Unsere englischen Nachbarn bei Klostermann zu Gast

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Illustration von Henry William Bunbury (London, 1773) zu dem Roman Tristram Shandy  - Ausschnitt
Illustration von Henry William Bunbury (London, 1773) zu dem Roman Tristram Shandy - Ausschnitt

250 Jahre englische Literatur mit dem VorLeseClub Hiltrup

Nein, das ist keine Bildreportage aus dem britischen Unterhaus: Theresa May kämpft für ihren Deal – nein, es geht um Tristram Shandys Leben und Ansichten. Der Text und seine Illustrationen aus dem 18. Jahrhundert fesseln auch 250 Jahre später die Leser, und am 9.4.2019 ließ sich ein zahlreiches Publikum auf diesen Klassiker ein.

Lesung des VorLeseClubs am 9.4.2019 bei Klostermann (Foto: Klare)

Lesung des VorLeseClubs am 9.4.2019 bei Klostermann (Foto: Klare)

Der Hiltruper VorLeseClub hatte schon bei der Programmplanung am Anfang des Jahres den bevorstehenden Brexit ins Auge gefasst, und die Entwicklung des britischen EU-Austrittsdramas in den folgenden Monaten bestätigt die Aktualität dieser Themenwahl.

Illustration von Henry William Bunbury (London, 1773) zu dem Roman Tristram Shandy

Illustration von Henry William Bunbury (London, 1773) zu dem Roman Tristram Shandy

Die Illustration der englischen Originalausgabe von „Leben und Ansichten von Tristram Shandy, Gentleman“ zeigt allerdings nicht, wie man auf den ersten flüchtigen Blick vermuten könnte, das House of Commons bei der Brexit-Debatte. Heftigen Streit zeigt die historische Darstellung, aber eben nicht May und Corbin.

Die VorleserInnen (9.4.2019 bei Klostermann; Foto: Klare)

Die VorleserInnen (9.4.2019 bei Klostermann; Foto: Klare)

Der VorLeseClub begleitete die Lesung dieses Textes mit Spannung: Würde das Publikum sich auf diese weit ausgreifende Erzählweise einlassen, auf die geradezu unendlichen Satzkonstruktionen mit vielen Einschüben und Abschweifungen? Die Vorleser selbst waren begeistert von dem skurrilen Humor und geballten Witz, und das Publikum ging mit. Ein anspruchsvolles Buch, und einmal mehr die Erkenntnis: Das Hiltruper Publikum darf man ruhig fordern!

Gefordert wurde auch die Queen, sie war an diesem Nachmittag gleich zweimal im Einsatz: Einmal als „souveräne Leserin“ in dem gleichnamigen Buch von Alan Bennett, und unter der Beobachtung als perfekt funktionierende Ordensverleiherin (Wolfgang Koydl: Fish and Fritz). Die Bestsellerautorin J. K. Rowling wurde zur Abwechslung einmal nicht mit Harry Potter vorgestellt, sondern mit einer Satire auf englische Kleinbürger (Ein plötzlicher Todesfall), und zum Abschluss der Lesung glänzte noch einmal Alan Bennett mit der sarkastischen Geschichte von der anglikanischen Pfarrersfrau, die mit ihrer Rolle hadert (Ein Bett zwischen Linsen). Für zusätzliche humoristische Würze zwischen den einzelnen Texten sorgte eine Reihe von Limericks.

Der Nachmittag bot gelungene anspruchsvolle Unterhaltung, und das Publikum bekam auch noch einen Tipp mit auf den Heimweg: Am 10. Mai 2019 um 19.30h heißt es „Anneliese, ach Anneliese“ – mit diesem Schlager-Zitat aus den 60er Jahre lädt der VorLeseClub zu einem Abend in der aktuellen Ausstellung des Hiltruper Museums.

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