Bauboom am Klosterwald

Am Klosterwald 1: Die Renovierung ist im vollen Gange (24.3.2019; Foto: Klare)
Am Klosterwald 1: Die Renovierung ist im vollen Gange (24.3.2019; Foto: Klare)

Hiltrups Mitte verändert ihr Gesicht

Das unscheinbare Klinker-Häuschen neben dem Textilgeschäft Grosche: Ist es bald Geschichte? Am Klosterwald 1, erbaut 1938, war lange nur ein bescheidenes Wohnhaus; nach dem Tod der letzten Bewohnerin Maria Poether, der Schwester des 1942 ermordeten Kaplans Poether, zog ein Stützpunkt des VSE ein und betrieb von hier aus Jugendarbeit (was übrigens nie zu Problemen mit der Nachbarschaft führte), jetzt wird es gerade umgebaut. Die Fotovoltaik-Anlage auf dem Dach wurde im November 2018 demontiert, das weckte Befürchtungen: Wird jetzt der Abriss-Bagger kommen? Diese Frage stand seit vielen Jahren im Raum.

Marktallee 26, erbaut vor 1914, abgerissen 1983 (Foto aus dem Jahr 1982: Hiltrup heute und morgen Nr. 29)

Marktallee 26, erbaut vor 1914, abgerissen 1983 (Foto aus dem Jahr 1982: Hiltrup heute und morgen Nr. 29)

Ein altes Haus nach dem anderen verschwindet in Hiltrups Mitte; nur zu gut erinnert man sich an den Abbruch des Hauses Marktallee 26 im Jahr 1983, nur wenige Meter weiter. Damals war vergeblich öffentlich über den Erhalt des Hauses diskutiert worden, das seit Anfang des 20. Jahrhunderts zum Hiltruper Ortsbild gehörte. Der Bagger kam am Wochenende, am Montag standen die Hiltruper nur noch vor einem Schutthaufen (heute: Hüttmann – Mode, Sport, Lifestyle GmbH).

Dies Schicksal bleibt dem kleinen Häuschen Am Klosterwald 1 erspart. Zu eng ist das Grundstück, zu schwierig die Lage und zu wenig lukrativ eine aufwendige Bebauung mit Eigentumswohnungen; das Haus bleibt, was es immer war: Ein Einfamilienhaus. Der Abbau der Solarkollektoren im November 2018 war das Signal für eine gründliche Renovierung, voraussichtlich Mitte 2019 wird hier wieder gewohnt.

Schaut man das aktuelle Foto Am Klosterwald 1 näher an, dann wird deutlich , dass das alte Haus ringsum bereits von Neubauten eingekreist ist: Rechts hinten ist die Rückseite des Neubaus an der Marktallee zu sehen, dessen neue Ladenflächen seit Mitte 2018 leer stehen. Links ist das Textilgeschäft Grosche schon vor ein paar Jahren mit einem Erweiterungsbau nah herangerückt.

Alte Häuser müssen sich in Zeiten von billigem Baugeld vor dem Bagger fürchten. Am Klosterwald verschwindet ein Haus nach dem anderen, die Straße verändert gerade heftig ihr Gesicht.

1920: Blick von der Clemens-Kirche nach Süden in die Klosterstraße (heute: Am Klosterwald)

1920: Blick von der Clemens-Kirche in die Klosterstraße (heute: Am Klosterwald)

Wie hoch das Tempo der Veränderung inzwischen ist, zeigt der Blick in das vorige Jahrhundert. Im Jahr 1920 stehen links auf der Ostseite der Klosterstraße (heute: Am Klosterwald) gerade einmal drei Häuser: Die 1904 erbaute Hiltruper Post im Eckhaus zur Bahnhofstraße (heute: Textilhaus Grosche an der Marktallee 32), das Eckhaus zur Finkenstraße (Jasper, heute: Max-Winkelmann-Straße) und dazwischen die Sparkasse (Hausnummer 3).

Die Hiltruper Post, Ecke Bahnhofstraße/Klosterstraße (heute: Marktallee/Am Klosterwald) im Jahr 1904

Die Hiltruper Post, Ecke Bahnhofstraße/Klosterstraße (heute: Marktallee/Am Klosterwald) im Jahr 1904

Bomben und Bauboom haben dies Bild nachhaltig verändert. Die Post (das Eckhaus Bahnhofstraße 32) wird 1943 durch eine Bombe schwer beschädigt.

Bahnhofstraße 32 (heute: Marktallee 32): Bombenschaden im Jahr 1943

Bahnhofstraße 32 (heute: Marktallee 32): Bombenschaden im Jahr 1943

Das Haus wird zunächst provisorisch geflickt und in den 60er Jahren durch einen Neubau ersetzt.

Um 1985: Am Klosterwald 3, dahinter Haus Nr. 7 (Foto: Klare)

Um 1985: Am Klosterwald 3, dahinter Haus Nr. 7 (Foto: Klare)

Die ehemalige Sparkasse in der Klosterstraße 3 diente nach dem Krieg im Erdgeschoss als Büro der Bauunternehmung Rink; die Firma hatte ihren Bauhof in dem Bereich des heutigen Spielplatzes Kalvarienbergweg hinter der Sparkasse an der Marktallee. Nach dem Tod des Firmeninhabers zogen erst ein Architekt, dann ein Versicherungsbüro ein, bis das Haus im Jahr 2016 abgebrochen und durch einen Block mit Eigentumswohnungen ersetzt wurde.

Am Klosterwald 3, Erdgeschoss-Kontor mit Geldschrank vor dem Abbruch (30.1.2016; Foto: Klare)

Am Klosterwald 3, Erdgeschoss-Kontor mit Geldschrank vor dem Abbruch (30.1.2016; Foto: Klare)

Bis zum Abbruch war das alte Kontor im Erdgeschoss erhalten geblieben, auch der Geldschrank mit einer mächtigen Eisentür; der Messing-Griff der Tresortür ist im Zuge des Abbruchs dem Hiltruper Museum übergeben worden.

Die benachbarten Grundstücke Klosterstraße 7 und 9 wurden in den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts bebaut. Bauherr von Nr. 7 war im Jahr 1931 der Werkmeister Konrad Wieland. Die Erdgeschosswohnung war bis 1945 an Familie Stein vermietet. Die dieser Wohnung zugeordnete Küche befand sich im Kellergeschoss und war durch einen Speiseaufzug mit dem Esszimmer darüber verbunden. Zeitzeugen aus der Nachbarschaft erzählten, welches Vergnügen es für sie als Kinder gewesen sei, darin Aufzug zu fahren. Herr Stein war Direktor des Hiltruper Röhrenwerks, nach Kriegsende setzte sich die Familie nach Chile ab (laut mündlicher Auskunft von Zeitzeugen). Frau Wieland verbrachte ihre letzten Lebensjahre im Hiltruper Marienheim, das Haus war in dieser Zeit als Werkswohnungen an Glasurit / BASF vermietet. Es ist seit 1978 in privater Hand.

Am Klosterwald 9 (links) steht seit Ende 2017 leer (7.11.2018; Foto: Klare)

Am Klosterwald 9 (Mitte) stand seit Ende 2017 bis zum Abriss Mitte 2019 leer (7.11.2018; Foto: Klare)

In dem Haus Nummer 9 aus den 30er Jahren wohnten immer Tierärzte: Nach dem Tod des ersten heiratete seine Witwe den Tierarzt Rothert. Sie blieb nach seinem Tod allein in dem relativ großen Einfamilienhaus wohnen. Ihre Erben verkauften 2004 an die Tierärzte Stefan und Andrea Frank, diese erweiterten das Haus zur Straße hin um einen Anbau für eine Kleintierpraxis. Nach ihrer Trennung gab Andrea Frank Ende 2017 ihre Kleintierpraxis auf, das Grundstück wurde zum Verkauf gestellt. Das Haus war von da an bis zum Abbruch im Juli 2019 unbewohnt und in schlechtem Zustand. Eineinhalb Jahre Leerstand, geschuldet dem Bauboom und der explosiven Preisentwicklung für Grundstücke.

Hintergrund ist eine Besonderheit dieses Grundstücks: Der für diesen Bereich geltende Bebauungsplan Nr. 256 setzt zwar wie bei den Nachbargrundstücken die Grundflächenzahl auf 0,4 fest, das heißt 40 Prozent der Grundstücksfläche dürfen theoretisch bebaut werden; die verbindlichen Baugrenzen schränken die bebaubare Fläche aber darüber hinaus weiter ein. Zusätzlich werden Abriss und Neubebauung dadurch verteuert, dass der Bau einer Tiefgarage zwingend vorgeschrieben ist.

Diese Besonderheiten – hoher Grundstückspreis, eingeschränkte Baumöglichkeit – führten dazu, dass Hiltruper Unternehmer bzw. Interessenten das Projekt einer Neubebauung mit Miet- oder Eigentumswohnungen als unwirtschaftlich einschätzten und vom Kauf des Grundstücks absahen. 2018 verhandelte der Immobilienunternehmer Pund über einen Kaufvertrag, lleß den Kauf dann aber platzen. Pund steht laut online verfügbaren Handelsregisterauszügen in geschäftlichen Verbindungen mit den münsterschen Kneipiers Marcus Geßler und Arash Vatanparast; 2018 trat nun Vatanparast als Geschäftsführer der MSV Immobilien GmbH (Geschäftsführer: Gastronom Arash Vatanparast, 25.500 Euro Grundkapital) auf und kaufte das Grundstück. Über die Hintergründe dieses bemerkenswerten Ablaufs kann mangels weiterer Informationen nur spekuliert werden.

Der Bauantrag der MSV Immobilien GmbH lag seit Oktober 2018 zur Genehmigung bei der Stadt, die Baugenehmigung war für Ende Juli 2019 in Aussicht gestellt. Die geplanten Eigentumswohnungen wurden und werden ab Sommer 2019 über einen Makler zu Quadratmeterpreisen um 5500 Euro angeboten (einschließlich Tiefgaragen-Stellplätzen, Makler und sonstiger Nebenkosten, Fertigstellung im Oktober 2020): Auf engem Raum sind 8 Eigentumswohnungen und eine Tiefgarage (mit der Einfahrt auf der Südseite des Grundstücks) geplant.

Der Abriss beginnt: Das alte Haus Am Klosterwald 9 ist bald Vergangenheit (26.6.2019; Foto: Klare)

Der Abriss beginnt: Das alte Haus Am Klosterwald 9 ist bald Vergangenheit (26.6.2019; Foto: Klare)

Im Juni 2019 begannen die vorbereitenden Arbeiten für den Abriss, im Juli 2019 kam der Abriss-Bagger. Die grob fahrlässigen Abbrucharbeiten und der kuriose Start der Arbeiten zur Sicherung der Baugrube lassen für die weiteren Bauarbeiten noch allerlei Überraschungen erwarten…

Das Haus Am Klosterwald 9 wird abgebrochen (22.7.2019; Foto: Klare)

Das Haus Am Klosterwald 9 wird abgebrochen (22.7.2019; Foto: Klare)

Bei diesem Bauprojekt könnte es einen Spagat geben zwischen Grundstückskosten, Bauqualität (an einer zu engen Tiefgarage sind an anderer Stelle des Klosterwalds schon Profis gescheitert) und Quadratmeterpreis der zukünftigen Eigentumswohnungen. Einen Vorgeschmack gibt das Auftreten der Herren Vatanparast und Mecklenborg als Vertreter der MSV Immobilien GmbH: Das Schreiben eines Nachbarn mit der Bitte, Berührungspunkte der Baumaßnahme an der gemeinsamen Grenze im Gespräch zu klären, wurde ignoriert; sucht der Nachbar bei Ortsterminen der MSV ruhig-freundlich das Gespräch, tritt man nicht gerade entgegenkommend auf. So hatte es der Investor auch nicht nötig gefunden, die unmittelbar betroffenen Nachbarn über den bevorstehenden Beginn der Abriss-Arbeiten zu informieren, obwohl ausdrücklich darum gebeten worden war. Ob die künftigen Erwerber der Eigentumswohnungen wohl mehr Entgegenkommen und Service erwarten können?

Das Nachbargrundstück Nummer 11 war bis 1960 noch Gartenland und wurde danach mit einem großen Mehrfamilienhaus bebaut.

Max-Winkelmann-Str. 1 (17.4.2011; Foto: Klare)

Max-Winkelmann-Str. 1 (17.4.2011; Foto: Klare)

Das nächste Haus, das Eckhaus Am Klosterwald / Max-Winkelmann-Straße (früher: Finkenstraße), ist auf dem Foto aus dem Jahr 1920 bereits vorhanden. Bauherr war der Postbedienstete Jasper. Nach dem Tod der letzten Nachfahrin wurde das Haus verkauft, die Erwerber wollen es soweit bekannt langfristig als Wohnhaus erhalten und nutzen.

Schaut man sich die Westseite der Straße Am Klosterwald an, zeigen sich auch hier die Spuren großer Veränderungen. Die Bäume, die auf dem Foto aus dem Jahr 1920 noch das Bild bestimmen, sind im Jahr 2019 verschwunden.

Auf der Westseite der Klosterstraße ist das Eckgrundstück zur Bahnhofstraße (heute: Marktallee 30) im Jahr 1920 noch nicht bebaut. Hier entsteht später ein Kolonialwarenladen, der Ende der 70er Jahre der Konkurrenz mit dem Supermarkt Hill an der Marktallee (heute: Drogeriemarkt dm) nicht mehr gewachsen ist. City-Foto Wohlgemuth nutzt heute das Ladenlokal.

Klosterstraße 2 (Postkarte aus dem Jahr 1918)

Klosterstraße 2 (Postkarte aus dem Jahr 1918)

Das nächste Haus (Klosterstraße 2) gehört mit zu den ältesten Häusern der Klosterstraße / Am Klosterwald. Es ist abgesehen von veränderter Dacheindeckung und Anstrich original erhalten. Wegen der nachträglichen Veränderung des Dachs ist es nicht unter Denkmalschutz gestellt worden.

Das weiße Haus rechts (Am Klosterwald 4) ist Geschichte, es wurde im Dezember 2018 abgebrochen. Gegenüber und nebenan stehen bereits Neubauten der letzten Jahre (7.11.2018; Foto: Klare)

Das weiße Haus rechts (Am Klosterwald 4) ist Geschichte, es wurde im Dezember 2018 abgebrochen. Gegenüber und nebenan stehen bereits Neubauten der letzten Jahre (7.11.2018; Foto: Klare)

Auch die nächsten Häuser, Nr. 4 (weißes Haus rechts) und Nr. 6 A (Fachwerk, verdeckt), stammen aus dieser Zeit und sind im Jahr 1920 bereits vorhanden. Das Haus Nr. 4 gehörte dem Zimmermann Theodor Marx, der auch den Dachstuhl der St. Clemens-Kirche baute. Das Fachwerkhaus Nr. 6 A (ungefähr aus dem Jahre 1904) schräg dahinter war seine Werkstatt. Hier gab es eins der ersten Autos von Hiltrup, im Garten hinter der Werkstatt stand bis 1983 die Garage. Das Grundstück wurde später geteilt, die Werkstatt wurde 1929 zum Wohnhaus umgebaut.

Nr. 4 hat nach dem Tod der letzten Bewohnerinnen vor einigen Jahren den Besitzer gewechselt und stand seit ungefähr 2016 leer.

Am Klosterwald 4 (links): Der Abriss beginnt (14.12.2018; Foto: Klare)

Am Klosterwald 4 (links): Der Abriss beginnt (14.12.2018; Foto: Klare)

Äußerlich gut erhalten, im Inneren renoviert, war es bis 2016 noch vermietet. Den Erwerbern war es offensichtlich zu klein, der Raumzuschnitt vielleicht nicht repräsentativ genug; immerhin lassen die Grundstückspreise im Ortskern vermuten, dass hier kein einfaches Einfamilienhaus geplant ist. Im Dezember 2018 kam der Abbruchbagger.

Am Klosterwald 4: Das alte Treppenhaus (14.12.2018; Foto: Klare)

Am Klosterwald 4: Das Treppenhaus des alten Hauses (14.12.2018; Foto: Klare)

Ein Blick durch die Eingangstür des alten Hauses verriet ein wenig von dem Charme des Altbaus: Der original erhaltene gemusterte Fliesenboden und das Treppengeländer erinnerten daran, dass sich hier vor 100 Jahren ein wohlhabender Handwerksmeister angesiedelt hatte.

Viel Platz für Autos (15.6.2019; Foto: Klare)

Unterm Richtkranz viel Grau, viel Platz für Autos: Der Neubau Nr. 4 (15.6.2019; Foto: Klare)

2019 entsteht an der Stelle des alten Handwerkerhauses ein Neubau. Mit grauem Klinker, Garage und Carport als Grenzbebauung an beiden Seiten bedrängt er die Nachbarhäuser. Der Rohbau lässt erwarten, dass hier zur Straße hin kein Platz für Grün sein wird.

Am Klosterwald 6A von Süden gesehen, rechts im Bild Nr. 4, dahinter Nr. 2 (18.3.2008; Foto: Klare)

Am Klosterwald 6A von Süden gesehen, rechts im Bild Nr. 4, dahinter Nr. 2 (18.3.2008; Foto: Klare)

Das Fachwerkhaus Nr. 6 A ist heute zur Straße hin durch einen Neubau aus dem Jahr 2010 (Nr. 6 C) verdeckt.

Der Neubau Klosterwald 6C (dunkler Klinker) verdeckt das alte Fachwerkhaus Nr. 6A (13.10.2016; Foto: Klare)

Der Neubau Klosterwald 6C (dunkler Klinker) verdeckt das alte Fachwerkhaus Nr. 6A; links daneben Haus Nr. 8 (13.10.2016; Foto: Klare)

Der rote Klinkerbau Haus Nr. 8 stammt aus der Mitte der 60er Jahre. Hier stand bis zum II. Weltkrieg ein Vorgängerbau, Bewohner war die Familie Meyer. Dies Haus wurde im Krieg durch eine Bombe völlig zerstört. Die Waschküche im Keller war mit Balken-Verstärkungen als Luftschutzkeller hergerichtet, der Großvater kam durch den Luftangriff in den Trümmern um; Wilhelm Meyer (geb. 1915) wurde mit einem Balken über der Brust eingeklemmt, er wurde blutüberströmt aus den Trümmern geborgen. Das Trümmergrundstück lag dann bis in die 60er Jahre brach, Wilhelm Meyer lebte im hinteren Teil des Grundstücks in einem ehemaligen Hühnerstall als Behelfsheim, bis er in den Neubau Ecke Marktallee / Hohe Geest umzog. Ein Portrait von Wilhelm Meyer erschien in Hiltrup heute und morgen, Stadtteilzeitung der SPD für Hiltrup, Ausgabe März 1989, Seite 4.

Hiltrup, Klosterstraße 10 und 12 (heute: Am Klosterwald) nach einem Luftangriff 1944

Hiltrup, Klosterstraße 10 (rechts) und 12 (heute: Am Klosterwald) nach einem Luftangriff 1944

Klosterstraße 10 (rechts auf dem Foto) ist ein weiteres Handwerkerhaus, erbaut 1912. Für kurze Zeit lebte hier der Hiltruper Bauunternehmer Bröcker, dann kaufte es der Kirchenmaler und Malermeister Theodor Tecklenborg. Das Haus war ursprünglich relativ klein, Giebel und Dachgaube sind durch zierlich-aufwändiges Holzwerk geprägt. Spätere Eigentümer erweiterten das Haus nach dem Krieg durch Anbauten. Wo sich auf der Straßenseite links zunächst eine hölzerne Veranda befand, wurde ein Raum angebaut und später mit einer mächtigen, überproportionierten Balustrade zum Balkon aufgestockt. Auch auf der Rückseite wurde ein Anbau angefügt. Auch dies Haus wurde 1944 durch einen Luftangriff beschädigt. Der Gitterzaun mit steinernen Pfeilern zur Straße hin wurde vor einigen Jahren drastisch erhöht. Das Haus wurde nach und nach renoviert, es ist heute in gutem Zustand und wird weiter als Wohnhaus genutzt.

Haus Nübel an der Klosterstraße 12 (um 1920)

Haus Nübel an der Klosterstraße 12 (um 1910?)

Auf dem Foto aus dem Jahr 1920 sieht man links daneben das Haus Klosterstraße 12. In diesem Haus wohnte Professor Nübel, Professor an der Königlichen Bauwerkschule (heute Fachhochschule) in Münster. Hier traf sich ab ungefähr 1910 die kleine evangelische Gemeinde von Hiltrup in ihren Anfängen. Nübel verpachtete das Haus 1937 an die evangelische Kirchengemeinde; es wurde 1944 durch eine Bombe schwer beschädigt und danach repariert. Bis 1954 war es evangelisches Pfarrhaus. Die letzte Bewohnerin verkaufte das Haus Ende des 20. Jahrhunderts, es wurde abgerissen, und das sehr tiefe Grundstück wurde mit zwei Neubauten bebaut.

Die Hiltruper Klosterstraße bzw. Am Klosterwald hat sich in 100 Jahren rasch verändert. Sie steht damit beispielhaft für die Entwicklung Hiltrups vom unbedeutenden Bauerndorf, kleiner noch als Amelsbüren, zu einem Stadtteil Münsters mit den Qualitäten einer lebendigen Kleinstadt.

(Dieser Artikel wurde zuletzt aktualisiert am 30.11.2019.)