Trau keinem fremden Onkel?

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"Onkel Alex" an der Hiltruper Marktallee (3.8.2019; Foto: Klare)
"Onkel Alex" an der Hiltruper Marktallee (3.8.2019; Foto: Klare)

Fast eineinhalb Jahre ist es her, da wurde den Hiltrupern ein neues Ladenkonzept auf der Marktallee angekündigt. „Optimale Versorgung der Bewohner“ wurde versprochen, alten- und behindertengerecht sollte die Einrichtung sein, und in der Atmosphäre der „guten alten Zeit” sollten auch ältere Menschen bequem ihre Besorgungen machen können. Ein Integrationsbetrieb der Alexianer, so wurde er „Onkel Alex“ getauft.

2019 eröffnet: Der "Lebensmittelpunkt" an der Marktallee (3.8.2019; Foto: Klare)

2019 eröffnet: Der „Lebensmittelpunkt“ an der Marktallee (3.8.2019; Foto: Klare)

Dann passierte erst einmal nichts. Die Schaufenster des früher von Ernsting’s genutzten Ladenlokals an der Marktallee 41 blieben zugeklebt, und die einzige Veränderung war die gelegentliche Verschiebung von Leiter und Kabelrolle hinter der Ladentür. Spät im folgenden Jahr 2019 waren dann Ladenbauer zu beobachten, und das gab neue Rätsel auf. Denn wer einen Nachbarschafts- oder Tante-Emma-Laden zur optimalen Versorgung der Hiltruper im Kopf hatte, fragte sich: Die paar Regale, das soll eine Nahbereichsversorgung werden? Da passt ja kaum was rein! Dafür sind die wenigen Regale und Tresen umso gediegener, und die Sitzecke mit Polstermöbeln im Schaufenster spricht inzwischen eine ganz andere Sprache. So schaut man mit einem Schmunzeln über die kleine Mogelei im Ladenschild („seit 2018“) hinweg und ist gespannt, wie sich dieser neue „Lebensmittelpunkt“ entwickeln wird. (Mittelpunkte sind übrigens Solitäre, Termin-Aushänge anderer Hiltruper Initiativen dürfen hier nicht ins Schaufenster.)

Aber wie ist es nun mit den Produkten, die Onkel Alex feil hält? „Onkel Alex“ hat so etwas Verwandtschaftliches, Harmonisches, Vertrauenswürdiges im Namen, darauf wird man sich doch unbesehen einlassen können. Meint man und nimmt den Bio-Fruchtaufstrich Erdbeer-Rhabarber in die Hand. Appetitlich ist das Glas aufgemacht, liegt schwer und ansprechend in der Hand, nur der Deckel ist kleiner als bei der ordinären Aldi-Marmelade.

Dicker Rand und hohler Boden (3.8.2019; Foto: Klare)

Dicker Rand und hohler Boden (3.8.2019; Foto: Klare)

Und mit diesem ersten Zugriff kommen auch die ersten Zweifel. Nanu, der Boden dieses voluminösen Glases ist nicht eben! Komisch, wo andere Marmelade – pardon: Fruchtaufstrich – unterwärts glatt und füllig daher kommt, hat Alex nur Luft! Dreht man das Glas um und schaut das näher an, glaubt man, eine Verpackung der Kosmetikindustrie in der Hand zu haben, Sie wissen schon: 30 Milliliter Gesichtscreme in einer Verpackung mit der Größe einer Margarineschachtel.

Zweieinhalb Zentimeter Luft im Boden (3.8.2019; Foto: Klare)

Zweieinhalb Zentimeter Luft im Boden (3.8.2019; Foto: Klare)

Onkelchens Glas hat unterwärts 2,5 Zentimeter Luft, und das Glas ist so dick, dass man es gar nicht glauben kann.

Auf der Küchenwaage: 210 Gramm Inhalt und mehr als 300 Gramm Verpackung (3.8.2019; Foto: Klare)

Immerhin steht eine Gewichtsangabe auf dem Etikett, das kann man nachwiegen, ab auf die Küchenwaage! Die ist nicht geeicht, und ein Löffelchen Marmelade – pardon: Fruchtaufstrich – ist schon gegessen, aber eins wird doch deutlich: Allein das dicke Glas wiegt deutlich mehr als der Inhalt.

Nicht jedem fremden Onkel sollte man unbesehen trauen, so ist es dann wohl auch beim Onkel Alex. Dies Glas gehört eigentlich in die Rubrik „Kunstgewerbe aus Industrieglas“, den Frucht-Inhalt muss man notgedrungen in Kauf nehmen. Man muss sich das überlegen; will man eine mäßig schöne Glasskulptur kaufen und zu Hause im Wohnzimmerschrank einstauben lassen; oder will man für einen guten Zweck teuren Fruchtaufstrich kaufen und unverhältnismäßigen Verpackungsmüll in Kauf nehmen?

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