Aspirin gegen Corona

Müller im Abseits

Kleines dickes Müller, der war klasse. Spielte als „Bomber der Nation“ begnadet Fußball, war nicht zu stoppen, bleibt in Erinnerung. Dann gibt es da noch andere Müller, die voraussichtlich nicht ganz so ruhmreich in Erinnerung bleiben werden, beispielsweise den Kardinal Müller. Nach vielerlei öffentlichen Scharmützeln verlor er seinen Posten als Präfekt der römisch-katholischen Kongregation für die Glaubenslehre. Jetzt verbreitet er öffentlich allerlei Gedanken über Gott und die Welt, wie das viele Leute tun, ein Kardinal-Blogger eben.

Das ist eigentlich nichts Besonderes. Aufmerksamkeit bekommt er im Augenblick allerdings reichlich, und zwar aus zwei Gründen.

Zum einen tritt Kardinal Müller als „Hirte der katholischen Kirche“ auf und reklamiert damit für sich einen Führungsanspruch, der ihm nicht zusteht. Er ist Pensionär, das Sagen haben andere; an erster Stelle doch wohl der Papst als Oberhaupt der Kirche.

Der zweite Grund für Beachtung ist das Geheimnis. Müller behauptet, er habe einen Auftrag. Aber Müller ist in geheimer Mission unterwegs, sozusagen undercover: Wie der Auftrag lautet und von wem er stammt, sagt er nicht. Das einzige, was Müller der Öffentlichkeit aufgibt, ist das Rätsel: Ist dieser Blog Satire oder Ernst? Ein wenig Latein ist immer gut um Verwirrung zu stiften. Ein frommes Bildchen in der Aufmachung der Website lässt auch offen, ob sich da jemand lustig macht über die ratlosen Leser des Blogs, oder ob dieser gedankliche Potpourri doch ernst gemeint ist.

Stoppen muss diesen Müller niemand. Es gibt genug frustrierte Pensionäre auf der Welt, die aus ihrer Schmollecke heraus stänkern, und niemand hört ihnen zu. Nur wenn man sich mal über merkwürdiges Geschreibsel anderer Leute ärgert, dann lohnt ein Blick in den Müller-Blog: Es geht immer noch schlimmer.