Mercedes zum Wegwerfen

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Euro 5-Diesel: Daimler stellt sich tot

Was macht man nun damit? Vor der Tür steht ein Diesel, grüne Plakette, Euro 5. In Münster droht kein Fahrverbot, aber regelmäßige Fahrziele liegen in Städten, die spätestens im Herbst nächsten Jahres diese Diesel aussperren. Auch die A 40 durch Essen ist betroffen. Also Fahrverbote vor der Haustür.

Jetzt noch schnell den relativ jungen Diesel verkaufen und dafür einen neuen? Wirtschaftlich wäre das völliger Unsinn. Gerade Dieselfahrzeuge sind langlebig, bei dem Auto sind noch mindestens 15 Jahre Gebrauchsfähigkeit ohne größere Probleme drin. Ein Verkauf würde eine extreme Ressourcenverschwendung bedeuten, und dazu einen gewaltigen wirtschaftlichen Verlust: Die Preise für gebrauchte Diesel sind im Keller, die Listenpreise der Hersteller nicht. Den Schaden trägt der Kunde.

Was machen die Minister, die für diese Probleme zuständig sind? Von Gipfel zu Gipfel wandert der Bundesverkehrsminister von der CSU, und genau wie sein Vorgänger verteilt er beschwichtigende Sprüche. Wenn es für sein Ansehen bei den Wählern nötig ist, schimpft er auch mal öffentlich auf die Autoindustrie, aber mehr als Reden ist wohl nicht drin. Denn in der Sache fungiert der Bundesverkehrsminister als Auto-Verkäufer. Wir sollen neue Autos kaufen. Die technisch mögliche Umrüstung der jungen Gebrauchten blockiert der Minister: Er müsste den rechtlichen Rahmen schaffen, damit endlich mit der Nachrüstung begonnen werden kann – aber der Bundesverkehrsminister blockiert das. Und verhöhnt die betroffenen Autofahrer: Die dafür erforderlichen Regelsetzungen und Zulassungsverfahren dauerten viel zu lange, sagt dasselbe Ministerium, das sich mehrere Jahre nicht darum gekümmert hat.

Muss das schöne Auto also demnächst nutzlos vor der Tür stehen, statt seinen Besitzer überall hin zu bringen? Könnte nicht, wenn man den Minister schon als Totalausfall abhaken muss, der Hersteller des Autos irgendeine wirtschaftlich vernünftige Lösung schaffen? Die großen und angeblich Premium-Hersteller (auf dies Etikett legen die deutschen Hersteller doch größten Wert) haben auf allerlei Gipfeln immer wieder Hilfen für die betroffenen Autobesitzer versprochen!

Also schreibt man Anfang Oktober 2018 erst einmal seine Vertragswerkstatt an, schließlich sind die Leute doch die Vertreter des Herstellers vor Ort: „Sehr geehrter Herr …, auf der Grundlage der aktuellen Berichterstattung möchte ich auf unseren Kontakt zurückkommen. Für den Fall, dass Münster in das angekündigte Prämien-/Rabattprogramm fällt (Entfernung von Bochum unter 60 Kilometer Luftlinie), bin ich sofort ernsthaft interessiert, mein Fahrzeug … in Zahlung zu geben und einen jungen Gebrauchten mit Euro 6d-Einstufung zu kaufen. … Sobald die Details der Eintauschaktion feststehen, sollten wir in den nächsten Tagen Verbindung aufnehmen. Sie erreichen mich entweder per Email oder telefonisch unter …. Mit freundlichen Grüßen.“

Darauf bekommt man keine Antwort. Die Händler stehen vermutlich genauso im Regen wie ihre Kunden.

Also schreibt man an den Hersteller, am besten an den Vorstandsvorsitzenden: „Sehr geehrter Herr Dr. Zetsche, als Eigentümer eines PKW mit Dieselmotor der Schadstoffklasse EU 5 aus Ihrem Hause … werden mir die angekündigten Fahrverbote die Zufahrt in eine Reihe von Städten bzw. Regionen unmöglich machen. Ich stehe daher vor der Frage, ob und wie ich dies Fahrzeug in Zukunft noch nutzen kann. Aus den Medien war vor einem Monat zu entnehmen, dass Mercedes Dieselmotoren der Schadstoffklasse EU 5 mit einem SCR-Katalysator nachrüsten oder alternativ finanzielle Hilfen beim Kauf eines neuen Fahrzeugs oder auch eines Jahreswagens mit aktueller Abgastechnologie anbieten will. … Bitte teilen Sie mir jetzt mit, woran ich bin. Mit welchen Maßnahmen werden Sie die durch das Produkt Ihres Hauses versprochene Mobilität gewährleisten: Technische Nachrüstung oder Inzahlungnahme des Altfahrzeugs zu wirtschaftlich vertretbaren Bedingungen. … Mit freundlichen Grüßen …“

Das ist jetzt zwei Wochen her, eine Antwort ist nicht gekommen.

Mercedes verhält sich damit konsequent. Denn schon vor mehr als einem Jahr lehnte Dr. Zetsche eine technische Nachrüstung definitiv ab und verwies auf ein „schnell umsetzbares Software-Update“ – unter einer Bedingung: „Sollte Ihr Mercedes-Benz unter diese Maßnahme fallen…“. Offensichtlich gibt es aber kein Software-Update für dies Auto, die angekündigte Information ist nie gekommen. Und was kümmert mich mein Gerede bei einem Gipfel mit dem Minister? War das denn ernst gemeint?

So muss man trocken feststellen: Dieser Mercedes ist doch kein Premium-Produkt. Er ist ein Wegwerfartikel. Sollen die Wegwerfartikel nicht gerade verboten werden? Plastiktrinkhalme und Autos??

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