuser: Die Hiltruper Post im Eckhaus zur Bahnhofstraße (heute: Textilhaus Grosche an der Marktallee 32), das Eckhaus zur Finkenstraße (Jasper, heute: Max-Winkelmann-Straße) und dazwischen die Sparkasse (Hausnummer 3).

Die Hiltruper Post, Ecke Bahnhofstraße/Klosterstraße (heute: Marktallee/Am Klosterwald) im Jahr 1904

Die Hiltruper Post, Ecke Bahnhofstraße/Klosterstraße (heute: Marktallee/Am Klosterwald) im Jahr 1904

Bomben und Bauboom haben dies Bild nachhaltig verändert. Die Post (das Eckhaus Bahnhofstraße 32) wird 1943 durch eine Bombe schwer beschädigt.

Bahnhofstraße 32 (heute: Marktallee 32): Bombenschaden im Jahr 1943

Bahnhofstraße 32 (heute: Marktallee 32): Bombenschaden im Jahr 1943

Das Haus wird zunächst provisorisch geflickt und in den 60er Jahren durch einen Neubau ersetzt.

Um 1985: Am Klosterwald 3, dahinter Haus Nr. 7 (Foto: Klare)

Um 1985: Am Klosterwald 3, dahinter Haus Nr. 7 (Foto: Klare)

Die ehemalige Sparkasse in der Klosterstraße 3 diente nach dem Krieg im Erdgeschoss als Büro der Bauunternehmung Rink; die Firma hatte ihren Bauhof in dem Bereich des heutigen Spielplatzes Kalvarienbergweg hinter der Sparkasse an der Marktallee. Nach dem Tod des Firmeninhabers zogen erst ein Architekt, dann ein Versicherungsbüro ein, bis das Haus im Jahr 2016 abgebrochen und durch einen Block mit Eigentumswohnungen ersetzt wurde.

Am Klosterwald 3, Erdgeschoss-Kontor mit Geldschrank vor dem Abbruch (30.1.2016; Foto: Klare)

Am Klosterwald 3, Erdgeschoss-Kontor mit Geldschrank vor dem Abbruch (30.1.2016; Foto: Klare)

Bis zum Abbruch war das alte Kontor im Erdgeschoss erhalten geblieben, auch der Geldschrank mit einer mächtigen Eisentür; der Messing-Griff der Tresortür ist im Zuge des Abbruchs dem Hiltruper Museum übergeben worden.

Die benachbarten Grundstücke Klosterstraße 7 und 9 wurden in den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts bebaut.

Am Klosterwald 9 (links) steht seit Ende 2017 leer (7.11.2018; Foto: Klare)

Am Klosterwald 9 (Mitte) steht seit Ende 2017 leer (7.11.2018; Foto: Klare)

In dem Haus Nummer 9 aus den 30er Jahren wohnten Tierärzte, bis die letzte Ende 2017 ihre Praxis aufgab. Das Haus ist seitdem unbewohnt und in schlechtem Zustand. Ein Jahr Leerstand, geschuldet dem Bauboom und der explosiven Preisentwicklung für Grundstücke. Das Grundstück ist verkauft, auch hier wird voraussichtlich bald der Abriss-Bagger kommen und danach eine hoch verdichtete Bebauung mit Eigentumswohnungen entstehen.
Das Nachbargrundstück Nummer 11 (rechts auf dem Foto) war bis 1960 noch Gartenland und wurde danach mit einem großen Mehrfamilienhaus bebaut.

Schaut man sich die Westseite der Straße Am Klosterwald an, zeigen sich auch hier die Spuren großer Veränderungen.

Auf der Westseite der Klosterstraße ist das Eckgrundstück zur Bahnhofstraße (heute: Marktallee 30) im Jahr 1920 noch nicht bebaut. Hier entsteht später ein Kolonialwarenladen, der Ende der 70er Jahre der Konkurrenz mit dem Supermarkt Hill an der Marktallee (heute: Drogeriemarkt dm) nicht mehr gewachsen ist. City-Foto Wohlgemuth nutzt heute das Ladenlokal.

Klosterstraße 2 (Postkarte aus dem Jahr 1918)

Klosterstraße 2 (Postkarte aus dem Jahr 1918)

Das nächste Haus (Klosterstraße 2) gehört mit zu den ältesten Häusern der Klosterstraße / Am Klosterwald. Es ist abgesehen von veränderter Dacheindeckung und Anstrich original erhalten.

Hier grüßen sich die Abbruch-Kandidaten und die Neubauten: Das weiße Haus rechts (Am Klosterwald 4) und das Klinkerhaus am linken Bildrand (Am Klosterwald 1) werden demnächst abgebrochen, die jeweiligen Nachbarhäuser sind bereits Neubauten der letzten Jah

Hier grüßen sich die Abbruch-Kandidaten und die Neubauten: Das weiße Haus rechts (Am Klosterwald 4) und das Klinkerhaus am linken Bildrand (Am Klosterwald 1) werden demnächst abgebrochen, die jeweiligen Nachbarhäuser sind bereits Neubauten der letzten Jahre (7.11.2018; Foto: Klare)

Auch die nächsten Häuser, Nr. 4 (weißes Haus rechts) und Nr. 6 (verdeckt), stammen aus dieser Zeit und sind im Jahr 1920 bereits vorhanden. Nr. 4 hat nach dem Tod der letzten Bewohnerinnen vor einigen Jahren den Besitzer gewechselt; vorübergehend war es vermietet und steht seit ungefähr 2016 leer, auch hier wird gerade der Abbruch vorbereitet, alle Bäume und Sträucher sind bereits gerodet.

Hiltrup, Klosterstraße 10 und 12 (heute: Am Klosterwald) nach einem Luftangriff 1944

Hiltrup, Klosterstraße 10 (rechts) und 12 (heute: Am Klosterwald) nach einem Luftangriff 1944

Auf dem Foto aus dem Jahr 1920 sieht man auch das Haus Klosterstraße 12, es wurde 1944 durch eine Bombe beschädigt und danach repariert. In diesem Haus wohnte Professor Nübel, hier traf sich die kleine evangelische Gemeinde von Hiltrup in ihren Anfängen. Die letzte Bewohnerin verkaufte das Haus Ende des 20. Jahrhunderts, es wurde abgerissen und durch zwei Neubauten ersetzt.

Die Hiltruper Klosterstraße bzw. Am Klosterwald hat sich in 100 Jahren rasch verändert. Sie steht damit beispielhaft für die Entwicklung Hiltrups vom unbedeutenden Bauerndorf, kleiner noch als Amelsbüren, zu einem Stadtteil Münsters mit den Qualitäten einer lebendigen Kleinstadt.

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