Wollen wir für Oktober/November/Dezember einen Termin abstimmen?

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Sparkasse auf Abwegen

102 Jahre ist die alte Dame alt, und fast ebenso lange ist sie Kundin bei einer großen deutschen Sparkasse. Lange gab es bei ihr etwas zu verdienen, lange gab es individuellen Service mit Vorschlägen zur Vermögensanlage. Das ist jetzt schon eine Zeit her, Zinsen gibt es nicht mehr, brauchbare Anlage-Vorschläge auch nicht.

Dafür flattert ihr ein Werbeschreiben dieser Sparkasse ins Haus. Ein „Ansprechpartner“ stellt sich vor, aber wie! In ein offensichtlich vorgedrucktes Formular – Stichwort: Massendrucksache – hat das „BeratungsCenter“ die Anrede, den Gruß und den Namen des Mitarbeiters eingedruckt, aber man hat sich noch nicht einmal die Mühe gemacht, die Schriftgröße anzupassen. Hilflos zusammengestoppelt wirkt das, wie Kraut und Rüben. Weil der Mitarbeiter wohl tausende Anschreiben unterschreiben musste, hat es auch für eine wirkliche Unterschrift nicht mehr gereicht, nur eine Art Namenszeichen, eine Abkürzung steht unter dem Schreiben.

In der Betreff-Zeile steht ganz brutal „Terminabstimmung Oktober/November/Dezember“, als ob die Kundin vorgeladen werden sollte; vielleicht sogar monatlich? Danach folgt mangelhafte Rechtschreibung. Wenn die noch nicht einmal richtig schreiben können, fragt man sich, wie wollen die denn von Geld etwas verstehen?

„Wollen wir für Oktober/November/Dezember einen Termin abstimmen?“ geht es dann weiter, „Besteht aktuell Beratungs-/Informationsbedarf?“ Nun hat die Kundin ja nichts gegen die Sparkasse, aber so direkt auf du und du steht sie doch nicht mit ihr, dass sie sich gleich das vertrauliche „Wir“ gefallen lassen möchte. „Wir“ wollen keinen Termin abstimmen, wir wollen als Kunde nur anständig behandelt werden unter Einhaltung von Regeln der Höflichkeit. Wir würden uns vielleicht freuen, wenn uns ein gutes Angebot gemacht würde, aber wenn die Sparkasse Geld mit uns verdienen möchte, dann muss sie werben: Freundlich sein zu Kunden, Kunden respektieren und ernst nehmen.

Da hat die Sparkasse Nachhilfebedarf. Über „Risikoabsicherung“ will sie mit der alten Kundin reden, „Vermögensaufbau mit steuerlicher Förderung“ will sie der 102jährigen verkaufen. Soll man da stolz sein, weil die Sparkasse der alten Kundin ein noch viel längeres Leben zutraut? Nein, so ein Schreiben ist schlicht respektlos.

Eine „kurze Info“, schreibt Tim R. in dem Vordruck der Sparkasse, soll die Kundin geben, „falls aktuell kein Beratungsbedarf bestehen sollte…“. Die alte Dame soll also auch noch reagieren, wenn sie mit verqueren Werbebriefchen belästigt wird und keinen Gesprächsbedarf hat. Das ist fast der Ton, als ob die Kundin sich dafür rechtfertigen sollte, dass sie nicht belästigt werden möchte. Und was sollen eigentlich die neckischen drei Pünktchen am Satzende? Genau die gleichen drei Pünktchen wie am Schluss des Schreibens nach dem „Vielen Dank vorab…“ – see you later alligator oder so ähnlich?

Diese Kundin wird voraussichtlich ihre Bank nicht wechseln. Für die Sparkasse ist das aber kein Grund, in diesem Stil weiterzumachen. Mit stümperhafter Werbung gewinnt und bindet man keine Kunden: Bevor man sich solche Anmache länger gefallen lässt, geht man gleich zu einer der Direktbanken. Da weiß man, dass man es nur mit dem Computer zu tun bekommt. Und spart.

Kommunale Einrichtungen der Daseinsvorsorge und auch die Sparkassen haben ihre Berechtigung. Wer dies auch in Zukunft glaubhaft argumentieren will, muss diese Einrichtungen entsprechend aufstellen.

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