Die Leiden eines Ahnungslosen

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Compliance-Experten im Deutschen Fußballbund

Der organisierte Fußball hat nicht den besten Ruf. Sommermärchen, dies Wort mag niemand mehr hören vor lauter Millionen, die da hin und her gingen. Kapitalkräftige „Hauptsponsoren“ lassen „ihre“ Vereine auflaufen, international wird nach Strich und Faden gezockt, und die Kaufpreise für die Aktiven sind noch weit über das Maß des Unanständigen gestiegen.

Da ist man richtig erleichtert, wenn wenigstens der Deutsche Fußballbund noch Spitzenleute hat, so unschuldig wie die Kindelein. „… Sie können mir glauben, dass ich seit dem Wochenende fassungslos bin über den Fehler, der mir da unterlaufen ist. Ich möchte aber, nicht zuletzt im Interesse meiner Familie, die sehr unter der Situation leidet, darum bitten, jetzt die Untersuchungen der Compliance-Beauftragten in den verschiedenen Verbänden abzuwarten. Ich habe keinerlei Gegenleistung für die Annahme des Geschenks erbracht. Ich bin davon ausgegangen, dass ich die Uhr als Privatgeschenk annehmen darf …“ hört man mit Andacht von dem ehemaligen DFB-Präsidenten. Rührung verbreitet sich im Land: Endlich haben wir wieder jemanden, der wirklich selbstlos, idealistisch, geradezu aufopfernd ahnungslos unterwegs ist. Rein ist das Herz des Sünders.

Der DFB aber braucht eine gute PR-Agentur. Um die Positionierung des DFB in der Gesellschaft geht es, das hat die verbliebene DFB-Spitze richtig erkannt. Wie ist es um einen Verband bestellt, der sich so einen Mann an die Spitze holt? Der noch nicht einmal eine Aldi-Uhr für 9,99 Euro von einer Rolex unterscheiden kann? Denn er hat doch sicher angenommen, dass die Uhr vom Discounter kommt; dass sie so billig war, dass er sie unbedenklich nehmen konnte.

Oder, man wagt es ja kaum zu vermuten, er hat im Zusammenhang mit seinem Amt sehenden Auges eine Pretiose kassiert? Und hat sich gesagt, Geschenke zur Beziehungspflege sind unbedenklich, solange man dem Schenker nicht innerhalb der nächsten halben Stunde einen Gefallen erweist?

Dreist ist es nach so viel Dummheit oder Raffgier, die Familie vorzuschieben. Wer erwischt wird und dann das „Interesse meiner Familie, die sehr unter der Situation leidet“ als Schutzschild zu benutzen versucht, der hat immer noch nichts begriffen – und sagt gleichzeitig sehr viel über den Verband. Dieser Verband lässt den Übeltäter weitermachen: Die hoch bezahlten Posten bei UEFA und FIFA werde er in enger Abstimmung mit dem DFB fortführen, heißt es.

Wenn der DFB wirklich sauber werden wollte, müsste er Grindel die Pistole auf die Brust setzen und ihn auffordern, auch die Posten bei UEFA und FIFA niederzulegen. Wenn.

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