Mal wieder die gute Sache

Flugblatt der Good Hood GmbH, Ausschnitt (Mai 2021)
Flugblatt der Good Hood GmbH, Ausschnitt (Mai 2021)

nebenan.de: Neuer Anlauf in Hiltrup

„Hallo liebe Nachbarn in Hiltrup“ steht in Großbuchstaben auf dem Recycling-Zettel im Briefkasten. Hallo liebe Nachbarn mit Bohrmaschine und Gebrauchtrad, dazu ein höchst öffentlicher angeblich geheimer Zugangscode, hatten wir das nicht schon mal? Stephan und Alexandra aus der Bodelschwinghstraße waren das beim letzten Mal im Herbst 2016, und im Februar 2018 waren es Sabine aus der Hohen Geest und Monika aus dem Lechtenbergweg.

In Hiltrups Mitte muss das 2016 nicht so recht geklappt haben, darum jetzt ein neuer Anlauf? 2016 stand noch auf dem Flugblatt „Stephan und Alexandra haben diese Nachbarschaft auf nebenan.de gestartet und die Verteilung dieser Einladung angestoßen“ – 2021 freut sich „Eure Nachbarin Stephie aus der Hülsebrockstraße“ aufs Kennenlernen, aber sie hat angeblich nichts mehr angestoßen – wenn es sie überhaupt gibt. Stattdessen erscheint im Kleingedruckten nur noch der Hinweis „nebenan.de ist eine kostenlose Online-Plattform zum nachbarschaftlichen Austausch und wird von dem Sozialunternehmen Good Hood GmbH, Köpenicker Straße 154, 10997 Berlin betrieben….“.

Hier stolpert der unbefangene Leser. Sozialunternehmen, das Wort wirkt wie die Leimrute auf die Fliegen, süß und klebrig. Sozial – das ist doch so was wie Caritas und Diakonie, oder doch eher wie CSU? Sozial ist, wenn sich mehrere zusammentun, mehr nicht, und die „GmbH“ übersetzen Juristen gern mit „Gesellschaft mit bedenklichem Hintergrund“ oder „Gesellschaft mit beschränkter Hochachtung“. Gemeinnützig ist die Good Hood GmbH jedenfalls nicht, denn dann würde sie sich „gGmbH“ nennen, „Gemeinnützige GmbH“. Die Wortspielerei mit dem „Sozialunternehmen“ riecht eher nach Etikettenschwindel, Bauernfängerei: Eine GmbH wie die Good Hood gründen Investoren mit viel Geld, um noch mehr Geld zu verdienen.

In der Vergangenheit hat es schon genug Kritik am Auftreten von nebenan.de gegeben. 2017 zitierte die Hannoversche Allgemeine Zeitung einen der Macher von nebenan.de: „Die geplante Werbung auf nebenan.de diene nicht nur der Finanzierung des Unternehmens. „Das bedeutet auch eine Stärkung der kleinen Gewerbetreibenden in den Stadtteilen“, sagt er. Burda habe lediglich eine Minderheitsbeteiligung“.

Es geht also – wie fast immer im Internet – um Werbung. Wer sich bei nebenan.de anmeldet, soll Werbung bekommen. Und wenn der Verleger Burda im Jahr 2020 für einiges Geld die Mehrheit an der Good Hood GmbH gekauft hat, dann kann das natürlich reine Menschenfreundlichkeit sein. Die berühmte Tüte Mehl für alle Nachbarn in ganz Europa.