Arbeit, Wohnungen und Kriegsvorbereitung
Das Reichskabinett Brüning hatte 1931 nach Mitteln gesucht, um die hohe Arbeitslosigkeit zu verringern. Eine Initiative des Finanzministeriums war das Unternehmen der Stadtrandsiedlung. Es zielte darauf ab, „einen möglichst großen Teil der jetzt und wahrscheinlich auch künftig Arbeitslosen dauernd in Arbeit zu bringen“. Die vorstädtische Kleinsiedlung verbunden mit weiteren Maßnahmen zur bäuerlichen Siedlung wurde als das „typische Arbeitsbeschaffungsprogramm“ angesehen. Im Herbst 1931 wurde es als Nebenform der landwirtschaftlichen Siedlung mit beachtlichen finanziellen Mitteln in Gang gesetzt (Dritte Verordnung des Reichspräsidenten zur Sicherung von Wirtschaft und Finanzen vom 6. Oktober 1931; Quelle: Henning Köhler, Arbeitsbeschaffung, Siedlung und Reparationen in der Schlussphase der Regierung Brüning). „Ein eigenes Heim auf freier Scholle“ war das Ziel der Siedlergemeinschaften, die (auch nach dem II. Weltkrieg) gegründet wurden. In Münster wurde zum Beispiel 1931 die Siedlergemeinschaft Gievenbeck gegründet, 1937 die Siedlergemeinschaft Düesbergweg.
Ab 1933 entstand die Vennheidesiedlung. Nördlich des Vennheidewegs mussten die Siedler Eigenleistungen erbringen für kleine schlichte Doppelhäuser, die Grundstücke waren Eigentum der Stadt Münster und zum kleineren Teil der Gemeinnützigen Wohnstättengesellschaft Münsterland. (Nach 1948 verkaufte die Stadt die Grundstücke an die Bewohner.)
In der Siedlergemeinschaft Hiltrup Ost 1938 fanden sich Beschäftigte von Glasurit und des Röhrenwerks zusammen. Als Anfangskapital musste jeder Siedler 1050 Reichsmark aufbringen. Im Februar 1939 wurden östlich des Kanals Flächen des Landwirts Schulze Holsen enteignet, um hier die Kleinsiedlung Holsenkamp zu schaffen. Die Siedler bauten hier Siedlerhäuser. Dabei wurden sie in unterschiedlichem Maß durch die Arbeitgeber unterstützt. Für 65 Siedlerstellen mit je 1.000m² übernahm Glasurit Patenschaften, das Röhrenwerk für 21 Siedlerstellen; die Firmen erhielten dadurch das Recht, die Siedlerstellen an Werksangehörige zu vergeben. Die Aufsicht hatte die Provinzial-Treuhandgesellschaft für Kleinwohnungen und Siedlungsbauten “Westfälische Heimstätte”. Für die Siedlerstellen des Röhrenwerks begann der Bau im Mai 1939. Nach mehrfachen Unterbrechungen während der Kriegszeit wurden bis zum Jahr 1943 „dank der Initiative von Direktor Stein (Hiltruper Röhrenwerke) 36 Siedlungshäuser fertiggestellt“, die Röhrenwerke führten die unter ihrer Patenschaft stehenden Siedlungsbauten restlos zu Ende (Bericht der Westfälischen Nachrichten vom 14.12.1949).

Es waren sehr einfache Häuschen für Selbstversorger: Schwein, Ziegen, Kaninchen, Hühner und Menschen lebten auf einer Etage. Der Abort entleerte in eine Grube ohne Abfluss, die gesammelten Fäkalien wurden als Dünger im Gemüsegarten verwendet. Im Hauswirtschaftsraum stand ein großer Kessel, der mit Kohle beheizt werden konnte. Das heiße Wasser wurde benötigt zum Wäschewaschen, für ein Bad in der Familie, aber auch für das jährliche Schlachten eines Schweins (siehe Bernd Bischof: Siedlergemeinschaft Hiltrup Ost 1938). So bescheiden dieser Grundriss, so einfach das Leben in diesen Häuschen auch war: Sie unterscheiden sich bereits deutlich von den Arbeiterhäusern, die Anfang des 20. Jahrhunderts an der Marktallee gebaut wurden (siehe „Haus Röwekamp“ in Industrialisierung und Aufschwung in Hiltrup).
In den Siedlerhäuschen oder im Stall hinter dem Haus gehörten ein oder zwei Schweine zum Haushalt. Sie wurden das Jahr über fett gefüttert und im Winter für die Selbstversorgung mit Speck, Fleisch und Wurst geschlachtet. Zum Schlachten kam Metzger Reinker ins Haus.

Etwas aufwendiger sahen nebenan in der Rohrkampstraße die Häuser aus:

Einfache kleine Doppelhäuser, Erdgeschoss und Dachgeschoss für zwei Parteien mit je zwei Zimmern, von denen das größere im Erdgeschoss ca. 15m² hatte, zwei Toiletten auf halber Treppe für die zwei Parteien im Haus. Gewohnt wurde in der ca. 12m² großen Wohnküche, die vom Kohleherd in der angrenzenden Nische beheizt wurde. Die Häuser waren voll unterkellert, für die Tiere gab es vermutlich einen gesonderten Stall im Garten.

Die Siedlerhäuser wurden nicht nur in konventioneller Bauweise errichtet, sondern auch als Holzhäuser. Ab 1942 lieferte Finnland als Gegenleistung für Getreide und Waffen sogenannte Finnenhäuser. In der Straße Geierhorst (bis 1975: Habichthorst) sind einige noch erhalten (auf einem Luftbild von März 1945 sind 13 Häuser zu erkennen). Laut Elisabeth Egger (Westfälische Nachrichten 29.7.1999) wurde eine weitere Finnenhäuser-Siedlung hinter der Gaststätte Prinz-Brücke im II. Weltkrieg zerstört (M. Kuznecov, bis 1945 als Zwangsarbeiter in der Tischlerwerkstatt eines Sägewerks eingesetzt, berichtet von der Herstellung kleiner Holzhäuser für Soldaten, die verwundet oder als Invaliden aus dem Krieg zurückkehrten und deren Häuser durch Bombardierung zerstört worden waren).

Einige dieser „Finnenhäuser“ sind später ausgebaut / modernisiert worden, wie das Foto aus 2023 zeigt.
1937/1938 entstand im Bereich Westfalenstraße / Zum Roten Berge gegenüber dem alten Paterkloster eine Kaserne für eine Einheit der neu aufgestellten motorisierten Gendarmerie.
Von 1939 bis 1943 war hier die „Kleine Gendarmerie-Kompanie (mot.)“ stationiert als „Reichsstraßenpolizei“ zur Verkehrsüberwachung im Münsterland. Die Truppe unter dem Kommando des Reichsführers SS und Chefs der deutschen Polizei im Reichsministerium des Inneren sollte von vornherein auch für besondere Verwendungszwecke im gesamten Reichsgebiet eingesetzt werden. Angehörige dieser Einheit wurden 1942 und 1943 abgeordnet zum „I./Gendarmerie-Bataillon. (mot)“, das an zahlreichen Verbrechen im besetzten Polen beteiligt war, siehe Dr. Stefan Klemp, Die kleine Gendarmerie-Kompanie (mot.) Münster in Hiltrup 1942 – 1945, I/2008 der Schriftenreihe der Deutschen Hochschule der Polizei. (1945 wurde hier die „Zentral-Polizeischule“ eingerichtet, 1972 Polizei-Führungsakademie, heute Deutsche Hochschule der Polizei).
Hiltrup nahm einen raschen wirtschaftlichen Aufschwung. Bilder aus der Zeit zeigen, dass der Ort zu Geld kam:

Die 1913 zusammen mit der neuen St. Clemens-Kirche gebaute Gaststätte Bröcker wurde umgebaut. Auf der rechten Seite des Fotos aus dem Jahr 1934 ist zu erkennen, dass dort jetzt ein Schaufenster eingebaut ist für die Firma „Wilhelm Haumer, Uhren, Gold- und Silberwaren, Optik“.

Auch am Gasthaus Scheller lässt sich die schnelle Entwicklung Hiltrups ablesen. Von 1927 bis 1936 hat es weitere Veränderungen gegeben, die die Postkarte zeigt: Das zur Gastwirtschaft gehörende Wirtschaftsgebäude ist jetzt eher städtisch anmutend aufgestockt, im Obergeschoss sind 8 Hotelzimmer entstanden, „Restaurant Café Scheller“ steht über der Tür. Am Giebel des alten Restaurants ist unter dem alten Schriftzug „Restaurant und Café zum Nordpol“ ein neuer Schriftzug zu lesen: „Fremdenzimmer“ – Scheller ist in den Hotelbetrieb eingestiegen. Sonnenschirme markieren die Entwicklung der Außengastronomie. Vor dem Giebel posiert man lässig mit einem neuen Auto (Opel P4, Produktionszeitraum: 1935-1937). Noch gehört zu Scheller eine Bäckerei mit Laden, im Adressbuch stehen unter der Hausnummer 148 um 1940 „Heinrich Scheller, Wirt und Bäcker“ und „August Scheller, Bufettier“. Der Laden wurde 1959 aufgegeben.

Auch Heithorn betrieb nebenan neben der „Schenkwirtschaft“ eine Bäckerei und Konditorei mit einem Lebensmittel- und Feinkostladen, im Adressbuch stehen 1940 „Anton Heithorn sen., Wirt“ und „Anton Heithorn jun., Konditorei und Kolonialwarenladen“.
Auch die „Schenkwirtschaft Anton Heithorn“ florierte offensichtlich. Das Dach des ursprünglich einstöckigen Gebäudes war ausgebaut worden mit einem Fachwerkgiebel zur Hammer Straße hin.

Die Hakenkreuzfahne auf dem Foto von 1936 war späteren Generationen sehr peinlich. Im Hiltruper Museum befinden sich zwei Versionen des Fotos, in denen die Fahne mehr oder weniger wegretuschiert ist. Links vor dem Haus steht die Zapfsäule der Tankstelle BV-Aral-Benzol.

Wieder einige Jahre später macht die Hammerstraße (heute Westfalenstraße) mit den blumengeschmückten Gasthöfen Heithorn und Scheller um 1940 einen völlig städtischen Eindruck. Heithorn hat umgebaut, im Erdgeschoss sind große Fenster im Querformat eingebaut worden mit großen Scheiben.

Dazu passt die Shell-Tankstelle einige Häuser weiter an der Hammerstraße 156 vor der Gaststätte Rohrkötter. Unter der Hausnummer 156 führt das Adressbuch von 1940 „Franz Rohrkötter, Metzger“ als Eigentümer auf sowie „Franz Aulenkamp, Mechaniker, Rundfunkspezialgeschäft und Gastwirtschaft“.

Etwas später ist genauso wie vor Scheller auch vor Heithorn die einfache Zapfsäule vom Straßenrand verschwunden. Stattdessen ist zwischen Bäckerei / Conditorei (links) und Gastschenke Heithorn (Mitte) ein modernes Tankstellengebäude gebaut.
In Hiltrup gab es 13 Gastwirtschaften. Die Bilder lassen nichts mehr ahnen von dem alten Bauerndorf Hiltrup.

Erhalten hat sich bis dahin das Ensemble rund um Alt-St. Clemens. Das Luftbild von 1935 zeigt östlich von Alt St. Clemens Scheller, südlich aneinander gebaut Mühlenberg und Wesseler, südwestlich die alte Küsterei und ehemalige Schule, nordwestlich der Kotten Kroos/Kleine Wilke und nördlich Spritzenhaus und Schellers Stall. Ein Bombenangriff im Jahr 1944 riss hier später große Lücken.
Die Bahnhofstraße (heute: Marktallee) stand in den 1930er Jahren erst am Anfang ihrer Entwicklung. Die Bebauung war noch von kleinen Einzelhäusern geprägt, zwischen denen unbebaute Flächen lagen. Prägende Gebäude waren die Villa Burmann (Nr. 52, 1944 durch Bomben zerstört, heute Sparkasse), die bis heute erhaltene Villa Brüning, Jugendstilvilla mit neobarocken Elementen (Nr. 54, „1908“ an der Fassade, seit 1986 unter Denkmalschutz, 2023: Dr. Beermann und Partner), die beiden denkmalgeschützten Häuser Marktallee 63 (von Looz-Corswarem) und 65 (Dr. med. Wiese) und die Villa Dalhoff, Marktallee 83 (später: Restaurant Wildsau,1980 abgebrochen). Vor dem Haus des Fahrradhändlers Brüntrup (Nr. 57) wurde eine Benzin-Zapfsäule aufgestellt.
Der 1899 eröffnete Dortmund-Ems-Kanal war schon vor dem I. Weltkrieg an die Grenze seiner Leistungsfähigkeit gekommen. Das Frachtaufkommen (insbesondere Eisenerz und Kohle zum bzw. vom Ruhrgebiet) hatte sich stärker als erwartet entwickelt. Noch vor dem I. Weltkrieg waren neue Schleusen gebaut worden, um auch 9 Meter breite Flussschiffe zuzulassen. Die Dortmunder Schwerindustrie drängte auf eine Kanalverbreiterung für 1000-Tonnen-Schiffe, 1926 ging in Münster eine weitere noch breitere Schleuse in Betrieb (225 × 12 Meter).

Auch der „Hiltruper Bogen“ war zu eng, Schleppzüge durften sich nicht begegnen. In Hiltrup wurde deshalb 1936 mit dem Bau der II. Fahrt begonnen. Die erste Prinzbrücke von 1897 (auf dem Foto links) wurde deshalb 1936 durch einen Neubau mit größerer Spannweite ersetzt, der vor Ort zusammengeschweißt wurde.

Für die Kanalarbeiten wurden auch jüdische Zwangsarbeiter aus Münster und anderen Orten (z.B. Drensteinfurt) als billige Arbeitskräfte eingesetzt, es gab „im geschlossenen Einsatz“ eine jüdische Kolonne (Grottendieck, Die billigen Arbeitskräfte der jüdischen Kolonne, WN 8.11.2021; Historisches Handbuch der jüdischen Gemeinschaften in Westfalen und Lippe).
Die Erdarbeiten wurden Anfang 1940 eingestellt. Fertiggestellt wurde die II. Fahrt erst nach dem II. Weltkrieg im Jahr 1952, am 23.1.1952 wurde sie feierlich freigegeben. 1959 wurde der Kanal für das 1000-Tonnen-Schiff freigegeben, 1963 für das „Europaschiff“ mit 1350 Tonnen.
Die Hiltruper Bevölkerung wurde 1936 schon auf den kommenden Krieg vorbereitet. Der Münsterische Anzeiger berichtete am 9.12.1936 über eine Luftschutzbrandübung auf dem Hiltruper Schulplatz unter Beteiligung des Landrats Dr. Böckenhoff: „Die Hiltruper Bevölkerung bewies durch zahlreiche Beteiligung ihr Interesse an den Fragen des Luftschutzes. … Die zahlreichen Zuschauer … erhielten einen Einblick über die verheerende Wirkung der verschiedenen Brandbombenarten und wurden von der Notwendigkeit des Luftschutzes restlos überzeugt. … Pg Friedrich sprach über die Bedeutung des Luftschutzes auf dem Lande. Bei einem kommenden Kriege sei die Luftwaffe der ausschlaggebende Faktor.“
Im Mai 1937 luden Polizeipräsident Unckell und Amtsbürgermeister Breuker des Amtes St. Mauritz die Bevölkerung zur Großen Deutschen Luftschutzausstellung ein. Das Präsidium des Reichsluftschutzbundes führte die Ausstellung in der Halle Münsterland durch, um die Bedeutung des Selbstschutzes im Rahmen eines totalen Krieges zu verdeutlichen. Die Ausstellung wurde durch eine Vielzahl von Zeitungsmeldungen vorbereitet, neben Funktionsträgern sollten auch ganze Betriebsbelegschaften teilnehmen. Ein großer Zeitungsartikel am 19.5.1937 trug die Überschrift Der Feind in der Luft – schachmatt!; eine ungewollte Vorausschau auf die späteren Bombardierungen. Die Ausstellung wurde in einer „schlichten Feier“ mit 800 Ehrengästen eröffnet, angeblich hatte der Reichsluftschutzbund in diesem Zeitpunkt 12 Millionen Mitglieder. Auch Hiltruper fuhren „zum Vorzugspreis von 0,20 Mark“ zur Ausstellung.
Die Freiwillige Feuerwehr (später: Feuerschutzpolizei) war in diese Kriegsvorbereitungen eingebunden. Als Maßnahme des „vorbeugenden Luftschutzes“ baute sie zwischen Friedhof und Hammer Straße (heute: Westfalenstraße) gegenüber den Gaststätten Scheller und Heithorn einen Erdbunker (an dieser Stelle wurde 1951 das Ehrenmal für die Gefallenen errichtet).
Die Militarisierung der gesamten Gesellschaft begann schon bei den zehnjährigen Pimpfen im Deutschen Jungvolk, bevor sie Hitlerjungen wurden. Das 1938 erschienene Handbuch Pimpf im Dienst beschreibt Geländeübungen (Seiten 204 folgende) für die Pimpfe, die nichts anderes sind als eine infanteristische Grundausbildung.

An diese „Geländeübungen“ erinnert das Schulfoto der Hiltruper Volksschule von 1938. „Pimpf im Dienst“ lehrt mit Zeichnungen „laufen, dann springen, kriechen, robben, gleiten“ im Gelände, um sich ungesehen dem Gegner zu nähern – auf dem Hiltruper Schulhof robbt der 3. und 4. Jahrgang durch ein Holzfass ohne Boden genauso wie der Entlassjahrgang 1938 auf einem anderen Foto.

Die Hiltruper DRK-Einheit wurde 1934 von Arzt Dr. Wiese, Schneidermeister Krause und anderen gegründet. Sie erhielt von der Familie des 1935 verstorbenen Max Winkelmann (Gründer der Glasuritwerke) als Geschenk einen PKW Mercedes-Benz 370 „Typ Mannheim“ (Baureihe W10, Baujahr 1930-1935), ein Sechssitzer der Oberklasse. Die Hiltruper KFZ-Firma Stein baute den Wagen zum ersten Krankentransporter („Sanka“) in Hiltrup um. Schneidermeister Krause fuhr den Wagen, bis er mit Kriegsbeginn 1939 wie viele andere Männer zur Wehrmacht einberufen wurde. Sie fehlten an ihren Arbeitsstellen und auch im Krankentransport der 1936 gegründeten DRK-Einheit. Frauen übernahmen die Aufgabe.
Zum 1.1.1934 1934 erließ das NS-System das Gesetz zur Verhütung erbkranken Nachwuchses (Erbgesundheitsgesetz), es war die Grundlage für die zwangsweise Sterilisation hunderttausender Menschen. Über die Auswirkungen in Hiltrup liegen keine verlässlichen Unterlagen vor. Ob und in welchem Umfang Hiltruper Ärzte (5 waren Mitglieder der NSDAP) zum Beispiel an Zwangssterilisationen nach diesem Gesetz beteiligt waren, ist nicht bekannt. Einen Fingerzeig gibt die Äußerung eines Zeitzeugen: „Ebenfalls Angst vor der Schließung seiner Praxis hatte ein Arzt, der gezwungen wurde, den Eingriff der Sterilisation bei einem Mann vorzunehmen, der als leicht verwirrt galt.“
Die Hiltruper Missionsschwestern als frühere Träger des Herz-Jesu-Krankenhauses sind 2025 angefragt worden, ob es in ihren Unterlagen entsprechende Hinweise gibt. Die Schwestern haben diese Anfrage abgeblockt mit der Erklärung, das Krankenhaus sei erst Anfang der 50er Jahre in kleinen Schritten entstanden. (Anmerkung: Die Schwestern betrieben seit 1923 ein kleines Krankenhaus im Alten Pfarrhof, das Marien-Hospital; im Adressbuch von 1928 ist es unter „Krankenhaus (Marienheim)“ verzeichnet. 1941 verlegten sie es ins Mutterhaus an der Westfalenstraße, da der Alte Pfarrhof keinen Luftschutzkeller besaß und im Mutterhaus nach der Schließung der Missionsschule Räume frei waren; auf einem Dokument aus dem Jahr 1949 – Aufstellung ausländischer Patienten während der Kriegsjahre – firmiert es als „Kranken- und Mutterhaus Hiltrup“.)
(Dieser Artikel wurde zuletzt am 06.02.2026 aktualisiert.)
