Zähler-Mafia

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Goldene Zeiten für Service-Firmen

Energiesparen ist eins der deutschen Lieblingsthemen, in seinem Schatten segelt eine hochprofitable Branche. Wer Wohnungen vermietet, muss die Heiz- und Warmwasserkosten nach Verbrauch abrechnen, und diesen Job machen spezielle Firmen: ista und Techem sind die Marktführer. Ista ist gerade für 4,5 Milliarden Euro an chinesische Investoren verkauft worden, das hat einen ganz einfachen Grund. Die Heizkosten-Abrechner verdienen sich eine goldene Nase mit ihrem Service. Für ista berichtet Spiegel online einen Umsatz von 850 Millionen Euro und einen operativen Gewinn von 370 Millionen Euro in 2016, mit steigender Tendenz. Anders gesagt: eine Goldgrube.

Man kann es kürzer fassen: die chinesischen Investoren fassen jetzt den deutschen Mietern in die Tasche. Die Preise sind völlig überzogen, und keiner kann sich dem entziehen.

Zwischen den tatsächlichen Heizkosten und dem, was ista für die Abrechnung kassiert, besteht ein krasses Missverhältnis. Ein Beispiel aus der Praxis: zwei Parteien im Haus, die Gasrechnung fürs Abrechnungsjahr beträgt ca. 1500 Euro, Strom, Wartung und Schornsteinfeger kosteten zusammen ca. 300 Euro, zu verteilen sind also Gesamtkosten von ca. 1800 Euro. Ista kassiert obendrauf fürs Ablesen und Abrechnen 250 Euro – das ist ein Aufschlag von satten 14 Prozent. Viel zu viel, aber dem Vermieter kann es egal sein: er wälzt die Kosten auf die Mieter ab. Das Bundeskartellamt beobachtet diesen Markt, in dem es keinen echten Wettbewerb gibt, aber greift nicht ein. Denn nach Auffassung des Bundeskartellamts ist das Sache der Politik. Für eine Deckelung der Abrechnungskosten, zum Beispiel auf höchstens 10 Prozent von Brennstoff- und Heiznebenkosten, kann sich dort zurzeit niemand erwärmen.

Und dann schickt ista auch noch Rechnungen für gar nicht erbrachte Leistungen. Will – im konkreten Fall – Miete kassieren für einen Zähler, der überhaupt nicht eingebaut wurde. Nicht nur das: ista kündigt Lastschrifteinzug „ca. 10 Tage nach Rechnungsdatum“ an. Da muss man schon ganz schön fix sein, wenn man rechtzeitig widersprechen und sich das Theater mit der Rückbuchung ersparen will. Ganz schön schneidig, diese Geschäftspraxis!

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