Fahrrad-Fernreise mit der Bahn, ein Glücksspiel

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Wie soll man’s beschreiben? Erst fährt die Bahn nicht, dann lässt sie einen unfreundlich stehen, am Ende sagt sie einem noch nicht einmal, wie man in diesem Notfall weiterkommt? Der Fall des Fahrrad-Touristen war klar, der gebuchte Fernzug war ausgefallen und an diesem Tag kein anderer Platz mehr frei.

Für zukünftige Reiseplanungen wollte der Radler wissen, wie ihm die Bahn in solchen Fällen generell hilft, und schrieb an die Bahn. Das war am 1. August. Vierzehn Tage später schrieb er noch einmal, denn eine Antwort von der Bahn war nicht gekommen, und auch danach rührte die Bahn sich nicht.

Am 8. Oktober, also mehr als zwei Monate später, kam ein Anruf von der Bahn. Der Radler erklärte noch einmal sein Anliegen: Er wolle keinen Ärger machen, sondern nur wissen, ob er sich bei künftigen Radreisen auf die Bahn verlassen könne, ob die Bahn ihn auf jeden Fall mit Fahrrad an das gebuchte Reiseziel bringt.

Die telefonische Antwort fiel freundlich-ernüchternd aus. Wenn der reservierte Zug (oder der Waggon) mit dem Fahrradabteil ausfällt und an diesem Tag alle anderen Züge ausgebucht sind, gibt es einen Taxi-Gutschein bis zu 80 Euro.

Damit kommt man im Fernverkehr nicht weit. Wer auf Radreise unterwegs war und etliche hundert Kilometer mit der Bahn nach Hause zurück fahren muss, der spielt also Lotterie. Das muss man wissen, wenn man Radurlaub plant. Die Alternativen sind allesamt unerfreulich. Gleich mit dem Auto fahren, das wollte man eigentlich gerade vermeiden. Oder es darauf ankommen lassen und im Notfall mit dem Nahverkehrszug fahren? Den Nahverkehrszug vom Bodensee nach Norddeutschland gibt es nicht, man müsste viele Male umsteigen, viele Male Fahrrad und Gepäck auf andere Bahnsteige bugsieren (nicht überall gibt es Aufzüge), im Zweifel strandet man um Mitternacht irgendwo im Nirgendwo und darf auf der Bank den ersten Frühzug abwarten.

Wirklich befriedigend ist das nicht. Jährlich werden hundertttausende Elektroräder verkauft, damit sind zusätzlich auch Ältere unterwegs, die früher nie über Fahrradreisen nachgedacht hätten. Es sind also nicht nur ein paar wenige verrückte Freaks mit dem Rad unterwegs, die man wie früher getrost ignorieren kann. Die Bahn muss sich etwas einfallen lassen!

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