Eine alte Dame möchte für ein paar Tage von Münster nach Frankfurt. Wochen vorher gebucht ist der Sparpreis der Deutschen Bahn das Angebot der Wahl. Komfortabel und sehr preiswert.
An diese schöne Fahrkarte kommt die alte Dame aber nicht ohne weiteres heran. Erst muss sie einen Account bei bahn.de einrichten. Da kann sie sich doch helfen lassen, meint man, das ist doch schnell gemacht. Ein paar Klicks, jetzt noch den Zahlungsweg eingeben – an der Stelle ist Schluss. Denn die alte Dame hat kein Online-Banking. Also bucht jemand anderes für sie die Fahrkarte.
So weit so diskriminierend. Dann bekommt der „jemand“ eine Email von der Bahn: Die Verbindung für die Rückfahrt funktioniert nicht, suchen Sie eine Alternative aus! Keine Zugbindung mehr!
Auch das sind doch nur ein paar Klicks, könnte man meinen. Tatsächlich bietet die Bahn in ihrer Email gleich die Klick-Fläche an. Hier erst erfährt der „jemand“, dass auch die für die Hinfahrt gebuchte Verbindung nicht funktioniert. Immerhin werden gleich alternative Verbindungen zur Auswahl angezeigt.
Aber Vorsicht!
Die für die Rückfahrt angezeigten Alternativen haben einen kleinen, nicht unwichtigen Schönheitsfehler. Die Bahn-Software hat mal eben den Termin für die Rückfahrt verändert: Als ob die alte Dame am selben Tag hin- und zurückfahren will.
Und es gibt noch einen Pferdefuß: Für eine Teilstrecke der Rückfahrt ist keine Reservierung möglich. Das kann doch nur heißen, dass der Zug voll ist – und dass die alte Dame eventuell stehen muss. Das ist – mit über 80 Jahren – nicht zumutbar.
Aber es gibt noch eine Alternative. Eine Teilstrecke mit der Deutschen Bahn, das letzte Stück mit dem FlixTrain. Dann muss sie eben für den FlixTrain eine Extra-Fahrkarte kaufen.
Aber Vorsicht!
Wenn die Deutsche Bahn auf der ersten Teilstrecke nicht pünktlich ist – was nahezu garantiert ist -, dann fährt der FlixTrain ohne die alte Dame. Und was macht sie dann? Dann könnte sie theoretisch auf den Nahverkehrszug der Deutschen Bahn warten. Dieser RE7 ist aber genauso sicher wie ein Lotto-Gewinn, mal fährt er, mal fährt er nicht, und wann er fährt ….
Eine große Wut bleibt zurück. Die Wut richtet sich nicht gegen die Leute, die jetzt das Desaster namens Bahn richten müssen. Die Wut richtet sich gegen – ja wer hat es denn verbockt? Das war doch eine CDU/CSU/FDP-Clique, die vor vielen Jahren in ihrem Privatisierungswahn die Bahn an die Börse bringen wollte. Einen bahnfremden Manager haben sie eingesetzt, der hat auftragsgemäß die Investitionen gekappt. Dann kamen immer neue Verkehrsminister, fast immer von der CSU gestellt, und kümmerten sich nicht. Auch so kann man Demokratie zugrunderichten.
Kommentare
Keine Kommentare
Kommentare