Autos, Fahrräder oder Menschen?

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Die Bürgersteige der Max-Winkelmann-Straße werden immer weiter zugeparkt (26.4.2021; Foto: Henning Klare)
Die Bürgersteige der Max-Winkelmann-Straße werden immer weiter zugeparkt (26.4.2021; Foto: Henning Klare)

Für wen ist die Max-Winkelmann-Straße da?

Hoch sollen die hehren Grundsätze leben. So wurde im Jahr 2020 aus der beschaulichen Max-Winkelmann-Straße in Hiltrup ein Zankapfel. Wenn schon Fahrradstraße, dann richtig, beschlossen Schwarz-Grün im Rat von Münster, und fingen an, Geld auszugeben. Eine bis dahin völlig unauffällige Nebenstraße ohne Durchgangsverkehr wurde mit rotem Kunststoff beklebt. Schön ist das nicht, viel Sinn macht es auch nicht, aber die Anwohner hätten sich damit noch abgefunden. Politische Gremien haben schon mehr Geld für größeren Unsinn ausgegeben. Nur als dann alle Autos von der Straße verschwinden sollten, jedenfalls die geparkten, wurde es den Anwohnern wirklich zu bunt.

Nun zieht sich der Ärger wie Kaugummi. Je nach Koalitionslage im Rat versprechen mal die einen, mal die anderen den Autos, pardon den Anwohnern Unterstützung oder schweigen vornehm. Für den 26. April wurde eine digitale Informationsveranstaltung der Verwaltung angekündigt, ganz neumodisch online. Man konnte zur selben Zeit aber auch ganz analog einfach mal über die Max-Winkelmann-Straße spazieren und sich offline ein Bild machen.

Und dies Bild ist höchst zwiespältig. Auf der Fahrbahn, wo sich angeblich ohne rote Farbe und Parkverbote Autofahrer und Radfahrer massakrieren würden, war wie immer nichts los. Viel Platz, kein Problem in Sicht, das man hätte lösen müssen.

Daneben aber hat sich im Laufe der letzten Monate eine Situation zugespitzt, die so nicht bleiben kann. Denn die Leidtragenden der geisterhaften Fahrrad-Auto-Diskussion sind die Menschen, die sich auf ihren Füßen fortbewegen und vielleicht auch noch einen Kinderwagen oder Rollstuhl schieben. Auf das ganze Tamtam um die Radfahrer haben die Anwohner (oder ihre Gäste) nämlich reagiert, indem sie ihre Autos auf beiden Straßenseiten immer weiter auf die Bürgersteige stellen. So gibt es auf der Fahrbahn noch mehr Platz für die Fahrräder, aber auf dem Gehweg ist jetzt Gänsemarsch angesagt.

So hat die ganze Aktion nur Schaden angerichtet. Der Asphalt der Straße ist für teuer Geld mit rotem Kunststoff kontaminiert, die Radfahrer haben nichts gewonnen, die Anwohner sind wütend, und die Fußgänger kommen nicht mehr gut durch.

Also was tun? Sicher hat die digitale Informationsveranstaltung am 26.4.2021 das Ei des Kolumbus gelegt. Falls nicht, hilft aber vielleicht ein bisschen Ruhe. Keine Parkverbotsschilder aufstellen, die Empörung herunter fahren, und gegenseitig Rücksicht nehmen. Kostet wenig, könnte funktionieren, kann man sich ansehen. Und erst, wenn’s nicht funktioniert: Parkverbot!

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