Wohin will die WN? II

| 0 Kommentare

Im Zickzack am Rand

Die Westfälischen Nachrichten aus Münster driften weiter nach rechts. Die Redaktion wird schleichend verkleinert, und die Lücken werden gefüllt mit dem Nachdruck umfangreicher Artikel der NZZ Deutschland. Die NZZ Deutschland – ein Ableger der ehemals seriösen Neuen Züricher Zeitung – geriert sich als Medienplattform der Rechtsradikalen in Deutschland. Es ist zu vermuten, dass die WN nichts bezahlen muss für die Erlaubnis, diese rechtsradikale Propaganda nachzudrucken: Das ist kostenlose Vergrößerung der Reichweite.

Ausgerechnet in der Weihnachtsausgabe 2025 druckt die WN wieder rechtsradikale Propaganda. Zwei Drittel von Seite 6 füllt ein NZZ-Nachdruck mit dem Titel „Die Rechte erlebt in Chile eine Renaissance“, in der Unter-Überschrift heißt es „José Antonio Kast hat Bewunderung für Pinochet geäußert – nun hat er die Stichwahl um das Präsidentenamt gewonnen“.

Im Artikel heißt es dann, dieser Kast verteidige Pinochets Vermächtnis.

Pinochets Vermächtnis? Die Redewendung vom „Vermächtnis, das verteidigt wird“ hat eine außerordentlich positive Bedeutung. Wer ein Vermächtnis verteidigt, der verteidigt einen hohen Wert. Aber wie steht es denn mit Pinochet? Man erinnert sich: Eine Million Flüchtlinge aus Chile wurden damals unter anderem in Deutschland aufgenommen. Warum flohen sie? Weil ein Diktator namens Pinochet tausende Menschen in Chile ermordete oder in Konzentrationslagern und Geheimgefängnissen folterte. Pinochet bereicherte sich, und nur wegen angeblich schlechter Gesundheit musste er nicht ins Gefängnis. Aber die NZZ rühmt die liberalen Wirtschaftsreformen Pinochets. Es ist das üble Vermächtnis eines Verbrechers.

Was ist das für eine Familie, die dies „Vermächtnis“ verteidigt? „Familie mit deutschen Wurzeln“ ist der kleine Text im Text überschrieben. Der Großvater, Wehrmachtsoffizier und Nazi, sei nach Chile ausgewandert – es gab viele, die nach Kriegsende Strafverfolgung fürchten mussten und nach Südamerika flohen. Eine „einflussreiche Familie“ schreibt die NZZ, einer sei zum Beispiel Handlanger Pinochets gewesen als Minister und Zentralbankchef.

Was schreibt die NZZ (und die WN) sonst noch? „Anders als die Radiomoderatoren und Journalisten ist er nicht verschlafen“, schreibt die NZZ lobhudelnd über Kast – und schmäht damit die Medien. Der Sinn ist eindeutig: Journalisten sind ein faules Pack. Die NZZ spielt das Spiel, das Trump in den USA und die AfD in Deutschland spielen. Als ob der freie Journalist Busch, der diesen Artikel für NZZ / WN geschrieben hat, nicht genauso Mitglied dieser Berufsgruppe wäre.

Der Artikel ist ein Gemenge von Banalem, aufgeblasen zu einem langen Text. Darin sind die Ungeheuerlichkeiten verpackt.

Seriöse Verpackung dieses Hetz-Artikels muss dann ausgerechnet der Papst liefern. Der Artikel „Papst mahnt zu Frieden und Versöhnung“ füllt den Rest der WN-Zeitungsseite.

Welch merkwürdiger Kontrast. Auf Seite 2, viel prominenter als der Appell des Papstes, steht der Aufruf zum Kreuzzug. Trump in den USA hat die Religion als Machtmittel entdeckt. Unter dem Vorwand der Christenverfolgung setzt er das US-Militär in Nigeria ein. Nigeria hat Öl – Kreuzzüge waren schon vor 1000 Jahren strategisch, religiös und wirtschaftlich motivierte Kriege. Und die WN titelt „US-Schlag gegen Christenverfolger“.

Muss man die Verleger der WN, die Familie Hüffer, langsam an die moralischen Grundlagen unseres Staates erinnern?

Kommentare

Keine Kommentare

Kommentare

Geben Sie Ihren Kommentar hier ein. * Eingabe erforderlich. Sie müssen die Vorschau vor dem Absenden ansehen.