Neue Heimat und Muskelhypothek
Siedlerhäuser für Arbeiter: Wie konnten sich einfache Arbeiter nach dem II. Weltkrieg ein eigenes Haus leisten?
Hier das Beispiel eines Siedlungshauses an der Ringstraße, gebaut 1950 mit Unterstützung durch öffentliche Mittel und durch den Arbeitgeber Hiltruper Röhrenwerk GmbH:
Die „Neue Heimat“ Münster GmbH kaufte 1950 die für die Siedlung benötigten Grundstücke und trat als Siedlungsträger auf.
Zur Kredit-Finanzierung des 964m² großen Grundstücks und der Baumaterialien wurde das Grundstück mit Hypotheken belastet:
1. Hypothek für Kreissparkasse Münster: 5.000 DM, Verzinsung 6,5% 2. Hypothek für Landesbank für Westfalen: 1.700 DM, Verzinsung 4,5% 3. Hypothek für Landesbank für Westfalen: 4.970 DM, unverzinslich. 4. Hypothek für Hiltruper Röhrenwerk GmbH (Arbeitgeber): 3.500 DM, unverzinslichDie Gesamtsumme der Hypotheken betrug demnach 15.170 DM.
Dazu kam die sogenannte Muskelhypothek: Die Bauarbeiten wurden soweit möglich in Eigenleistung erbracht.

Die Siedler halfen sich gegenseitig bei den Bauarbeiten, angefangen beim Ausschachten der Fundamente und des Kellers. Das Haus wurde fertig, die Siedler zogen ein. Der große Garten wurde zur Selbstversorgung mit Obst und Gemüse genutzt.
Im Jahr 1954 kauften die Siedler Haus und Grundstück als Reichsheimstätte von der „Neue Heimat“ Münster GmbH. Der Kaufpreis betrug 1.715,32 DM für das Grundstück und 15.170,62 DM für das Gebäude, insgesamt 16.885,94 DM. Die Siedler übernahmen die Hypothekenbelastungen in Anrechnung auf den Kaufpreis; der danach noch verbleibende Restkaufpreis galt durch Barzahlung oder Arbeitsleistung der Siedler gemäß Abrechnung als bezahlt.
Zum Vergleich: Der Verdienst eines durchschnittlich beschäftigten Arbeitnehmers betrug im Jahr 1950: 212 DM netto im Monat (im Jahr 1958: 378 DM netto).