Albert Schäpers erzählt

Der Vater war Eisenbahnbeamter. Er saß im Ersten Weltkrieg in der Hauptzentrale der Eisenbahnstrecke Paris-Berlin auf einem wichtigen Posten. Der Großvater war ein echter Bauer in dem Gebiet zwischen Wulfen /Haltern, seine Frau hatte als gute Hausmutter ihm acht Kinder geboren. Geboren bin ich in Essen / Ruhrgebiet 1915. Volksschule und dann Realschule vier Jahre in Essen bis zur Abschlussprüfung. Nach dem Umzug der Eltern 1926 nach Hiltrup dann kaufmännische Lehre ….

Eine Hiltruperin erzählt

Meine Familie stammt aus Ladbergen im Altkreis Tecklenburg und ist evangelisch. Meine Großeltern waren Neubauern und Pächter landwirtschaftlicher Betriebe. Wir sind im März 1926 nach Hiltrup gezogen, ….

Walter Stein (r., 1956; Hiltruper Museum, Bearbeitung: Henning Klare)
Walter Stein (r., 1956; Hiltruper Museum, Bearbeitung: Henning Klare)

Hiltruper Röhrenwerke und Direktor Stein

Die Entwicklung Hiltrups im 20. Jahrhundert ist von zwei großen Industrieunternehmen geprägt worden, den Glasurit-Werken und dem Röhrenwerk. Dahinter stehen Unternehmer-Persönlichkeiten. Max Winkelmann, der Gründer von Glasurit, starb 1935. Wenige Jahre vorher hatte Walter Stein die technische und kaufmännische Leitung der Hiltruper Röhrenwerke übernommen. Sein für einen Manager dieser Zeit vielleicht nicht untypischer Lebenslauf soll hier kurz skizziert werden.

Stein (geboren 1895) arbeitete sich in der deutschen Stahlindustrie hoch. ….

Handwerk und Politik

Der Zeitzeuge K. (Jahrgang 1907) berichtet: „Mit 14 Jahren begann ich in Mettingen meine Schneiderlehre, die ich als Siebzehnjähriger beendete. Wie es damals üblich war, zog man danach als Wandergeselle durch Deutschland. Meine Stationen waren Brake in Oldenburg, Bremen, Essen, zuletzt Everswinkel. Häufig wohnte ich in Kolpinghäusern. Nach der Meisterprüfung 1932 übernahm ich in Hiltrup eine kleine Schneiderwerkstatt.

Ein trauriges Erlebnis hatte ich Heiligabend 1932. Ich ging in die Schusterwerkstatt von Seppel B. und fragte ihn so beiläufig, ob er schon für seine sieben Kinder die Geschenke habe. Entrüstet und traurig erhielt ich die Antwort, ….

Der in Elberfeld/Wuppertal am 10.07.1903 geborene Kaufmann Josef Salomon lebte bis zu seiner Heirat 1931 in Essen. Von seinem Schwiegervater Simon Kahn erhielt er zur Hochzeit mit dessen Tochter Ilse 1931 in Bochum das Startkapital für einen kleinen Zigarettenhandel. 1934 lebte das Paar in Hiltrup (heute Stadtteil von Münster) in der heutigen Westfalenstr. 176 [damals 174]. ….

Bischof von Galen fährt in Hiltrup ein (13.7.1938; Foto: Hiltruper Museum)
Bischof von Galen fährt in Hiltrup ein (13.7.1938; Foto: Hiltruper Museum)

Eine Demonstration

Das Verhältnis zwischen katholischer Kirche und NS-Staat hatte sich 1938 zugespitzt. Der Hiltruper Gemeinderat hatte 1933 sofort einen Kandidaten der NSDAP zum Bürgermeister gewählt. Die Hiltruper Missionsschwestern waren 1935 in ein Strafverfahren verwickelt, die Vertreibung der Hiltruper Patres aus ihrem Kloster im Jahr 1941 stand bevor, kirchliche Fahnen durften nicht mehr in der Öffentlichkeit aufgezogen werden. In dieser Atmosphäre kam Bischof von Galen am 13.7.1938 zur Firmung nach Hiltrup. ….

SPD-Politiker werden 1933 gezwungen, unter Aufsicht der SA Wandparolen zu entfernen (© Archiv der sozialen Demokratie)
SPD-Politiker werden 1933 gezwungen, unter Aufsicht der SA Wandparolen zu entfernen (© Archiv der sozialen Demokratie)

Mit dem Hereinbrechen der Weltwirtschaftskrise ab 1930 erstarkten die extremen Kräfte in der deutschen Politik. Die Arbeitslosigkeit nahm ein nie gekanntes Ausmaß an. Begünstigt durch konservative und reaktionäre politische Kreise, die bis weit in das bürgerliche Parteienspektrum hinein reichten, gewann die extreme Rechte in der Hitler-Bewegung ungemein an Einfluss. Die anhaltende Spaltung der deutschen politischen Arbeiterbewegung, die sich alltäglich in scharfen Auseinandersetzungen dokumentierte, begünstigte diesen Aufstieg, verursachte ihn aber nicht. Ende Januar 1933 wurde Hitler Reichskanzler.

1932 durfte Hitler in der Halle Münsterland sprechen, und bei den Kommunalwahlen am 12.3.1933 folgte Münster dem Reichstrend: ….

>Stolperstein für Heinrich Harms, Münster, Aegidiistr. 51 (Dezember 2025. Foto: Friedhelm Redlich)
>Stolperstein für Heinrich Harms, Münster, Aegidiistr. 51 (Dezember 2025. Foto: Friedhelm Redlich)

Ein Beitrag von Friedhelm Redlich, Greven

Münster kennt Kardinal von Galen. Man begegnet ihm nicht nur als überlebensgroßes Denkmal am Dom der Stadt, sondern es wurden auch zahlreiche Straßen und Schulen in Münster und ganz Westfalen nach ihm benannt. Ohne seinen Einsatz gegen die Euthanasie oder die Enteignung der Kirchen während der NS-Zeit schmälern zu wollen, es hat mich schon länger gewundert, dass man kaum andere aktive Widerstandskämpfer aus diese Stadt kennt. ….

Hiltrup, Holsenkampsiedlung: Ausschachtung in Nachbarschaftshilfe (1939; Foto: Hiltruper Museum, Bearbeitung: Henning Klare)
Hiltrup, Holsenkampsiedlung: Ausschachtung in Nachbarschaftshilfe (1939; Foto: Hiltruper Museum, Bearbeitung: Henning Klare)

Arbeit, Wohnungen und Kriegsvorbereitung

Das Reichskabinett Brüning hatte 1931 nach Mitteln gesucht, um die hohe Arbeitslosigkeit zu verringern. Eine Initiative des Finanzministeriums war das Unternehmen der Stadtrandsiedlung. Es zielte darauf ab, „einen möglichst großen Teil der jetzt und wahrscheinlich auch künftig Arbeitslosen dauernd in Arbeit zu bringen“. Die vorstädtische Kleinsiedlung verbunden mit weiteren Maßnahmen zur bäuerlichen Siedlung wurde als das „typische Arbeitsbeschaffungsprogramm“ angesehen. Im Herbst 1931 wurde es als Nebenform der landwirtschaftlichen Siedlung mit beachtlichen finanziellen Mitteln in Gang gesetzt (Dritte Verordnung des Reichspräsidenten zur Sicherung von Wirtschaft und Finanzen vom 6. Oktober 1931; Quelle: Henning Köhler, Arbeitsbeschaffung, Siedlung und Reparationen in der Schlussphase der Regierung Brüning). „Ein eigenes Heim auf freier Scholle“ war das Ziel der Siedlergemeinschaften, die (auch nach dem II. Weltkrieg) gegründet wurden. In Münster wurde zum Beispiel 1931 die Siedlergemeinschaft Gievenbeck gegründet, 1937 die Siedlergemeinschaft Düesbergweg. ….