1944 wurde die „Alte Stiege“ zerstört

Am 30. September 1944 fand einer der zwölf großen Bombenangriffe auf Hiltrup statt. Betroffen war damals vor allem die „Alte Stiege“, heute „An der alten Kirche“. Mehrere Höfe standen in Flammen. Else Kreft geb. Langenkamp erinnert sich genau daran, wie sie damals, am Tag vor dem Erntedankfest, als siebenjähriges Mädchen die Zerstörung ihres Elternhauses und der anderen Gebäude erlebte: ….

Zwei Häftlinge der Organisation Todt in Hiltrup 1944/1945

Jakob Giesbert Treur aus Rotterdam (Foto um 1950; Hiltruper Museum, Bearbeitung: Henning Klare)

Jakob Giesbert Treur aus Rotterdam (Foto um 1950; Hiltruper Museum, Bearbeitung: Henning Klare)

Jakob Giesbert (genannt Geis) Treur (*1926) und Jan Borsten (*1922) wurden am 10. November 1944 bei einer Razzia in der Stadt Rotterdam durch die SS von der Straße weg abgeführt. Sie trugen nichts bei sich außer einem Ausweis in der Hosentasche.

Gemeinsam mit 30.000 weiteren Männern im Alter von 17-40 Jahren mussten sie in ein Camp marschieren, bewacht von bewaffneten SS-Leuten, die rücksichtslos schossen, wenn jemand es wagte zu fliehen. Die Eltern erhielten keine Nachricht, wo die jungen Zwangsinternierten waren. Erst im Dezember durften sie mit der Bitte um Kleidung Nachricht nach zu Hause geben.

Geis und Jan mit ihren Kameraden, ….

"Auf Befehl der Deutschen Wehrmacht müssen sich alle Männer im Alter zwischen 17 und 40 Jahren für den Arbeitseinsatz anmelden." (Aushang in Rotterdam am 9./10.11.1944)
"Auf Befehl der Deutschen Wehrmacht müssen sich alle Männer im Alter zwischen 17 und 40 Jahren für den Arbeitseinsatz anmelden." (Aushang in Rotterdam am 9./10.11.1944)

1945: Niederländische Zwangsarbeiter in Hiltrup

Im II. Weltkrieg waren viele deutsche Männer als Soldaten eingezogen und fehlten zu Hause als Arbeitskräfte. Diese Lücken waren durch Werbeaktionen und Zwangsverpflichtungen in den Nachbarländern nicht auszugleichen. ….

Die Prinzbrücke in Hiltrup Mai 1945 (links neben der Brücke der Unterstand des Fährmanns für die provisorische Fähre über den Kanal; Foto: Hiltruper Museum)
Die Prinzbrücke in Hiltrup Mai 1945 (links neben der Brücke der Unterstand des Fährmanns für die provisorische Fähre über den Kanal; Foto: Hiltruper Museum)

In der Schlußphase des Zweiten Weltkrieges waren unaufhörlich Bomber und Jäger an Hiltrups Himmel dahingezogen. An einem Sonntag im Mai fielen verschiedene Sprengbomben. Einige Häuser erlitten Totalschaden. Bei einem Volltreffer auf das Buermannsche Haus, ….

little more than a heap of rubble, kaum mehr als ein Haufen Geröll: amerikanische und englische Soldaten Anfang April 1945 auf Münsters Prinzipalmarkt

little more than a heap of rubble, kaum mehr als ein Haufen Geröll: amerikanische und englische Soldaten Anfang April 1945 auf Münsters Prinzipalmarkt

Die britische Militärregierung stand vor dem Problem, „ein einfaches und ordentliches Leben“ für die Deutschen zu gewährleisten, wie Oberbefehlshaber Montgomery seine Aufgabe in einer Proklamation vom 30.5.1945 bezeichnete. Dazu mussten die Reste der deutschen Verwaltungen reaktiviert werden. In Münster ernannte die Militärregierung am 14.4.1945 den 74jährigen Justizrat Fritz Carl Peus zum kommissarischen Oberbürgermeister. Ende 1945 gründeten sich demokratische Parteien, ….

Hannelore Scheller erzählt

Mein Großvater arbeitete sich vom Bauern bis zum Oberbahnsekretär bei der Reichsbahn empor, der Vater wurde ein Lastwagenhändler in Münster. Meine Mutter war als Sekretärin eines Medizinprofessors an der Universitätsklinik beschäftigt. Geboren bin ich 1927 in Billerbeck, Kreis Coesfeld („Perle der Baumberge“). Hier bin ich auf den Namen Hannelore getauft. Der Pfarrer wollte mich erst nicht auf diesen Namen taufen; meine Großmutter hat ihm dann gedroht, dass sie sonst nach Münster gehen würde. Fünf Jahre Volksschule, dann sechs Jahre an der Fürstin Gallitzin – Mädchenmittelschule in Münster, ein Jahr höhere Töchterschule in Burgsteinfurt.

Die Schellers gehörten zu den ganz alten hier eingesessenen Familien. Die Gastwirtschaft Scheller war 1860 ….

https://www.hiltrup.eu/index.php?s=file_download&id=607
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Neue Heimat und Muskelhypothek

Siedlerhäuser für Arbeiter: Wie konnten sich einfache Arbeiter nach dem II. Weltkrieg ein eigenes Haus leisten?

Hier das Beispiel eines Siedlungshauses an der Ringstraße, gebaut 1950 mit Unterstützung durch öffentliche Mittel und durch den Arbeitgeber Hiltruper Röhrenwerk GmbH: ….

Hiltrup, Bahnhofstraße, Blick nach Osten. Der Wagen auf der Straße ein Cabriolet Wanderer Spezial W 51. Von links: Vielmeyer, Beitelhoff, Hill, Drogerie Säger; von rechts: Averesch, Heßling, Meyer-Suhrheinrich (um 1950; historische Postkarte Sammlung Stof
Hiltrup, Bahnhofstraße, Blick nach Osten. Der Wagen auf der Straße ein Cabriolet Wanderer Spezial W 51. Von links: Vielmeyer, Beitelhoff, Hill, Drogerie Säger; von rechts: Averesch, Heßling, Meyer-Suhrheinrich (um 1950; historische Postkarte Sammlung Stoffers (Münsterländische Bank - Stadtarchiv 0104)

Es geht aufwärts

Auch auf der Bahnhofstraße (heute: Marktallee) gab es zunächst wenig Bewegung. Auf der Nordseite der Bahnhofstraße zeigt die Postkarte um 1950 ganz links Haus Nr. 27 (Vielmeyer). Nr. 31/33 dahinter (Beitelhoff) ist mit einigen Umbauten und wechselnden Nutzungen (Installateur, Haushaltswaren, Eisdiele Martini) bis 2026 erhalten. Im nächsten Haus Nr. 35 gibt es 1950 den Laden der Lebensmittelkette „Hill“, dahinter die Drogerie Säger (1971 bis 2024: Rosenapotheke). Erst wenige Jahre später entsteht gegenüber mit Nr. 38-40 ein Neubau mit größerer Ladenfläche für Hill (2025: Drogeriemarkt dm). Das kleine Haus am rechten Bildrand mit der Hausnummer 34 gehört Heinrich Averesch, Schuh- und Kolonialwaren, dahinter (Nr. 36) hat Friseur Heßling sein Ladenlokal (2022 abgebrochen, bis Ende 2025 nicht wieder bebaut); dahinter steht mit einigem Abstand das Wohnhaus des Betonsteinunternehmers Meyer-Suhrheinrich (Nr. 42). ….

Hiltrup-Ost: Ringstraße / St. Marien / Marienschule / Prinzbrücke / Bahnhof (1957; historische Postkarte  Sammlung Stoffers (Münsterländische Bank - Stadtarchiv) 0114)
Hiltrup-Ost: Ringstraße / St. Marien / Marienschule / Prinzbrücke / Bahnhof (1957; historische Postkarte Sammlung Stoffers (Münsterländische Bank - Stadtarchiv) 0114)

Hiltrup wächst schnell

Neue Baugebiete entstanden an der Ringstraße, Amelsbürener Straße und Lange Straße. In Hiltrup-Ost wurde 1955/1956 die Marienschule gebaut.

Für eine neue Kirchengemeinde in Hiltrup-Ost (ab 1958; 2012 zusammengelegt mit St. Sebastian Amelsbüren und St. Clemens Hiltrup) wurde 1955/1956 die Marienkirche gebaut. Dafür hatten Glasurit 75.000 DM und das Schenckingsche Kalksandsteinwerk 50.000 Steine gespendet, das Hiltruper Röhrenwerk schenkte die Dachkonstruktion im Wert von 18.252 DM (Westfälische Nachrichten, Bericht über die Grundsteinlegung vom 28.7.1955). Der Hiltruper Rat bewilligte 6000DM Zuschuss für die neue Turmuhr von St. Marien, das Zifferblatt fertigte der Hiltruper Kunstschmied Kleine-Wilke an. ….