Studierendenwerk Münster und Bafög-Pleite

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Unzumutbar lange Bearbeitungszeit

Das Studierendenwerk Münster ist im Gespräch, nicht wegen herausragender Leistungen, sondern wegen mangelhafter Arbeit. Der Geschäftsführer ist gefeuert, die ganze Spitze soll reorganisiert werden. Der Verwaltungsrat hat ein schweres Stück Arbeit vor sich, um diesen Laden wieder ans Laufen zu bringen.

Jetzt ist es Zeit, sich nicht nur um Mensa-Suppe und fehlende Wohnheimplätze zu kümmern: Die Bearbeitung von Bafög-Anträgen wirft weitere Fragen auf. Begabtenförderung ist ein beliebtes Thema für Sonntagsredner. Kinder aus Arbeiterhaushalten sind unterrepräsentiert an der Uni, sie haben es schwerer als andere zu studieren. Besondere Unterstützung ist also erforderlich, um auch diese Talente zu heben. Bafög-Stipendien sollen dafür sorgen, dass auch Arme studieren können.

Hier hakt es, und das Studentenwerk Münster tut seinen Teil dazu. Im konkreten Einzelfall sieht das nämlich so aus:

Anfang August kommt der Bescheid, dass der Student einen Studienplatz in Münster hat. Jetzt muss als erstes ein Zimmer organisiert werden, aber wie? Denn der Elternhaushalt irgendwo auf dem Land ist wirklich arm, da ist kein Euro über. Es ist nur ein glücklicher Zufall, dass es entfernte Verwandte in Münster gibt, sie sponsern erst einmal die Zugfahrt nach Münster; sie fahren den zukünftigen Studenten auf der Zimmersuche durch Münster und beraten, wo man als Student besser nicht wohnen sollte. Dann der nächste glückliche Zufall: Ein Zimmer in günstiger Lage ist gefunden. Nun kommen die ersten größeren Hürden, das Zimmer muss ab Mitte September bezahlt werden; der Semesterbeitrag wird fällig, mal eben 300 Euro. An dieser Stelle wäre die Geschichte schon beinahe zu Ende gewesen, wenn die münsterschen Verwandten nicht eingesprungen wären: Dauerauftrag für die Miete, Überweisung der Semestergebühren, und ab Ende September Dauerauftrag für den Lebensunterhalt.

Was das Alles mit dem Studierendenwerk und Bafög zu tun hat? Leider nicht viel. Denn seit September brütet das Studierendenwerk über dem Bafög-Antrag und kommt nicht aus dem Quark. Mal werden diese Nachweise verlangt, mal jene, mal gerät der Studi an einen anderen Sachbearbeiter, der Alles anders angepackt hätte – der Studi lebt auf Kredit, 2500 Euro allein bis zum Jahresende. Kredit, den die Verwandten gewähren müssen, denn sein Elternhaus ist überschuldet, „nicht kreditwürdig“. Die Konstellation dahinter ist einerseits traurig – Eltern getrennt, Schulden, keine Unterhaltszahlungen – und andererseits nicht so ungewöhnlich, dass es dafür keine Lösung geben kann.

Das Studierendenwerk Münster und das aktuelle Bafög-System, sie haben in diesem Fall kläglich versagt. Hier ist dringlich eine Änderung nötig, sonst können uns die ganzen Sonntags-Bildungsredner demnächst gestohlen bleiben.

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