Tagesschau-App und Staatsvertrag
Die „Öffentlichrechtlichen“ werden gern angegriffen. Wenn SWR, NDR, WDR und Kollegen nüchtern und richtig über Politik berichten, dann ist das der Politik oft nicht genehm. Wer möchte nicht gut aussehen, auch wenn die Reden und Taten unsinnig sind? Das war schon immer so. Der WDR wird gern als Rotfunk verunglimpft, und schon Kanzler Adenauer – lang ist’s her – haderte mit dem Fernsehen.
Von der anderen Seite greifen die Zeitungsverleger an. Den Zeitungen geht’s schlecht, die Werbeeinnahmen sind weggebrochen. Da schlagen sie auf die „Öffentlichrechtlichen“ ein und wollen deren Nachrichtenportale verbieten.
Jetzt haben wir einen neuen Medienstaatsvertrag, und damit haben wir den Salat.
Die Tagesschau ist nach wie vor ein Garant für Qualitätsjournalismus. Was die berichten, stimmt (fast) immer. Und die Tagesschau hatte bislang einen kleinen Bruder, die Tagesschau-App. Dieser kleine Bruder war: Kurz und knapp. Schnell. Übersichtlich. Verlässlich. Was da berichtet wurde, war meistens wichtig. Das konnte und musste man im Detail und mit Hintergrund in anderen Medien vertiefen.
Der neue Staatsvertrag hat die Tagesschau-App jetzt kastriert. Zum Beispiel heute – 20.12.2025 – bringt die App gerade noch 13 Meldungen, einschließlich Wetter. Noch schlimmer: Die 13 Meldungen nerven den Betrachter. Sie kommen als Zappel-Theater daher: Dem Betrachter wird ein knallbuntes Zappel-Video entgegengeschrien. Blaulichter blinken, Still-Fotos werden sinnwidrig bewegt, alles wird bunt bewegt. Alles.
Das ist kein Nachrichtenkanal mehr, das ist eine Zumutung, ein Ärgernis.
Es gibt keine Alternative. Hier ist mitten in der Flut von Internet-Hetze eine verlässliche Informationsquelle mutwillig beseitigt worden. Die Zeitungen, deren Verleger sich hier durchgesetzt haben, füllen dies Loch nicht. Man schaue nur in die aktuelle WN. Mette-Marits Gesundheitszustand und der Nachdruck von großen Artikeln der rechtsradikalen NZZ sind kein Ersatz für Qualitätsjournalismus.
Kommentare
Keine Kommentare
Kommentare