Das Klima und die Illusionen

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Alle wollen Klimaschutz, sagen sie, alle wollen noch mehr davon. Wenn man sie fragt, ob die Bundesregierung das Richtige dafür tut (Deutschlandtrend Oktober 2019), dann finden nur 15 Prozent die beschlossenen Maßnahmen übertrieben; 30 Prozent halten sie für ausreichend, und die Hälfte will mehr.

Welch Begeisterung! Ein nationaler Aufbruch!

Gern wollen die Befragten den Zuschuss für eine neue Heizung kassieren, nur billigere – nein, weniger teure Bahntickets sind noch schöner, und auch die Pendlerpauschale nimmt man gern mit. Aber direkt in den Alltag eingreifen und das Autofahren und Heizen verteuern, das soll die Bundesregierung doch nicht. Sagen die vielen Klimaschützer. So ernst haben sie es doch nicht gemeint.

Illusionen werden hier gepflegt. Die repräsentativ Befragten wollen den Pelz gewaschen bekommen, aber nicht nass werden. Sie wollen nicht mehr ausgeben für das Autofahren und Heizen und wollen gleichzeitig Grün wählen, die Partei, die das Autofahren und Heizen viel stärker verteuern will als die Große Koalition.

Illusionen sind wie Seifenblasen, sie sind hübsch und kurzlebig. Wer Klimaschutz durchsetzen und nicht nur hübsch darüber reden will, muss diese Blasen wegpusten – und muss eine große Mehrheit der Bevölkerung mitnehmen. Realistische Politik muss die Empfindlichkeit der großen Mehrheit bei Sprit und Heizen berücksichtigen. Wenn hier der große Wurf – war da nicht mal was mit fünf Mark pro Liter? – nicht geht, dann müssen es eben viele kleine Schritte in längerer Zeit werden. Im Tempo zulegen kann man immer; aber erst die Leute verärgern und dann zurückstecken, das ist keine gute Politik.

Und die Grünen? Sollen sich demnächst im Bundesrat ruhig erklären: Euch, ihr lieben Wähler, wollen wir an der Tankstelle das Geld abnehmen und die Heizung abdrehen. Und wenn wir das nicht bekommen, stimmen wir auch gegen Zuschüsse für Elektroautos und neue Heizungen.

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