Rad-Reisen: Imperia bis Krötenbrunnen VII

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Breisgau, Blick auf den Kaiserstuhl (9.7.2019; Foto: Meyerbröker)
Breisgau, Blick auf den Kaiserstuhl (9.7.2019; Foto: Meyerbröker)

Von Staufen bis Eguisheim

(Fortsetzung von Freiburg)

Von Staufen geht es heute herüber ins Elsass, und den beiden Radwanderern ist klar: Die ersten Kilometer in Richtung Breisach werden nicht besonders schön sein. Das fängt an mit der Baustelle in Staufen, danach verliert sich auf den Wirtschaftswegen die Wegweisung nach Bad Krozingen, und hinter Krozingen ist intensive Kartenarbeit angesagt. Eigentlich eine ganz einfache Sache, die Landschaft ist übersichtlich (um es freundlich auszudrücken), über die Maisfelder hinweg geht der Blick zum Kaiserstuhl. Aber die Radwegweisung der Straßenbaubehörde ist nicht für Wanderer gedacht, die eine Strecke abseits der Autos suchen; man muss sich hüten, ihr zu folgen, sie will Radfahrer erbarmungslos auf den Radweg neben der stark befahrenen B31 lenken. Endlich ist Grezhausen erreicht, der Feldweg begleitet den Grünzug der Möhlin zum Breisacher Wald.

Kiesabbau bei Breisach (9.7.2019; Foto: Meyerbröker)

Kiesabbau bei Breisach (9.7.2019; Foto: Meyerbröker)

Direkt am Wald wird der Kies abgebaut, den der Rhein hier vor langer Zeit abgelagert hat; ein merkwürdiger Kontrast, rechts des Weges eine Mondlandschaft mit Gerüsten, Förderbändern und LKW-Verkehr, auf der anderen Seite geschützte Natur.

Im Breisacher Wald (9.7.2019; Foto: Klare)

Im Breisacher Wald (9.7.2019; Foto: Klare)

Der gut fahrbare Sandweg quert einen Wasserlauf, hier ist es sehr still und angenehm zu fahren.

Weg nach Breisach (9.7.2019; Foto: Klare)

Weg nach Breisach (9.7.2019; Foto: Klare)

Kurz vor Breisach stoßen die Wanderer auf den Deich des Altrheins. An dieser Stelle ist der Rhein kein beeindruckend breiter Strom, er muss sich als Altrhein mit geringen Wassermengen begnügen; der größte Teil des Wasser fließt durch den auf französischer Seite parallel verlaufenden Grand Canal d’Alsace mit seinen Wasserkraftwerken. Erst hinter Breisach mündet der Kanal wieder in den Fluss.

Am Rhein vor Breisach (9.7.2019; Foto: Klare)

Am Rhein vor Breisach (9.7.2019; Foto: Klare)

Breisach ist im II. Weltkrieg stark zerstört worden und den Wanderern von früheren Besuchen her als wenig anziehender Ort in Erinnerung. In diesem Jahr findet sich an einem Platz mit einem Wasserspiel ein Café für die fällige Pause, der ganze Ortskern wird gerade umgekrempelt und neu gestaltet.

Stephansmünster Breisach (9.7.2019; Foto: Meyerbröker)

Stephansmünster Breisach (9.7.2019; Foto: Meyerbröker)

Die Sehenwürdigkeit ist das Stephansmünster auf einem Hügel über der Stadt. Die Palme vor dieser Kulisse erinnert daran, dass hier ein besonders mildes Klima ist.

Breisach, Münsterbergstraße (9.7.2019; Foto: Meyerbröker)

Breisach, Münsterbergstraße (9.7.2019; Foto: Meyerbröker)

Steil geht die schmale Straße hinauf zum Münster.

Blick auf Breisach und Schwarzwald (9.7.2019; Foto: Klare)

Blick auf Breisach und Schwarzwald (9.7.2019; Foto: Klare)

Dreht man sich um, liegt der Schwarzwald im Hintergrund.

Stephansmünster Breisach (9.7.2019; Foto: Meyerbröker)

Stephansmünster Breisach (9.7.2019; Foto: Meyerbröker)

Der Besuch des Münsters aus dem 12. Jahrhundert ist natürlich Pflichtprogramm. Der kunstvolle Lettner aus Sandstein verdeckt zunächst den geschnitzten Hochaltar aus dem 16. Jahrhundert.

Blick über den Rhein zu den Vogesen (9.7.2019; Foto: Klare)

Blick über den Rhein zu den Vogesen (9.7.2019; Foto: Klare)

Vom Münsterberg geht der Blick über den Rhein und weite ebene Felder zu den Vogesen.

Neuf-Brisach, Stadtplan (9.7.2019; Foto: Meyerbröker)

Neuf-Brisach, Stadtplan (9.7.2019; Foto: Meyerbröker)

Nur ein kurzes Stück ist es über den Rhein bis Neuf-Brisach. Der Stadtplan am Straßenrand gibt einen Überblick: Der Ort ist eine einzige, inzwischen bedeutungslos gewordene Festungsanlage.

Neuf-Brisach: Festungskunst (9.7.2019; Foto: Klare)

Neuf-Brisach: Festungskunst (9.7.2019; Foto: Klare)

Was macht man heute mit Wällen, Gräben und Kasematten? Eine kleine Brücke führt über den Graben, und man entdeckt eine merkwürdige Skulptur: Pfähle, gestaffelt in den Boden gerammt, daneben eine Spirale aus Blühpflanzen im Rasen.

Neuf-Brisach: Festungskunst (9.7.2019; Foto: Meyerbröker)

Neuf-Brisach: Festungskunst (9.7.2019; Foto: Meyerbröker)

Das kann nur Kunst sein, und ein großes Schild bestätigt das hinter dem Riesen-Eisbären, der vor lauter Hitze das Maul aufreißt. TOUR DES BEAUX ARTS ist nicht zu übersehen.

Neuf-Brisach: Festungskunst (9.7.2019; Foto: Klare)

Neuf-Brisach: Festungskunst (9.7.2019; Foto: Klare)

So schauen die Wanderer mit geschärften Sinnen über das Brückengeländer, und natürlich, auch hier ist neben den Blümchen Kunst zu sehen, zwei bunt angemalte Pinne stecken wie Spargel im Gras.

Kunst und Kameras (Neuf-Brisach, 9.7.2019; Foto: Meyerbröker)

Kunst und Kameras (Neuf-Brisach, 9.7.2019; Foto: Meyerbröker)

Wo Kunst ist, sind auch Vandalen, mag sich die Verwaltung von Neuf-Brisach gedacht haben, der nächste Laternenmast ist gespickt mit Überwachungskameras.

Wolfgantzen (9.7.2019; Foto: Meyerbröker)

Wolfgantzen (9.7.2019; Foto: Meyerbröker)

Kleine Örtchen liegen in der Ebene, die sich nach Westen anschließt.

Begleiter am Wegesrand: Die Ackerwinde (9.7.2019; Foto: Klare)

Begleiter am Wegesrand: Die Ackerwinde (9.7.2019; Foto: Klare)

Unscheinbar am Straßenrand begleitet die Ackerwinde.

Kastenwald (9.7.2019; Foto: Klare)

Kastenwald (9.7.2019; Foto: Klare)

Schmale Sträßchen fast ohne Verkehr erwarten die Radwanderer im Wechsel von Wald und offener Agrarlandschaft. Für Radtouristen ist das hier weit freundlicher als die öde Strecke durch den Breisgau.

Nach Westen! (vor Appenwihr, 9.7.2019; Foto: Klare)

Nach Westen! (vor Appenwihr, 9.7.2019; Foto: Klare)

Immer die Vogesen vor Augen geht es weiter.

Appenwihr (9.7.2019; Foto: Meyerbröker)

Appenwihr (9.7.2019; Foto: Meyerbröker)

Völlig unromantisch wird hier Mais produziert, die reifen Maiskolben werden in einem schier endlosen Gitter-Behälter gestapelt.

Mais-Mauer (9.7.2019; Foto: Meyerbröker)

Mais-Mauer (9.7.2019; Foto: Meyerbröker)

Der Bois de Colmar liegt vor den Wanderern.

Bois de Colmar voraus (9.7.2019; Foto: Meyerbröker)

Bois de Colmar voraus (9.7.2019; Foto: Meyerbröker)

In diesem Wald stoßen die Wanderer am Südrand von Colmar auf den Autobahnzubringer. Sie wollen nicht nach Colmar, Übernachtungsziel ist das malerische Eguisheim südlich von Colmar, und folgen Nebenwegen in westlicher Richtung.

Wanderer nach Eguisheim (9.7.2019; Foto: Meyerbröker)

Wanderer nach Eguisheim (9.7.2019; Foto: Meyerbröker)

Eguisheim ist verbarrikadiert hinter einer Autostraße und fordert einen Umweg über Wettolsheim. Am Ortsrand von Eguisheim werden den staunenden Besuchern Wunder offeriert, die bronzene Figur über den drei Stelen scheint nicht nur über Wasser, sondern sogar über Luft zu wandeln.

Eguisheim: Ferme du Pape (9.7.2019; Foto: Meyerbröker)

Eguisheim: Ferme du Pape (9.7.2019; Foto: Meyerbröker)

In der Ferme du Pape in Eguisheim ist ein schlichtes Zimmer reserviert (Doppelzimmer mit Frühstück 102,20 Euro), nach 64 Kilometern Fahrstrecke durch die Hitze ist eine Erfrischung nötig vor der Ortsbesichtigung.

Ansicht von Eguisheim (9.7.2019; Foto: Meyerbröker)

Ansicht von Eguisheim (9.7.2019; Foto: Meyerbröker)

Anstelle eines Stadtplans gibt es eine Luftaufnahme von Eguisheim, die die Grundstruktur des Ortes zeigt: In der Mitte das Schloss, außen rund herum ein Ring von zwei annähernd kreisförmigen schmalen Gassen mit drei Zeilen von Häusern. Die frühere Stadtmauer ist nicht mehr erhalten.

Gasse in Eguisheim (9.7.2019; Foto: Klare)

Gasse in Eguisheim (9.7.2019; Foto: Klare)

Schmal sind diese Gassen zwischen den hübschen Fachwerkhäusern, und wo sich zwei Gassen vereinigen, muss sich das Haus dazwischen schon mal dünne machen.

Gasse in Eguisheim (9.7.2019; Foto: Klare)

Gasse in Eguisheim (9.7.2019; Foto: Klare)

Eguisheim, Grand Rue (9.7.2019; Foto: Klare)

Eguisheim, Grand Rue (9.7.2019; Foto: Klare)

Tore mit steinernen Bögen öffnen sich zu den Straßen. Hier wohnen nicht Acker-, sondern Weinbürger, hinter den Toren liegen die Arbeitshöfe der Winzer. 33 Eguisheimer Winzer zählt eine Schautafel auf.

25, Grand-Rue, Eguisheim (Domaine Gruss, 9.7.2019; Foto: Klare)

25, Grand-Rue, Eguisheim (Domaine Gruss, 9.7.2019; Foto: Klare)

Sorgfältig gepflegt und farbig abgesetzt fordern die Tore zum Eintreten auf, zur Weinprobe und zum Kauf.

Vins d'Alsace Paul Schneider (Eguisheim, 9.7.2019; Foto: Meyerbröker)

Vins d’Alsace Paul Schneider (Eguisheim, 9.7.2019; Foto: Meyerbröker)

Hebt man den Blick, fallen allerlei Spitzen und Türmchen ins Auge.

Spitzentreffen (Eguisheim, 9.7.2019; Foto: Meyerbröker)

Spitzentreffen (Eguisheim, 9.7.2019; Foto: Meyerbröker)

So spitz ragen sie in den Himmel, dass man sich fragt, welche Funktion sie haben. Geht es wie bei den Horreos in Spanien auch im Elsass darum, die bösen Geister abzuwehren, die Geister zu hindern sich aufs Dach zu setzen?

Störche, überall Störche (Eguisheim, 9.7.2019; Foto: Meyerbröker)

Störche, überall Störche (Eguisheim, 9.7.2019; Foto: Meyerbröker)

Wo es nicht ganz so spitz ist, nisten die Störche. Nicht einer oder zwei, sondern viele!

Schloss Eguisheim (9.7.2019; Foto: Meyerbröker)

Schloss Eguisheim (9.7.2019; Foto: Meyerbröker)

Sie haben ihre Nester auch auf dem Schloss und der Kapelle, die dem angeblich aus Eguisheim stammenden Papst Leo IX. gewidmet ist.

Schild-Storch (Eguisheim, 9.7.2019; Foto: Klare)

Schild-Storch (Eguisheim, 9.7.2019; Foto: Klare)

Nicht nur auf den Dächern finden sich die Störche, sondern auch auf dem Wirtshausschild.

Auberge du Rempart (Eguisheim, 9.7.2019; Foto: Meyerbröker)

Auberge du Rempart (Eguisheim, 9.7.2019; Foto: Meyerbröker)

Wie es sich für einen Ort gehört, der vom Tourismus lebt, blühen überall Blumen, an den Häusern und an den Brunnen.

Place du Château (Eguisheim, 9.7.2019; Foto: Klare)

Place du Château (Eguisheim, 9.7.2019; Foto: Klare)

So bummeln die beiden Radwanderer durch den Ort, genießen die Sonne und freuen sich, dass Eguisheim zwar touristisch, aber nicht völlig überrannt ist.

Vins fins d'Alsace Jos. Freudenreich (Eguisheim, 9.7.2019; Foto: Meyerbröker)

Vins fins d’Alsace Jos. Freudenreich (Eguisheim, 9.7.2019; Foto: Meyerbröker)

Einzelne Höfe sind zu entdecken, daneben das eine oder andere Detail an den Häusern.

Trockenfrüchte (Eguisheim, 9.7.2019; Foto: Klare)

Trockenfrüchte (Eguisheim, 9.7.2019; Foto: Klare)

Erbaut 1624 (Eguisheim, 9.7.2019; Foto: Klare)

Erbaut 1624 (Eguisheim, 9.7.2019; Foto: Klare)

Mit vielen Eindrücken kehren die Wanderer zum Essen in die Ferme du Pape zurück: Nach durchwachsenem Start ein runder Tag!

Die vorhergehende Etappe dieses Reiseberichts aus dem Jahr 2019 finden Sie hier: Freiburg.

Fortsetzung – 8. Tag: Von Eguisheim bis Itterswiller.

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