Hiltruper Markt am Ende?
Den Hiltruper Wochenmarkt gibt es jetzt schon mehr als 50 Jahre. Genau gesagt: 1972 diskutierte Hiltrup über die Einrichtung eines Wochenmarktes. 20 Interessenten meldeten sich für einen Stand. Der Hiltruper Rat beschloss den Bau einer Toilettenanlage, am 30.3.1973 startete der Wochenmarkt.
Am 28.8.2026 verabschiedet sich wieder einmal ein Stand aus Hiltrup. Süß·Sauer·Salzig war über viele Jahre ein Magnet an dem Marktzugang von der Hohen Geest. Für Eltern war das bunte Angebot von Schleckereien immer eine schwierig zu umschiffende Klippe, für erwachsene Fans von Lakritz und knallbunten Süßigkeiten ein Muss.
Süß·Sauer·Salzig verlässt Hiltrup und geht fremd. Ausgerechnet Warendorf wird in Zukunft angefahren.
Das ist einfach treulos – oder hat es vielleicht einen Grund? Stimmt der Umsatz in Hiltrup nicht mehr, haben die Hiltruper dem Zucker abgeschworen? Wenn man fragt, bekommt man eine ausweichende Antwort. Nein, der Umsatz sei es nicht, das gehe eigentlich, so versteht man die vorsichtige Auskunft.

Erschrocken schaut man sich um: Gehen da etwa auch noch andere? Das Bild ist lückenhaft. Die große Lücke links im Bild schließt sich an den Stand von Süß·Sauer·Salzig an. Daneben verdeckt der Kleintransporter des Olivenstandes schamhaft die nächste Lücke, Reibekuchen-Genius ist heute auch nicht da. Gegenüber ist Rogge mit Obst und Gemüse allein auf weiter Flur, da steht nur noch das Klohaus.

Und auf der anderen Seite des Marktes? Da sieht es (rechts im Bild) auch nicht toll aus. Der Honigstand kommt nur noch jede zweite Woche – das ist ein Abschied auf Raten. Wer geht schon Honig kaufen auf den Markt, wenn unklar ist, ob der Stand heute überhaupt da ist?
Links im Bild ist es ganz übel, aber hier ist noch Hoffnung. Fisch und Käse sind in Urlaub, die kommen wieder.
Die Lücken können uns Hiltruper nicht kalt lassen. Die Attraktivität des Wochenmarktes hängt auch an der Vielfältigkeit des Angebots. Je größer die Lücken, desto schneller nähert sich das Ende. Für einen einzigen Kartoffelstand geht niemand mehr auf den Markt, wenn man alles andere sowieso im Supermarkt kaufen muss. Und man sollte nicht vergessen: Auch die Attraktivität des Hiltruper Zentrums hängt mit am Wochenmarkt.
Wie kann man diese üble Entwicklung stoppen? Warum meiden Marktbeschicker inzwischen Hiltrup?
Die Stimmung ist nicht gut, liest man in der Zeitung. Stadtverwaltung und Marktbeschicker sind sich nicht grün. Aber es ist mehr als bloße Stimmung. In Hiltrup zahlen die Marktbeschicker genauso hohe Standgebühren wie auf dem Domplatz, hört man. Und in Hiltrup putzen die Standbeschicker höchstpersönlich das Klohaus – auf dem Domplatz ist das Kloputzen inklusive.
Das sind sicher nicht die einzigen Gründe. Aber: Kann man das nicht ändern?
Warum kann man die Standgebühren in den Stadtteilen nicht anders – nämlich niedriger – ansetzen als auf dem umsatzträchtigen Domplatz? Warum kann das Kloputzen in Hiltrup nicht so geregelt werden wie auf dem Domplatz? Allein die Vorstellung, dass in Hiltrup dem Griff ins Klo der Griff in die Fleischauslage folgt (folgen muss), ist nicht sehr appetitlich.
Da sage keiner, dass das alles furchtbar schwierig ist. Man muss es nur wollen. Und als Bürger eines Stadtteils darf man lauthals seine Interessen vertreten. Wir wollen im Stadtteil nicht abgehängt werden! Domplatz und Prinzipalmarkt sind nett, aber Hiltrups Zentrum ist für uns viel näher – und viel wichtiger. Wir wollen, dass diese Stadtverwaltung freundlich und werbend mit den Marktbeschickern redet: Die Verwaltung muss Wege finden, damit der Hiltruper Markt auch für die Beschicker attraktiv ist.
Im Übrigen:
Leute, kauft doch einfach auf dem Markt! Ja, alles kann man in irgendeiner Qualität im Supermarkt kaufen. Die besten Kartoffeln, die frischesten Möhren, die Oliven und den leckeren Käse zum Probieren am Stand gibt’s doch nur auf dem Wochenmarkt.
Zum Thema „Entwicklung der Marktpreise“: Die Preise variieren von Stand zu Stand, wie sie auch zwischen den stationären Händlern der Marktallee variieren: Von Fuchs (mit russischen Waren) über islamische Waren über K+K-Supermarkt bis Biomarkt und Edeka findet sich auch dort eine breite Palette. So ist es auch auf dem Markt: Rogge verkauft teures Gemüse, man bekommt aber auch an anderem Stand wirklich gute Kartoffeln, frisches Gemüse und gutes Obst zum günstigen Preis; Käse gibt es teuer – wo bekommt man alten Rohmilchkäse denn billig? -, aber auch in vernünftiger Preislage bis hin zu Sonderangeboten; wenn man qualitativ minderwertiges Zeug willt, muss man natürlich zu Aldi gehen.
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