Bier Royal - abgestandene Plörre

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Das Zweite scheitert am eigenen Anspruch

Das Krimi-Einerlei im Fernsehen ödet an, die darin enthaltene Gewalt ist abstoßend, verroht, nach 22h unsäglich. Da kommt im Zweiten ein angeblich neues Format daher und schmückt sich ganz frech mit dem Namen einer ehemals hochgelobten Serie: Nicht mehr Kir Royal, sondern Bier Royal. Handlungsort München. Das hat den Vorteil, dass man immer mal wieder Postkartenbilder der Stadt dazwischen schneiden kann. Obwohl, warum eigentlich nicht Kulmbach, wo es immerhin regelmäßig eine Bierwoche gibt?

Ach, da gab es gute Gründe, Kulmbach mit diesem Serien-Aufguss zu verschonen. Zum ersten wissen die Kulmbacher sehr wohl, wie Jugendschutz funktioniert, wie man Heranwachsende vor üblen Inhalten bewahrt: Wer auf der Internetseite der Kulmbacher Bierwoche „Produkt-informationen zu alkoholischen Getränken“ erfahren will, muss sein Alter angeben: Erst ab 16! Und bei Sex verstehen die Kulmbacher sicher auch nicht mehr Spaß. Zweitens ist München so groß, da kommt es auf einen Schmarrn mehr oder weniger nicht an. Da wären die Kulmbacher vielleicht nicht so gelassen.

Also, was ist dran an Bier Royal? Leider nicht viel. Der ganze Witz, den Drehbuch und Regie aufgebracht haben, verbraucht sich in der ersten Folge. Da wird auch schon deutlich, was das Problem ist, nämlich die Überdosis.

Sex sells, also muss Bier Royal damit anfangen. Wenn der farbige Lover die Hose hochgezogen hat, geht’s los. Dann kein Klischee auslassen, keinen Knaller links liegen lassen, ab Folge zwei Trommelfeuer. Marianne Sägebrecht als Folklore-Staffage mit Dackel und Folklore-Rentner – geschenkt. Der betagte Kirchenmusiker ist pädophil und muss sich nach Erpressung schnell umbringen. Die Politiker sind alle korrupt, Politik ist ein schmutziges Geschäft. Unternehmer genauso; die männlichen Vertreter haben’s erst mit der Sekretärin und dann mit der Prostata, die Frauen fummeln am Testament und kaufen sich einen Lover von der Mafia. Die Klatschreporterin schläft mit jedem. Die jüngere Generation ist so promisk wie möglich, wenn sie nicht gerade auf Gothic oder epileptischem Anfall ist, die Banker sind so fies wie möglich, der Plot so wenig ansprechend wie möglich. Alles in Überdosis.

Hätte man doch besser Bier getrunken statt sich diesen Quatsch anzusehen! Er ist weder lustig-witzig noch originell, das Royal-Bier ist einfach abgestanden. Habt Ihr Glück gehabt, Ihr Kulmbacher, dass diese Klamotte nicht auf Eure Kosten geht!

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