Eintrittsjahre der Hiltruper NSDAP-Mitglieder, soweit bekannt (Grafik: Henning Klare, 6.10.2024)
Krieg, Verfolgung, Ausbeutung
In die Zeit um 1937/1938 fallen die meisten Parteieintritte in die NSDAP. Nicht vollständig zuverlässige Unterlagen, die ohne Datierung nach dem 2. Weltkrieg erstellt worden sind, weisen für Anfang 1945 543 Personen in Hiltrup als Mitglieder der NSDAP aus. 20 Personen sind als „verstorben“ gekennzeichnet; sie sind in der Auswertung zunächst mit berücksichtigt, da das Todesdatum in den Unterlagen nicht angegeben ist, also auch nach 1945 liegen könnte. Für 430 Parteimitglieder ist ein Eintritt zwischen 1930 und 1945 angegeben. Zwei weitere Personen sind als Inhaber des goldenen Parteiabzeichens aufgeführt, d.h. sie sind höchstwahrscheinlich vor 1929 in die NSDAP eingetreten. Der „harte Kern“ der bis 1933 Eingetretenen umfasst damit – soweit bekannt – 68 Personen. ….
Lageplan des Lagers "Waldfrieden" in Hiltrup am Kanal / Osttor (26.8.1941, mit Baracken, noch ohne Bunker)
In Erinnerung an das Ostarbeiterlager “Waldfrieden”
Die Führer des Nationalsozialismus speisten ihre Ideologie der Unmenschlichkeit aus dem Antisemitismus mit seinen Vorbildern seit dem Mittelalter, dem Rassismus, der in der Zeit der weißen Kolonialarroganz aufblühte, und dem Sozialdarwinismus, der die Auslese nach dem Prinzip des Stärkeren vollzog. Die Nazi-Rassenlehre erklärte alle Blonden ….
Am 30. September 1944 fand einer der zwölf großen Bombenangriffe auf Hiltrup statt. Betroffen war damals vor allem die „Alte Stiege“, heute „An der alten Kirche“. Mehrere Höfe standen in Flammen. Else Kreft geb. Langenkamp erinnert sich genau daran, wie sie damals, am Tag vor dem Erntedankfest, als siebenjähriges Mädchen die Zerstörung ihres Elternhauses und der anderen Gebäude erlebte: ….
Zwei Häftlinge der Organisation Todt in Hiltrup 1944/1945
Jakob Giesbert Treur aus Rotterdam (Foto um 1950; Hiltruper Museum, Bearbeitung: Henning Klare)
Jakob Giesbert (genannt Geis) Treur (*1926) und Jan Borsten (*1922) wurden am 10. November 1944 bei einer Razzia in der Stadt Rotterdam durch die SS von der Straße weg abgeführt. Sie trugen nichts bei sich außer einem Ausweis in der Hosentasche.
Gemeinsam mit 30.000 weiteren Männern im Alter von 17-40 Jahren mussten sie in ein Camp marschieren, bewacht von bewaffneten SS-Leuten, die rücksichtslos schossen, wenn jemand es wagte zu fliehen. Die Eltern erhielten keine Nachricht, wo die jungen Zwangsinternierten waren. Erst im Dezember durften sie mit der Bitte um Kleidung Nachricht nach zu Hause geben.
"Auf Befehl der Deutschen Wehrmacht müssen sich alle Männer im Alter zwischen 17 und 40 Jahren für den Arbeitseinsatz anmelden." (Aushang in Rotterdam am 9./10.11.1944)
1945: Niederländische Zwangsarbeiter in Hiltrup
Im II. Weltkrieg waren viele deutsche Männer als Soldaten eingezogen und fehlten zu Hause als Arbeitskräfte. Diese Lücken waren durch Werbeaktionen und Zwangsverpflichtungen in den Nachbarländern nicht auszugleichen. ….
Die Prinzbrücke in Hiltrup Mai 1945 (links neben der Brücke der Unterstand des Fährmanns für die provisorische Fähre über den Kanal; Foto: Hiltruper Museum)
In der Schlußphase des Zweiten Weltkrieges waren unaufhörlich Bomber und Jäger an Hiltrups Himmel dahingezogen. An einem Sonntag im Mai fielen verschiedene Sprengbomben. Einige Häuser erlitten Totalschaden. Bei einem Volltreffer auf das Buermannsche Haus, ….
little more than a heap of rubble, kaum mehr als ein Haufen Geröll: amerikanische und englische Soldaten Anfang April 1945 auf Münsters Prinzipalmarkt
Die britische Militärregierung stand vor dem Problem, „ein einfaches und ordentliches Leben“ für die Deutschen zu gewährleisten, wie Oberbefehlshaber Montgomery seine Aufgabe in einer Proklamation vom 30.5.1945 bezeichnete. Dazu mussten die Reste der deutschen Verwaltungen reaktiviert werden. In Münster ernannte die Militärregierung am 14.4.1945 den 74jährigen Justizrat Fritz Carl Peus zum kommissarischen Oberbürgermeister. Ende 1945 gründeten sich demokratische Parteien, ….
Mein Großvater arbeitete sich vom Bauern bis zum Oberbahnsekretär bei der Reichsbahn empor, der Vater wurde ein Lastwagenhändler in Münster. Meine Mutter war als Sekretärin eines Medizinprofessors an der Universitätsklinik beschäftigt. Geboren bin ich 1927 in Billerbeck, Kreis Coesfeld („Perle der Baumberge“). Hier bin ich auf den Namen Hannelore getauft. Der Pfarrer wollte mich erst nicht auf diesen Namen taufen; meine Großmutter hat ihm dann gedroht, dass sie sonst nach Münster gehen würde. Fünf Jahre Volksschule, dann sechs Jahre an der Fürstin Gallitzin – Mädchenmittelschule in Münster, ein Jahr höhere Töchterschule in Burgsteinfurt.
Die Schellers gehörten zu den ganz alten hier eingesessenen Familien. Die Gastwirtschaft Scheller war 1860 ….
Siedlerhäuser für Arbeiter: Wie konnten sich einfache Arbeiter nach dem II. Weltkrieg ein eigenes Haus leisten?
Hier das Beispiel eines Siedlungshauses an der Ringstraße, gebaut 1950 mit Unterstützung durch öffentliche Mittel und durch den Arbeitgeber Hiltruper Röhrenwerk GmbH: ….