Metallbauer ohne Skrupel
Ein altes Haus stilgerecht zu erhalten ist nicht billig. Neunzig Jahre hatte die Gartenpforte gehalten, dann fraß der Rost sie auf. Ersatz musste her, möglichst identisch. Beim Nachbarn arbeitete gerade der Metallbauer Blienert aus Beelen. So lag es nahe, eben zur Baustelle zu gehen und das Problem zu schildern. Das war ein Fußweg von 20 Metern. Der Fachmann kam, sah, machte ein Aufmaß und ein Foto. Danach geschah erst einmal nichts.
Handwerker sind sehr beschäftigt, man kennt das, also hatte man Geduld. Monate später eine Erinnerung per Telefon: Ja, der Auftrag ist nicht vergessen.
Die neue Gartenpforte kam, tatsächlich ein Replikat des 30er-Jahre-Modells, und wurde von Blienert im Jahr 2021 eingebaut. Drei Jahre hielt sie durch, dann streikte das Schloss im Jahr 2024. Wer ins Haus wollte, musste über die Gartenpforte klettern.
Drei Jahre sind eine kurze Zeit. Fast neu und schon kaputt?
Irgendwie ließ sich das Schloss überlisten und öffnen. Aber es verriet nicht, wie es auszubauen und zu ersetzen war. Also musste Blienert wieder ran. Kam, sah, und hatte ein Problem. Da müsse man noch einmal in die Werkstatt fahren, hieß es. Gesagt, getan, und die Rechnung war prächtig. Fast 400 Euro kostete der Schloss-Ersatz. Viel Geld für so einen einfachen Vorgang. Eigentlich – ja eigentlich hätte Blienert selbst für diese Nacharbeit aufkommen müssen. Denn sie war Folge von Pfusch bei der Herstellung der Pforte. Aber dem Kunden sagte Blienert natürlich nichts davon.
Noch schmerzlicher war der versteckte Pfusch, der sich bei dieser Gelegenheit zeigte. Der Monteur von Blienert hatte die Gartenpforte im Jahr 2021 mit Klebstoff und Spucke montiert, ein Wunder, das es überhaupt funktioniert hatte. Die Dübel im steinernen Torpfosten waren zu tief eingeklebt worden. Drei Gewindemuttern hatten kaum Halt, die vierte war Fake – einfach mit Silikon aufgeklebt. Das musste revidiert werden, war allen Beteiligten klar.
Wieder dauerte es. Monate vergingen, bis Blienert diesen Pfusch schließlich beseitigte. Jetzt sieht die Pforte zwar nicht mehr so aus wie bestellt, aber es hält.
Alles gut für die nächsten neunzig Jahre?
Weit gefehlt. Diesmal dauerte es keine zwei Jahre, bis das Schloss wieder kaputt war. Plötzlich war der Schnepper weg, die Schloss-Falle. Aber diesmal reparierte der Eigentümer selbst, er hatte beim vorigen Mal zugeschaut. Schloss ausgebaut, als Muster mitgenommen zu RÜTÜ in Münster, und Ersatz bestellt. Kein Problem, nur ein Unterschied: Bei RÜTÜ kostete das Schloss nur zwei Drittel von dem, was Blienert berechnet hatte.
Das Problem zeigte sich dann erst beim Einbau. Blienert hatte schon im Jahr 2021 bei der Herstellung der Gartenpforte gepfuscht und die Aussparung für das Schloss zu knapp bemessen. Das Standard-Schloss passte nicht in die Aussparung der Gartenpforte. Deshalb hatte Blienert 2024 mit dem Schloss noch einmal in die Werkstatt fahren und es dort passend machen müssen – deshalb war die Reparaturrechnung von 2024 so unangemessen hoch gewesen.
Was tun?
Diesmal reparierte der Eigentümer selbst. Maß genommen, das Schloss mit der Schleifmaschine gekürzt, bis es passte. Gesamtkosten: 43,97 Euro.
Erkenntnis: Es gibt doch immer noch Handwerker, die auch beim Pfusch gründlich sind. Und wenn es ums Geld geht: Verlangen sie überteuerte Preise und lassen einfach den Kunden zahlen. Für den Pfusch.
Kommentare
Keine Kommentare
Kommentare