Workshop mit Carsten Bender
Vorlesen hat Konjunktur. Viele lassen sich vorlesen, andere sind selbst als VorleserInnen aktiv. Wer es selbst einmal versucht, entwickelt schnell Ehrgeiz: Man will selbst Spaß dabei haben, und vor allem soll der Text bei den ZuhörerInnen gut ankommen. Der schönste Text taugt nicht, wenn der Inhalt nicht gut transportiert wird. Wer hat sich nicht schon einmal über einen Nachrichtensprecher geärgert, der jedes einzelne Wort betont und dadurch den Sinn dahinter versteckt?
In größeren Abständen bietet der Hiltruper VorLeseClub offene Workshops für VorleserInnen an. Am 29./30. Mai 2026 war es jetzt wieder so weit im Hiltruper Museum. Auf die Veröffentlichung in den Westfälischen Nachrichten meldeten sich 21 TeilnehmerInnen, überwiegend im Rentenalter: Sie haben die Zeit, sich näher mit Literatur und Literaturvermittlung zu befassen. In welchem Rahmen dies geschieht, ist durchaus unterschiedlich. Die Spanne reicht von der Leseförderung in der Bücherei oder Schule über Jugendarbeit und Familie bis zur Selbstorganisation in Lesekreisen oder ähnlichem. Gemeinsam ist all diesen Aktivitäten das ehrenamtliche Engagement.
Ein Workshop kann in sechs Stunden naturgemäß nur einen ersten Einstieg bieten. Die Einführung in die theoretischen Grundlagen hielt der bekannte Schauspieler und Sprecher Carsten Bender als Moderator des Workshops deshalb knapp: Vorbereitungsfragen, die an den Text zu stellen sind, und eine kurze Übersicht der Sprechmittel. Der Schwerpunkt des Workshops lag darauf, an einer Vielzahl von kurzen Textbeispielen die einzelnen Sinnschritte zu erarbeiten und zu notieren. Die Identifikation der einzelnen aufeinander folgenden neuen Informationen im Text ist Voraussetzung dafür, das Vorlesen mit kurzen Pausen sinnvoll zu gliedern. Diese Gliederung bedeutet Textinterpretation, sie vermittelt und erleichtert dem/der ZuhörerIn das Verständnis.
Was sich in dieser Beschreibung des Vorgehens recht papier-theoretisch anhört, wurde in der Gruppenarbeit des Workshops zur angeregten Diskussion. In Kleingruppen wurde lebhaft über Textinhalte und die daraus folgende Einteilung in Sinnschritte debattiert. Unterstützt wurden die Kleingruppen durch erfahrene Mitglieder des VorLeseClubs. Anschließend lasen Mitglieder der Kleingruppen die Arbeitsergebnisse im Plenum vor. Hier gab es weitere Hinweise und konnte im Detail noch einmal nachgefragt werden.
Mit steigender Komplexität der Textbeispiele kamen die VorleserInnen mächtig ins Schwitzen. Die Diskussionen machten deutlich, wie eng der Zusammenhang zwischen Interpretation und Vortrag ist – Im Rahmen der Vorleseregeln gibt es oft mehrere – richtige – Möglichkeiten der Gliederung. Begleitet wurde diese praktische Arbeit am Text von einfachen Übungen zur Stimmbildung und Körperhaltung.
Sehr interessant und hilfreich, so lauteten einhellig die Rückmeldungen der TeilnehmerInnen an Carsten Bender am Ende des Workshops. Vorlesen macht Spaß, und wenn es auch den ZuhörerInnen Spaß machen soll, muss man ein wenig Zeit und Mühe investieren.
Einen Rahmen dafür bietet auch der Hiltruper VorLeseClub. Seine Mitglieder werden sich im Juni 2026 in einem internen Workshop fortbilden, Thema: Besser vorlesen!
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