Fontane, frisch ausgepackt im Museum

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Günter Rohkämper-Hegel liest im Hiltruper Museum aus Fontanes Briefen (6.9.2019; Foto: Klare)
Günter Rohkämper-Hegel liest im Hiltruper Museum aus Fontanes Briefen (6.9.2019; Foto: Klare)

VorLeseClub im Hiltruper Museum

Der Hiltruper VorLeseClub hatte in der Ankündigung seiner Fontane-Lesung Erstaunliches versprochen, und viele Zuhörerinnen und Zuhörer waren der Einladung ins Hiltruper Museum am 6.9.2019 gefolgt.

Museumschef Hans Muschinski begrüßt das zahlreiche Publikum (6.9.2019; Foto: Klare)

Museumschef Hans Muschinski begrüßt das zahlreiche Publikum (6.9.2019; Foto: Klare)

Hans Muschinski musste aus allen Winkeln des Museums noch die letzten Stühle zusammen tragen, damit jeder Besucher einen Sitzplatz bekam. Am Ende passte es genau: Jeder freie Quadratmeter der 60er-Jahre-Ausstellung war besetzt, auch die historischen Stühle der Ausstellung waren belegt.

Jochen Schwenken vor ungewöhnlicher Kulisse (6.9.2019; Foto: Klare)

Jochen Schwenken vor ungewöhnlicher Kulisse (6.9.2019; Foto: Klare)

Das bewährte Duo Martin Adolf und Jochen Schwenken aus Billerbeck gestaltete den musikalischen Rahmen und bereitete die Lesung vor, für Getränke sorgte das Team von Solidario.

Martin Adolf mit Barbie und Bambi aus den 60ern (6.9.2019; Foto: Klare)

Martin Adolf mit Barbie und Bambi aus den 60ern (6.9.2019; Foto: Klare)

Die Texte dieses Abends waren in der Tat erstaunlich. Herr von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland sorgte mit seinen listig weitergegebenen Birnen für den Wiedererkennungseffekt, man könnte sagen als Aufwärmübung. Mit „Frau Jenny Treibel“ startete danach ganz sachte ein Spannungsbogen, der sich über „Irrungen und Wirrungen“ und „Effie Briest“ weiter aufbaute. Große Konflikte in Nähe und Distanz sehr unterschiedlicher Menschen sind das durchgehende Thema, das bei aller Zeitgebundenheit dieser Werke doch auch zeitlos anzuhören ist – in den Gedichten („Und alles ohne Liebe“ und „Barbara Allen“) außerordentlich prägnant auf den Punkt gebracht, in „Stine“ als lebendiger und witziger Dialog, der die Zuhörer die Zeit vergessen lässt. Der Briefwechsel von Emilie und Theodor Fontane am Ende des Programms stellte sehr frisch und direkt zwei sehr selbstbewusste und starke Persönlichkeiten vor: Der kantige und gleichzeitig empfindliche Schriftsteller auf der einen Seite und – auf Augenhöhe – die Ehefrau, die ihre Rolle in der Beziehung behauptet und seine Textentwürfe kritisch begleitet.

Nach zwei Stunden bedankte sich ein sehr zufriedenes Publikum bei den Vorlesern und Vorleserinnen. Für die nächste Lesung des VorLeseClubs am Freitag, den 4.10.2019 wurde ein sehr viel älteres Thema angekündigt: 1000 und 1 Nacht, Texte und Musik rund um die jahrtausendalte Sammlung von Erzählungen.

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