Lob der Provinz I

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Mit dem Wohnwagen in die unbekannte Nähe: Hunsrück

Der Hochsommer 2019 mit furchtbarer Hitze und Trockenheit liegt hinter uns, und die meisten Menschen haben auch ihren Sommerurlaub hinter sich. Im September ist spätsommerlich-angenehmes Wetter zu erwarten, die Campingplätze haben noch geöffnet und reichlich Platz, es ist Zeit für den lange aufgeschobenen Camping-Urlaub. Die Entscheidung über die Fahrtrichtung fällt nach einem Blick in den Wetterbericht: Ein Tief bringt Sintflut-Regen für den Osten, in der Bretagne ist es der Jahreszeit entsprechend nicht mehr warm, und in der Mitte wartet die Sonne – Heilbronn und Heidelberg mit freundlicher Wetterprognose, genauso aber auch Lothringen.

Die erste Etappe ist das Packen. Wohnwagen aus dem Winterquartier, Packliste durchgehen, Sachen zusammen suchen, letzte Besorgungen – es dauert immer länger als gedacht, und doch: Es muss noch heute los gehen. Nicht weit, eine erste Strecke bis Dreieich südlich von Frankfurt; am Sonntag ist es ohne Lastwagen auf der Autobahn angenehmer zu fahren, und der Campingplatz in Dreieich hat sich als Zwischenstopp mit Ankunft am Abend bewährt. Das wichtigste dabei: Ist man erst einmal unterwegs, kommt sofort das wunderbare Urlaubsgefühl, der Abstand zu all den täglichen Abläufen.

Am nächsten Tag kommt die Erinnerung an die Harfenmühle. Da gibt es doch im Hunsrück bei Mörschied diesen angeblich naturnahen Campingplatz; im Nationalpark, ringsum Täler, Wald und Höhen. Als im Frühjahr die Radtour an der Nahe nicht zustande kam, weil alle Campingplätze voll waren, da war dieser Platz aufgefallen (allerdings auch voll). Das könnte man sich doch mal ansehen, der Hunsrück war noch ein weißer Fleck auf der touristischen Familien-Landkarte; von Norden her schon einmal kurz herein geschnuppert und im Gedächtnis behalten. Von Dreieich nicht weit, also los – bei Mainz über den Rhein, und dann sofort dem Navi verboten, Autobahnen zu benutzen.

Da kommt man über den Lerchenberg – das ZDF, und sonst? Rheinhessisches Hügelland, auf Nebenstraßen leitet das Navi durch eine spröde-ansprechende Landschaft. Ja, das hat Charme! Zuerst sieht man nur weite Felder auf sanften Rundungen. Stoppelfelder im September. Hmm, müsste im Sommer mit dem reifen Getreide darauf schön aussehen! Nach einigem sanftem auf und ab schaut man plötzlich von dem Hügelland nach Süden herunter, dann wird die Landschaft bewegter, wechselt sich wieder mit den sanften Hügeln ab, zeigt auch schon mal Weinberge: Das hat was! Kannte man gar nicht, und liegt so nah! Rummel gibt es hier nicht, man ist in der Provinz. An Bad Kreuznach vorbei, das Navi leitet auf die B41 – nein, das ist Rasen und nicht Reisen, wir wollen zur Nahe! Runter von der Rollbahn, in Norheim landen wir endlich an der Nahe und auf einem schmalen Sträßchen, das neben der Bahn im Flusstal verläuft.

Zwischen Norheim und Niederhausen an der Nahe (9.9.2019; Foto: Klare)

Zwischen Norheim und Niederhausen an der Nahe (9.9.2019; Foto: Klare)

Weinberge, Bahn und Straße begleiten den sich schlängelnden Fluss; das Tal ist eng, die Straße ist schmal und lässt kaum Platz für einen kurzen Halt.

Blick auf die Nahe (9.9.2019; Foto: Klare)

Blick auf die Nahe (9.9.2019; Foto: Klare)

Der Blick über die Leitplanke zeigt: Auch die Nahe ist schmal, kein Fluss, ein Flüsschen! Verlässt man den Fluss bei Odernheim, führt der Weg nach Westen durch eine wunderbare, merkwürdig abgeschiedene Landschaft. Hühnerhof steht auf dem Straßenschild, Abtweiler, Bärweiler, Hundsbach, Becherbach, für den Großstädter eine andere Welt in einer Folge von steilen Anstiegen und Abfahrten; hier müsste man Fahrrad fahren – und Kondition und eine gute Gangschaltung mitbringen!

Naturbadeteich Harfenmühle (9.9.2019; Foto: Klare)

Naturbadeteich Harfenmühle (9.9.2019; Foto: Klare)

Wir umfahren Idar-Oberstein und treffen an der Harfenmühle einen Campingplatz in der Nach-Sommer-Ruhe an. Nur wenige Touristenplätze sind besetzt, der ehemalige Stauteich der Wassermühle lädt unter grauem Himmel nicht zum Baden ein.

Stellplätze am Fischbach: Im Sommer ein Kinderparadies (Harfenmühle, 9.9.2019; Foto: Klare)

Stellplätze am Fischbach: Im Sommer ein Kinderparadies (Harfenmühle, 9.9.2019; Foto: Klare)

Ein Grasplatz mit Blick auf den Rieseldibiesel-Fischbach bietet sich an, die Sanitäranlagen fast neu und sauber, hier bleiben wir.

Fischbach (Harfenmühle, 9.9.2019; Foto: Klare)

Fischbach (Harfenmühle, 9.9.2019; Foto: Klare)

Camping mit Restaurant – auf Campingplätzen lauern normalerweise unter dem Etikett „Bistro“ Pommes rotweiß auf die Camper. Früher erwähnt im Guide Michelin? Das macht neugierig. Die Karte ist kurz, kein Wunder in der Nachsaison, aber die Weinkarte ist ausführlicher und liebevoll gestaltet. Gutes Essen, ein guter Wein dazu (nicht von der Nahe, ein Grauburgunder aus der Pfalz) – das kann man sich gefallen lassen.

Nächster Tag: Idar-Oberstein

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