Mäusedorn und Schmerz-Sparwochen

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Werbeflyer der Hiltruper Carré-Apotheke (Mai 2018)
Werbeflyer der Hiltruper Carré-Apotheke (Mai 2018)

Hiltrup ist ja nicht gerade arm an Apotheken, sie vermehren sich zusehends. Vom Anfang bis zum Ende der Marktallee hat ein regelrechtes Apotheken-Gedränge eingesetzt. Wer soll bloß all die Pillen kaufen – und essen, schließlich sind die Hiltruper nicht kränker geworden? Also wird die Konkurrenz schärfer. Am Bahnhof werden Rabatt-Taler ausgegeben, da muss sich die zuletzt hinzugekommene Apotheke im Clemens-Carré, Filiale eines Ascheberger Apothekers, schon was einfallen lassen. „Schmerz-Sparwochen“ sind dort ausgerufen, und das hinterlässt beim Adressaten der reichlich verteilten Werbeflyer dann doch recht gemischte Gefühle. Wer wirklich ständig starke Schmerzen hat, wie fühlt er sich, wenn er sich Schmerzen sparen soll? Nicht ganz ernst genommen. Und wer um die problematischen Nebenwirkungen all der Schmerzmedikamente weiß, die da mit „Sofortrabatt“ angepriesen werden, der wünscht sich von einer Apotheke eher eine andere Öffentlichkeitsarbeit: „Lass die Finger davon, wenn es nicht unbedingt sein muss“ wäre die Botschaft, die man vom Pharmazeuten erwartet. Nichts davon liest man. Alles harmlos, könnte man meinen, wenn man die nächsten Angebote auf derselben Seite des Flyers liest: Bunte Drops, „Original Bonbons nach Dr. Bach“, und als Gratis-Geschenk gibt’s ‚ne Grillzange. Da schließt sich der Kreis zu den Kopfschmerzen…

Vom Schmerz ist der Weg nicht weit zum Mäusedorn. Der nennt sich mit vollem Namen ganz vielversprechend „stechender Mäusedorn“. Wirkstoffe aus dieser Pflanze helfen angeblich bei chronisch venöser Insuffizienz mit Schmerzen und Schweregefühl in den Beinen, Schwellungen, Juckreiz und nächtlichen Wadenkrämpfen, sowie bei Beschwerden durch Hämorrhoiden, und man kann sich Mäusedorn natürlich auch ins Gesicht schmieren. Das nennt sich dann Kosmetik, und die Wirkung wird hochwissenschaftlich dokumentiert per „Hautanalyse“, auch das kostenlos zu haben in unserer neuen Apotheke. Dahinter steht ein Kosmetikvertrieb, sein Inhaber schreibt mit entwaffnender Offenheit über die beworbene Hautanalyse: „Eine exakte Hautbestimmung stärkt das Vertrauen der Kundin zur Kosmetikerin, schafft die Grundlage für hautspezifische Behandlungen und fördert den Verkauf von Produkten. Spezielle Messgeräte können die Analyse optimieren.“ Verkaufsförderung eben. Auch den „Bräunungsgrad der Haut“ kann man per Hautanalyse feststellen, das nennt sich ganz hochtrabend „Melanin-Messung“. Andere Leute erledigen das durch einen Blick in den Spiegel.

Mäusedorn und Hautanalyse, man kann mit einem Schulterzucken darüber hinweggehen. Wer dran glaubt, soll ruhig dafür bezahlen. Etwas anders sieht es allerdings aus mit den „Original Bonbons nach Dr. Bach“. Die segeln im Reklameflyer des Ascheberger Apothekers unter der Überschrift „BACHBLÜTEN“, und die haben’s nun wirlich in sich. Wer bei Wikipedia nachschaut, findet schmerzliche Beurteilungen dessen, was da so unter „Bach-Blütentherapie“ betrieben wird: „keine Hinweise auf eine tatsächliche medizinische Wirksamkeit“ und „pseudowissenschaftlich“ heißt es da ganz harsch. Ohne hier die Ansichten des englischen Doktor Bach abschließend diskutieren zu wollen: Dr. Bachs Esoterik von Seele und Persönlichkeit hat wenig damit zu tun, was wir gemeinhin von einem Apotheker erwarten.

Da halten wir uns lieber an die ganz konkreten Angebote. Bestpreisgarantie für die Pillen, das ist doch was! Mal schaun, welche (Bach-) Blüten die Apotheken-Werbung in Hiltrup demnächst noch treibt.

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